Autor Thema: Es kann keine ZWEI alternative Rechts- und Wertesysteme in einer Gesellschaft nebeneinander geben  (Gelesen 2506 mal)

TWMueller

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    • SchornsteinFegerRechts-Reform
Kirchliche Feiertage sind ein Symbol für die Unterdrückung der Gesellschaft.

Ich glaube, hier müssen zwei Aspekte unterschieden werden. Ein (gesetzlicher) Feiertag, der einem großen Teil der Bevölkerung die MÖGLICHKEIT gibt, auch z.B. religiöse Feste zu feiern ist gut. Aber ein ZWANG für Alle, mitfeiern zu MÜSSEN, ist ideologische Diktatur.

Wenn islamische Fundamentalisten die Einführung eines "Gottesstaats" fordern, wird dies von der Masse der aufgeklärten Bevölkerung lauthals zurückgewiesen. Aber in Wahrheit machen derartig überzogene Forderungen doch nur ein Grundproblem deutlich. Es kann keine ZWEI alternative Rechts- und Wertesysteme in einer Gesellschaft nebeneinander geben. Kirchen und Religionsgemeinschaften jedoch sind bereits seit Urzeiten der Versuch, genau dies zu etablieren. Der Häuptling hat zwar offiziell das Sagen, der Medizinmann versucht jedoch, mit Berufung auf einen "göttlichen Willen" seine Vorstellungen über die das "Chefs" zu stellen. Bezogen auf unsere modernen Gesellschaften heißt dies, die Parlamente machen zwar Gesetze, aber die Kirchen-Fürsten wollen (mit Berufung auf eine nicht zu befragende Instanz) die Werte und Grenzen bestimmen, in denen die Selbstbestimmung der Menschen erfolgen darf.

Und wenn sich die Kirchen gegen die Abschaffung längst überholter Regeln für "Feiertage" stemmen, so versuchen sie damit doch nur ihre Machtstellung zu retten. Nehmen die Menschen die kirchlichen Feiertage nicht mehr ernst, nehmen sie sichtbar auch die Kirche nicht mehr ernst. Der Einfluss der Vorbeter sinkt. Die Kirchen werden in der Öffentlichkeit nicht mehr als wichtig empfunden. Nur das Klammern an Nebensächlichkeiten, an Riten und Gewohnheiten sichert die Ausnahmestellung der Religionen in einer aufgeklärten Welt.

Warum seltsam gekleidete Würdenträger immer wieder aus einem uralten Märchenbuch vorlesen, kann niemand logisch mit Sinn begründen. Es ist ein Ritual, das längst zum Selbstzweck geworden ist. Zwar entwickelt sich das Leben, die Welt und die Menschen von Jahr zu Jahr weiter, die "heiligen Bücher" jedoch bleiben stehen. Und so entfernen sich die denkenden Geister halt immer weiter von dem, das als "unveränderliche Weisheit" festgenagelt wurde.

Alle Religionen, die sich auf einen oder mehrere Götter berufen, sind in Wahrheit doch nur der Versuch Weniger, unter Berufung auf eine Instanz, die nicht direkt befragt werden kann, ihre Sonder- und Macht-Stellung zu behaupten. Es war kein Gott, der die Menschen erschaffen hat, es waren Menschen, die den Trick mit einer höheren Macht ersonnen und ausgenutzt haben. Immerhin, niemand, der etwas logisch und sachlich begründen kann, hat es nötig, sich lediglich auf "höhere Mächte" zu berufen. Und wer sich zwanghaft an alte Riten klammert, beweist doch bestenfalls, dass er nicht flexibel genug ist, mit der Zeit und den Menschen Schritt zu halten.

Wie friedlich könnte unsere Welt aussehen, wenn nicht die machtbesessenen Vorbeter und Religionsführer der unterschiedlichsten Glaubensrichtuingen und Kirchen die Menschen zu völlig unsachlichen und unsinnigen Streitigkeiten aufstacheln würden. Und man braucht hierbei noch nicht einmal den Kulturstreit der "islamischen" zur "westlichen" Welt zu bemühen. Wenn es einen (christlichen) Gott geben sollte, ob dieser tatsächlich Wert daruf legen würde, dass protestantische und katholische Gläubige den "Gottesdienst" nach unterschiedlichen Riten gestalten? So kleingeistig kann kein überirdisches Wesen oder eine Allmacht sein, die das Univerum als einzig wissende Macht gestaltet hat. Hier würde jeder Gott wortwörtlich über den Dingen stehen. Aber es gibt da ja noch den Menschen. Und es sind Menschen, die ihre Stellung, ihre Macht, ihr Ansehen auf Riten und Abgrenzung aufbauen. Und sie brauchen "Schafe", die ihrem "Hirten" brav und ohne Kritik oder Skepsis folgen.
« Letzte Änderung: 23.04.2012, 23:22 von TWMueller »
Thomas W. Müller
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Ungläubiger

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Ein eigenartiger Gott, der Menschen als Priester hat und einen menschenähnlichen Stellvertreter. Was für ein Armutszeugnis eines allmächtigen Gottes, dessen Fußvolk täglich jämmerlich versagt, die Treue zur Kirche gebrochen wird und jeder macht, was er für richtig hält.
In den letzten 100 Jahren hat sich die Macht der Kirchen völlig verändert: keine Scheiterhaufen mehr, keine Bestrafungen mehr bei antichristlichen Äußerungen in Büchern, Filmen und anderen Medien, Ehescheidungen und Trennungen ohne Rücksicht auf die Kirchengesetze stattfinden, Sex gehört zum Alltag und untersteht nicht mehr der "Vorsorge" der Kirchen, nicht einem Gott sondern dem Geld wird gehuldigt. Gott nein, Geld ja. Christentum ist keine Alternative, zum Zusammenleben gehören andere Werte. Es geht alles ohne einen Gott und wir stellen jeden Tag fest, den Gläubigen geht es auch nicht besser oder schlechter als denjenigen, die keinen Gott in ihrem Gepäck mitführen und das Kreuz nicht als Krücke brauchen. Es funktioniert nur ein menschliches humanes Miteinander. Amen.