Autor Thema: Verlage links liegen lassen  (Gelesen 2790 mal)

Datko

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Verlage links liegen lassen
« am: 12.09.2012, 04:51 »
Mein Kommentar zu: http://www.spektrum.de/alias/urheberrecht/rueckfall-in-die-analoge-steinzeit/1164414

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Verlage links liegen lassen

Die Verlage vertreiben in der Regel nur "Wissen". Veröffentlichungen werden in Zukunft immer mehr im Internet erfolgen, dann sind die Händler außen vor.

A) Mich wundert es sowieso, warum die Kultusministerien bei Schulbüchern nicht schon längst eigene Bücher erstellen, die sie über das Internet zur Verfügung stellen. Es gibt genug Lehrer und Studenten, die die Inhalte liefern würden.

B) Die Ergebnisse von Forschungsarbeiten können doch nicht zur kommerziellen Verwertung an Verlage "verschenkt" werden, wenn die Forschung über Steuergelder finanziert wurde.
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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Re: Verlage links liegen lassen
« Antwort #1 am: 12.09.2012, 18:04 »
Die Verlage vertreiben in der Regel nur "Wissen". Veröffentlichungen werden in Zukunft immer mehr im Internet erfolgen, dann sind die Händler außen vor.

Im Gegenteil, die Wissenschaft sorgt für "Wissen". Aufgabe von Autoren, Publizisten und Verlagen ist vielmehr die Aufbereitung des Wissens. Gerade bei Bildungsmedien ist das didaktische Konzept meist erheblich wichtiger, als der Lehrinhalt. Die Kunst eines guten Rechenbuchs ist doch nicht, dass der Dreisatz korrekt gelöst wird. Die Kunst besteht darin, dem Nichtwissenden einen Weg zu weisen, zum Wissenden und Könnenden zu werden.

Aber auch alle sonstigen Informationen bedürfen der Aufarbeitung. Nur die Auswahl und zielgruppengerechte Aufarbeitung macht aus der Flut von Agenturmeldungen eine Zeitung, Fernsehnachrichten oder eine Internet-Publikation. Themenauswahl, Aufbereitung, Darstellung und Visualisierung sind die eigentlichen urheberrechtlich zu schützenden Werte.

Die Frage, auf welchem Weg ein Werk vom Urheber zum Konsumenten gelangt, ist prinzipiell gleichgültig. Der mündliche Vortrag ist ebenso geschützt, wie das gedruckte Wort oder die digitale Umsetzung. Allein der Umstand, dass digital gespeicherte Informationen verlustfrei beliebig kopiert werden können, darf die Schöpfer von Werken aller Art nicht deren Rechte berauben.

Wer gute und fachlich hochwertige Publikationen will, muss wissen, dass es diese nicht umsonst geben kann. Und selbst die kostenlosen Inseln im Meer der Informationen wie z.B. Wikipdia, sind nur möglich, weil es das Umfeld eben auch gibt. Ein Lebensmittelgeschäft kann zwar einige Waren kurz vor Erreichen des Verfallsdatums an die Tafel verschenken, es kann jedoch nicht sein gesamtes Sortiment kostenlos abgeben.

