Autor Thema: Krebsmedikamente : Zytostatika: Verband fordert Verbot von Ausschreibungen  (Gelesen 4710 mal)

Datko

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Da gehen Krankenkassen gegen die extrem hohen Preise für Krebsmedikamente vor und schon ist die Apothekenlobby aktiv.

Siehe: http://www.pharmazeutische-zeitung.de/index.php?id=39124

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«Ausschreibungen wie von der Barmer GEK führen zwangsläufig zu einer Minderung der Versorgungsqualität, da der niedrigste Preis als alleiniges Zuschlagskriterium zu einer entsprechenden Preiskalkulation führt. Preisdumping bedeutet Versorgungsverlust», sagte VZA-Präsident Dr. Klaus Peterseim.
"

Und die Krankenkasse will doch nur erreichen, dass die Gesundheitsversorgung bezahlbar bleibt.

Für die Profiteure eines mangelhaften Wettbewerbs gibt es hundert Gründe, warum Wettbewerb schädlich ist.
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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Re: Verband fordert Verbot von Ausschreibungen
« Antwort #1 am: 27.08.2011, 14:43 »
Nun sollte jeder Leser bedenken, dass derjenige, der am lautesten schreit, in der Regel derjenige ist, der den größten Schmerz erleidet, d.h. wessen (überzogene) Gewinne am deutlichsten zurückgehen werden.

Der Hersteller, dessen Produkt wegen guter Preiskalkulation eine reale Chance hat, eine Ausschreibung zu gewinnen, wird kaum aufschreien, sondern das Verfahren eher als Gelegenheit verstehen, noch besser ins Geschäft zu kommen. Ärgerlich wird es jedoch für diejenigen, die mit großzügigen Kostenansätzen und überzogenen Gewinnerwartungen die Kunden bislang aus einer Position der Abhängigkeit heraus schröpfen konnten.

Und wer dem weinerlichen Geschrei der Pharmaindustrie doch etwas gefühlsmäßig aus den Leim zu gehen droht, sollte sich einmal das System einer Ausschreibung in Erinnerung bringen. Nehmen wir doch zum Vergleich mal an, eine Behörde wolle neue Kraftfahrzeuge anschaffen. Also erfolgt eine Ausschreibung. Im Wesen dieser Ausschreibung liegt es jedoch, eine genau definierte ANFORDERUNG zu stellen. Im genannten Beispiel muss die Behörde somit in der Ausschreibung bereits festlegen, ob sie Fahrzeuge für den Transport von Mitarbeitern hauptsächlich im Ortsbereich sucht oder Einsatzfahrzeuge für die Autobahnpolizei, die auch für eine Verfolgungsjagd geeignet sein sollen. Die Motorisierung, die im zweiten Fall eine Rolle spielt, ist im ersten Fall sogar eher störend, da mit unnötigen Folgekosten (Benzinverbrauch, Steuern etc.) zu rechnen ist.

Auch im Bereich der Medizin erfolgen somit Ausschreibungen nicht im leeren Raum. Da kann nicht ein Anbieter sein hochwirksames Krebsmedikament anbieten und ein anderer bietet statt dessen ein billiges Kopfschmerzmittel. Sachgerechte Ausschreibungen beinhalten zudem immer ein Auswertungssystem, das über den reinen Preis hinausgeht. Es gibt KO-Kriterien, die bei Nichterfüllung zwangsläufig zum Ausschluss führen. Die anderen Einflussgrößen sollten nach einem gewichteten Punktesystem vergleichbar gemacht werden. Der Gewinner der Ausschreibung muss somit nicht unbedingt der Billigste sein, sondern das Angebot, das die günstigste Kombination aus Leistung UND Preis darstellt.

Fehlerhaft wäre eine Ausschreibung nur dann, wenn Äpfel mit Birnen verglichen würden oder der Angebotspreis als alleiniges Beurteilungskriterium herangezogen würde. Eine GUT gemachte Auschreibung schadet nur Einem: Dem Abzocker!

