Autor Thema: Fußball-Irrsinn von ARD und ZDF kostet 360 Millionen € pro Jahr  (Gelesen 2733 mal)

Datko

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Siehe: http://www.bz-berlin.de/kultur/fernsehen/die-teure-fu-szlig-ballsucht-von-ard-und-zdf-article1190708.html

Die öffentlichen Rundfunkanstalten haben sich mit Hilfe der Politiker zu einem Mammut entwickelt, von einer Grundversorgung sind sie weit weg, sie sind ein weitgehend öffentlich finanziertes Wirtschaftsunternehmen.
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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TWMueller

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Man kann trefflich darüber streiten, ob und wenn ja in welchem Umfang Fussballübertragungen zur "Grundversorgung" eines öffentlich-rechtlichen Rundfunksystems gehören. Diese Betrachtung lenkt jedoch vom wesentlichen Problem, von den Kernfragen ab.

Das Kernproblem jeder "gebührenfinanzierten" Systems besteht darin, dass zuerst die Kosten beschlossen werden und dann erst in einem zweiten Schritt hierauf basierend die Gebühren festgelegt werden sollen. Stellen Sie doch gedanklich mal zusammen, was Sie so an notwendigen und sinnvollen Kosten und Ausgaben im Monat haben. Und jetzt gehen Sie gedanklich zu Ihrem Chef und sagen: "Also ich habe errechnet, das ich monatlich X Euro benötige. Das muss jetzt auch als Gehalt bezahlt werden." Nun, das Ergebnis dürfte klar sein, im besten Fall ein herzhaftes Lachen.

Im wirtschaftlichen Umfeld ist die Reihenfolge eben genau anders herum. Das Budget steht fest, die Ausgaben und Kosten werden optimiert (minimiert).
Würden die Verantwortlichen bei den Rundfunkanstalten auch dann derart großzügig auf Einkauftour gehen, wenn im Gegenzug (zum Einhalten des Budgets) ihre eigenen Bezüge entsprechend gekürzt würden?

Ein weiteres Problem stellt der monopolartige Markt bei Sportübertragungen dar. Erst wird mit Steuergeldern der (Breiten)Sport gefördert, dann versuchen die Sportverbände, ihre "Events" zu Maximalerträgen zu vermarkten. Die Rundfunksender werden hierbei erpressbar. Man kann oder will es sich nicht leisten, auf die Übertragung scheinbar wichtiger Veranstaltungen zu verzichten. Aber gerade dies wäre der einzige Ausweg aus der immer schneller ansteigenden Kostenspirale. Erst wenn einmal ein Sportverband niemand mehr findet, der die astronomischen Preise zahlen will, wird sich ein Hauch von Marktgeschehen einstellen.

Und wo bleibt eigentlich das Kartellamt? Wenn ein einziger Anbieter ein exklusives Recht an einer öffentlich interessierenden Veranstaltung vermarktet, muss der Staat doch das Recht haben, regulierend einzugreifen. Wenn der Steuerzahler für die Rahmenkosten z.B. für Polizeieinsätze rund um Fussballspiele aufkommt, hat die Öffentlichkeit auch ein Recht auf entsprechende Information. Es dürfte somit überhaupt kein exklusives Übertragungsrecht geben. Jeder Sender muss die Möglichkeit haben, gleichberechtigt berichten zu können. Dies darf erst bei der Verwendung des Materials zu Nutzungshonoraren führen. Ähnlich einer tarifvertraglichen Vereinbarung müssen die beteiligten Partner für ca. ein Jahr die Gebühren pro Sendeminute festlegen. Und diese Gebühr wird dann vom Kartellamt für allgemeingültig festgestellt. Jeder kann senden, jeder zahlt eine gleiche und angemessene Lizenz. Vielleicht müßte mancher "Fussballstar" auf sein Wolken-Kuckucksheim-Honorar zum Teil verzichten, aber das System würde wieder etwas geerdet.

Die einzig denkbare Alternative wäre, dass sich die öffentlich-rechtlichen Sender konsequent für ein paar Jahre aus der Übertragung überteuerter Events zurückziehen. Anfangs werden zwar die Privatsender versuchen, diese Lücke zu nutzen. Da sie als Wirtschaftsunternehmen jedoch keine Sportrechte in beliebiger Höhe mit ihren Werbeeinnahmen finanzieren können, wird sich rasch ein Hauch von Marktwirtschaft einstellen. Allein, der GEBÜHRENFINANZIERTE Sonderspieler "öffentlich-rechtlicher Rundfunk" muss zunächst zur Seite gestellt werden.
Thomas W. Müller
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