Es wird dahr eine Herausforderung an den Gesetzgeber sein, vernünftige und handhabbare Kompromisse zwischen der Interessenwahrung der Urheber und dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung zu finden. Und mancher Verlag mag hierbei auch mal daran denken, dass ein paar kostenfreie Seiten im Internet manchen auch veranlassen können, das ganze Buch zu kaufen. Vielleicht wäre es daher schon sehr hilfreich, wenn der Gesetzgeber bei Zitaten und kostenfreien Kopien stärker eine Urheber-Quellen-Angabe vorschreiben würde. Also, Kopieren in geringem Umfang erlauben, aber bei fehlender Quellenangabe empfindliche Geldbußen. So könnte ein kleiner Verlust bei den Urheberrechten durch Werbeeffekte etwas ausgeglichen werden.
« Letzte Änderung: 12.09.2012, 18:08 von TWMueller »
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Re: Verlage links liegen lassen
« Antwort #2 am: 13.09.2012, 06:04 »
Im Gegenteil, die Wissenschaft sorgt für "Wissen". Aufgabe von Autoren, Publizisten und Verlagen ist vielmehr die Aufbereitung des Wissens. Gerade bei Bildungsmedien ist das didaktische Konzept meist erheblich wichtiger, als der Lehrinhalt. Die Kunst eines guten Rechenbuchs ist doch nicht, dass der Dreisatz korrekt gelöst wird. Die Kunst besteht darin, dem Nichtwissenden einen Weg zu weisen, zum Wissenden und Könnenden zu werden.
Die Aufbereitung machen die Wissenschaftler selbst. Wie das gemacht wird, lernen sie im Studium. Wenn Redakteure eingreifen, ist die Gefahr groß, dass sie falsch gewichten oder gar verfälschen.

Heutzutage ist die Didaktik meiner Ansicht nach überbewertet, vor lauter Didaktik verliert man eventuell den Blick auf das Wesentliche, den konkreten Inhalt. Didaktik verhindert oft den eigenen Zugang zu Wissen und fördert Passivität.

Aber auch alle sonstigen Informationen bedürfen der Aufarbeitung. Nur die Auswahl und zielgruppengerechte Aufarbeitung macht aus der Flut von Agenturmeldungen eine Zeitung, Fernsehnachrichten oder eine Internet-Publikation. Themenauswahl, Aufbereitung, Darstellung und Visualisierung sind die eigentlichen urheberrechtlich zu schützenden Werte.

Durch die Aufbereitung wird oft vieles beigemischt und vernebelt die eigentliche Information oder für den Einzelnen das Falsche bereitgestellt. Die Meldung selbst ist meist klar und verständlich, der Artikel in der Regionalzeitung aufgeblasen und von der Meinung des Redakteurs eingefärbt. Der Zeitungsleser liest heute die Meldungen von gestern. Auch lesen die Meisten nur einen Teil, mich interessieren z.B. Sportmeldung überhaupt nicht, fast ein Drittel des Umfangs der Tageszeitung, es bleiben vielleicht 20% des Inhalts übrig, mehr interessiert mich nicht.

Die Frage, auf welchem Weg ein Werk vom Urheber zum Konsumenten gelangt, ist prinzipiell gleichgültig. Der mündliche Vortrag ist ebenso geschützt, wie das gedruckte Wort oder die digitale Umsetzung. Allein der Umstand, dass digital gespeicherte Informationen verlustfrei beliebig kopiert werden können, darf die Schöpfer von Werken aller Art nicht deren Rechte berauben.
empfindliche Geldbußen. So könnte ein kleiner Verlust bei den Urheberrechten durch Werbeeffekte etwas ausgeglichen werden.

Es soll ein möglichst unkomplizierter Zugang sein, den bietet mit Abstand das Internet, nur dort ist der sofortige Zugang möglich.

Zwischenhändler erhöhen die Kosten.

Das Urheberrecht soll bleiben, aber nicht dazu führen, dass Verlage die Ergebnisse mit öffentlichen Mitteln bezahlter Forschung teuer verkaufen.

Wer gute und fachlich hochwertige Publikationen will, muss wissen, dass es diese nicht umsonst geben kann. Und selbst die kostenlosen Inseln im Meer der Informationen wie z.B. Wikipdia, sind nur möglich, weil es das Umfeld eben auch gibt. Ein Lebensmittelgeschäft kann zwar einige Waren kurz vor Erreichen des Verfallsdatums an die Tafel verschenken, es kann jedoch nicht sein gesamtes Sortiment kostenlos abgeben.

Nehmen wir Wikipdia, Wikipdia ist konkurrenzlos gut. Ich erinnere mich noch an die Enzyklopädien, für jeden Buchstaben ein Buch, für die konkrete Information aber auch nur wenige Zeilen.

