Autor Thema: Das paradoxe Christentum  (Gelesen 1509 mal)

Ungläubiger

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Das paradoxe Christentum
« am: 26.04.2012, 14:55 »
 Meine Frau ist Katholikin und besitzt eine Bibel. Sie kennt daraus nur einige "werbewirksame Sprüche", die Bibel wird jedoch nie gelesen.
Ich bin Atheist und kenne die Bibel, sonst wäre ich nicht Atheist geworden.
 
Ich beschäftige mich viel mit der Bibel und atheistischen Büchern, Internetseiten, atheistisch, katholisch, evangelisch und andere.
Meine Frau "verbietet" mir das Lesen solcher Lektüren und Seiten aus dem Internet.
Mit der Begründung: "Wie kann man sich täglich nur mit soviel Dreck beschäftigen"
Ein paradoxes Christentum, wie wahr, wie wahr.......

TWMueller

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Re: Das paradoxe Christentum
« Antwort #1 am: 26.04.2012, 21:40 »
Meine Frau "verbietet" mir das Lesen solcher Lektüren und Seiten aus dem Internet.

Hier wird ein Grundproblem der Menschheit deutlich. Die meisten Menschen tragen mehr oder minder große Scheuklappen, die ihnen entweder von Anderen aufgesetzt wurden oder die sie sich selbst verpassen. In totalitären Systemen wird der Blick über die verordnete "Wahrheit" hinaus verboten oder bekämpft. Aber auch der Einzelne zwingt sich bisweilen selbst, nur in einem Tunnel zu denken. Vielleicht ist es die Angst, dass man liebgewonnene Erkenntnisse in Frage stellen müßte, wenn man sich unvoreingenommen mit einem Thema beschäftigen würde. Die "Wahrheit" braucht keine Überprüfung zu fürchten. Es sind immer nur die Menschen, die Angst vor neuen Einsichten haben. Es könnte ja das Selbstverständnis und das eigene Bild vom Ich völlig beschädigen, wenn man womöglich in fortgeschrittenem Alter zur Erkenntnis käme, sein Leben lang etwas Unzutreffendes geglaubt zu haben. Ehe man somit die eigne Integrität zerstört, klammern sich halt Viele lieber an das Bild der Welt und von sich selbst, an das sie so lange geglaubt haben. Es darf nicht sein, was nicht sein soll.

Und dabei wäre es im Prinzip doch so einfach. Man muss lediglich erkennen, dass jedes Bild und jede Erkenntnis nur so gut sein kann, wie die Informationen, die zur Verfügung stehen. Neue Erkenntnisse sind daher nicht als Angriff auf das bisherige Weltbild zu verstehen, sondern als Weiterentwicklung des Menschen. Keine Erkenntnis, keine technische Entwicklung wurde je ohne Fehlversuche zum Erfolg gebracht. Neue Erkenntnisse sind somit kein Indiz für die eigene Schwäche oder gar Beweis für frühere Fehler. Sie sind Ausdruck einer Weiterentwicklung. Und vor der Beschäftigung mit alternativen Sichtweisen muss sich schon gar Keiner fürchten. Vielleicht bestätigen sie ja sogar die bisherige Meinung. Und ansonsten helfen sie, dazuzulernen.

Den wirklichen Fehler macht doch nicht derjenige, der sich (mal) irrt. Der schlimmste Fehler ist, nichts mehr sehen oder hören zu wollen, nur um nicht hinzulernen zu müssen.
« Letzte Änderung: 26.04.2012, 21:43 von TWMueller »
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Re: Das paradoxe Christentum
« Antwort #2 am: 28.04.2012, 07:12 »

Und dabei wäre es im Prinzip doch so einfach. Man muss lediglich erkennen, dass jedes Bild und jede Erkenntnis nur so gut sein kann, wie die Informationen, die zur Verfügung stehen. Neue Erkenntnisse sind daher nicht als Angriff auf das bisherige Weltbild zu verstehen, sondern als Weiterentwicklung des Menschen.

Ein wichtiges Prinzip in den Wissenschaften, Erkenntnis ist immer nur vorläufig und kann revidiert werden, auch wenn sie noch so sicher erscheint.

Den wirklichen Fehler macht doch nicht derjenige, der sich (mal) irrt. Der schlimmste Fehler ist, nichts mehr sehen oder hören zu wollen, nur um nicht hinzulernen zu müssen.

Das Problem ist dabei, dass Falsches oft mit apodiktischer Sicherheit behauptet wird, es wird dadurch versucht es gegen Kritik zu immunisieren. Gerade in Glaubensfragen werden gerne skurille Aussagen, wie z.B. "Das ist das Blut Christi" als "ewige" Wahrheiten ausgegeben, so etwas wird in die Gehirne von klein auf durch Indoktrination geprägt und entsprechend verteidigt.
« Letzte Änderung: 28.04.2012, 13:19 von Datko »
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Re: Das paradoxe Christentum
« Antwort #3 am: 28.04.2012, 15:48 »
Die geistige Unbeweglichkeit bzw. falsch verstandene Werte-Definitionen sind DAS Kernproblem der Zukunft. Das, was so verharmlosend als "Kampf der Kulturen" bezeichnet wird, ist in Wirklichkeit das Machtspiel Weniger, die Menschen mit vorgeschobenen Argumenten und Glaubensdiktionen zu willigen Streitern machen wollen.

Es wird folglich eine der besonderen Herausforderung für kluge Köpfe sein, Systeme und Strategien zu entwickeln, die Menschen weltweit zu bilden, geistig zu befreien und ihnen die Möglichkeit zu geben, Verführer und Verführungen zu erkennen.

Das Problem ist doch nicht der Glaube des Einzelnen. Dieser wird erst dann zum Problem, wenn die eigene Überzeugung Anderen aufgedrängt oder gar aufgezwungen werden soll. Das sicher krasseste Beispiel sind Staatsreligionen, die das "richtige Denken und Glauben" mit Repressalien durchsetzen wollen. Gleichzeitig wird in der Regel ein Feindbild aufgebaut, das alle anders Denkenden zu Minderwertigen, zumindest aber zu Gegnern erklärt. Im Wahrheit dient dieses Aufstacheln aber nur den jeweiligen "Führern", die nichts mehr fürchten, als frei denkende Menschen, die sich nicht so ohne Weiteres gegeneinander aufhetzen lassen.

Aber zumindest kann jeder Einzelne einen kleinen Schritt tun, um die Welt friedlicher und besser zu machen: Er braucht nur TOLERANZ praktisch vorleben. Spätestens, wenn im Kopf der Satzteil "Das kann / darf MAN doch nicht ..." in Verbindung mit einer Verhaltensweise auftaucht, muss eine Warnleuchte angehen. Die Verwendung des Begriffs "man" ist ein starkes Indiz, dass es an wirklichen Gründen fehlt (nur in seltenen Fällen ist es schlicht Gedankenlosigkeit). Und wenn die Warnleuchte angeht, braucht es nur eines kleinen weiteren Schritts. Jeder sollte schlicht überlegen, ob er überhaupt vom Denken oder Verhalten des Anderen betroffen wird. Wie würde ICH mich im Gegenzug fühlen, wenn MIR jemand Vorschriften machen wollte? Oft wäre es bereits hilfreich, statt Vorschriften machen zu wollen, etwas als Rat oder Empfehlung zu formulieren. Es muss dann jedoch dem Anderen auch zugestanden werden, ggf. etwas zu tun, was man selbst als Fehler ansieht. FREIHEIT ist eben auch das Recht, "Fehler" machen zu dürfen.
« Letzte Änderung: 28.04.2012, 15:52 von TWMueller »
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