Und Einkaufen wird für viele Güter auf Dauer auch über das Internet laufen, egal ob teurer Fernsehapparat oder ein Ersatzteil, das in Geschäften aus Kostengründen nicht vorgehalten werden kann. Die Auswahl ist im Internet gigantisch, die Lieferung erfolgt ins Haus, der Wettbewerb ist hart, die Kosten sind relativ gering.

Es wird eine Herausforderung an den Gesetzgeber sein, vernünftige und handhabbare Kompromisse zwischen der Interessenwahrung der Urheber und dem Informationsbedürfnis der Bevölkerung zu finden. Und mancher Verlag mag hierbei auch mal daran denken, dass ein paar kostenfreie Seiten im Internet manchen auch veranlassen können, das ganze Buch zu kaufen. Vielleicht wäre es daher schon sehr hilfreich, wenn der Gesetzgeber bei Zitaten und kostenfreien Kopien stärker eine Urheber-Quellen-Angabe vorschreiben würde. Also, Kopieren in geringem Umfang erlauben, aber bei fehlender Quellenangabe empfindliche Geldbußen. So könnte ein kleiner Verlust bei den Urheberrechten durch Werbeeffekte etwas ausgeglichen werden.

Ich musste vor Jahrzehnten ein ganzes Buch kaufen, weil ich einen kleinen Schaltplan brauchte, der Preis, damals 20 DM, heute gibt es den Schaltplan im Internet, umsonst.
« Letzte Änderung: 13.09.2012, 10:52 von Datko »
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Re: Verlage links liegen lassen
« Antwort #3 am: 13.09.2012, 18:30 »
Die Frage ist doch nicht, Zeitung ODER Internet, Buch ODER PDF-Datei, Fernsehen ODER Kino, CD ODER MP3 usw.

Es handelt sich doch letzendlich nur um MEDIEN, um ÜBERTRAGUNGSWEGE. Entscheidend ist der Inhalt und dessen Aufbereitung / Darstellung.

Und ist es nicht gerade das NEBENEINANDER verschiedener Medien, das unser Leben bereichert? Letztendlich wird der MARKT, die NACHFRAGE regeln, für welche Art von Information welches Medium bevorzugt wird.

Gleichgültig, welcher Übertragungsweg gewählt wird, es wird immer Stellen geben, die aus der Fülle von Informationen eine Vorauswahl für eine bestimmte Darstellung treffen. Auch jede Internet-Redaktion, die Texte Dritter ankauft oder in Auftrag gibt und diese einem Publikum aufbereitet darbringt, ist ein VERLAG. Sobald jemand z.B. einen Reporter losschickt, um über ein lokales Ereignis zu berichten, und dessen Text anschließend in einem Gesamtwerk darstellt, betreibt er einen Zeitungsverlag. Ob das Ergebnis dann gedruckt wird oder im Internet dargestellt erscheint, spielt nicht die entscheidende Rolle.

Und genau an diesem Beispiel wird auch das Problem des Urhheberrechts deutlich. Soll der Reporter, dessen Bericht in GEDRUCKTER Form erscheint mehr Urheberrechte haben, als wenn der selbe Text in ELEKTRONISCHER Form publiziert wird?

P.S.
Auch wenn ein Wissenschaftler seine Erkenntnisse strukturiert aufbereitet und dabei an seine späteren Leser denkt, ist dies bereits DIDAKTIK.

Nicht jeder kann zudem einen spannenden Roman schreiben und nicht jeder kann wissenschaftliche Erkenntnisse verständlich zu Papier bringen. Ein genialer Architekt muss kein Bauingenieur sein, der exakte Statikberechnungen ausführen kann und erst recht muss er kein Maurermeister sein, der den Entwurf auch in praktisches Mauerwerk umsetzen kann.
« Letzte Änderung: 13.09.2012, 18:33 von TWMueller »
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