P.S.
Wer auch immer etwas SPAREN will, wird zwangsläufig nicht mehr Alle im bisherigen Umfang bezahlen können. Entweder muss auf bestimmte Einkäufe ganz verzichtet werden oder die bislang bezahlten Preise müssen gesenkt werden. Das ganze Geschrei der Pharmaindustrie soll somit doch nichts anderes bewirken, als die Sparanstrengungen möglichst frühzeitig zu torpedieren. Wer mag, braucht doch nur mal die Gewinnmeldungen der Pharma-Aktiengesellschaften zu betrachten. Woher wohl kommen diese "Überschüsse"? Wer hat den Vorständen und Aktionären wohl die Gehälter und Dividenten finanziert? Hat das auch nur ansatzweise etwas mit der Qualität der angebotenen Medikamente zu tun?
Thomas W. Müller
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BWLer

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Über google-alert wurde ich aufmerksam auf dieses Forum und genau diese Beiträge.

Vorab möchte ich erwähnen, dass ich nicht Apotheker, sondern BWLer bin, allerdings aufgrund der Tatsache, dass meine Frau Apothekerin ist, weiss, worum es bei diesen Ausschreibungen geht. Die Barmer Ausschreibung ist nunmehr die dritte dieser Art.

Gerade in einem Forum, dass sich auf den ersten Eindruck gegen Monopolisierung richtet, erschreckt mich, derart tendenzöse Beiträge zu sehen, die erkennen lassen, dass die, die sie schrieben, nicht einmal ansatzweise wissen, worum es dabei geht.

Es gibt ca. 21.600 Apotheken in D, davon erstellen ca. 300-400 sogenannte parenterale Zubereitungen zur direkten Anwendung in der Onkologie, d.h. wir reden hier über Chemotherapien für Krebskranke!

Aufgrund dieser Individualität bezüglich der Patienten hat der Gesetzgeber die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker hierzu, d.h. genau für diesen sensiblen Bereich, erlaubt (welche ansonsten verboten ist), da es hier um extrem gefährliche Substanzen geht, die das herstellende und verabreichende Personal, aber auch Patienten bei falscher Anwendung + Dosierung nachhaltig schädigen können. Daher gibt es i.d.R. eine Zusammenarbeit des Arztes (Onkologen, Urologen,etc., d.h. denen, die Krebspatienten behandeln) mit nur einem darauf spezialisierten Apotheker.

Hier geht es nicht um industriell hergestellte Arzneimittel, sondern um die Mischung solcher -oft sehr teueren- Arzneimittel in individueller Dosorierung (auf jeden Patienten ausgerichtete) im Rahmen der Rezeptur einer Infusionslösung.

Diese Lösungen sind teilweise nur extrem kurz haltbar. Zudem können in vielen Fällen diese Lösungen auch nur kurzfristig, auf Abruf hergestellt werden, da die Verabreichung der Infusion auch von der aktuellen Verfassung des Patienten (nach entsprechenden Blutuntersuchungen am gleichen Tag) abhängt.

Dies bedeutet, dass der herstellende Apotheker fachlich besonders geschultes Personal, aber auch Logistik (eigene Fahrer - und dies nicht auf Aushilfsbasis, als wenn man mal zwei Stunden am Tag ein paar Tüten Medikamentenpackungen an ältere, gehbehinderte oder auch einfach faule Menschen ausfährt) vorhalten muss, um Anforderungen am gleichen Tag herstellen und ausliefern zu können - und dies innerhalb eines Zeitfensters von 45 Minuten bis zu zwei Stunden.

Neben den erwähnten Apotheken, die auf diese Herstellungen spezialisiert sind, haben sich in den letzten Jahren auch sog. Herstellbetriebe gem. § 13 AMG gebildet, die diese Chemotherapien mischen. Diese wurden i.d.R. von Apothekern gegründet, dürfen nur über Apotheken liefern, müssen für die Herstellung an sich aber auch nicht pharmazeutisch geschultes Personal einsetzen (anders als die Apotheke vor Ort).

Aufgrund der erheblichen Investitionen in solche Herstellbetriebe müssen diese versuchen, Fuss in neue Märkte zu fassen. Daher sind Ausschreibungen für diese interessant. Und genau hier wird es dann - gerade in Hinblick auf Oligopol- + Monopolisierung betrachtet- interessant.

Die bieten - über verbundenen Apotheken, die selbt Zytos nicht herstellen- nicht vertretbare Preise, zu denen der selbst herstellende Apotheker nicht anbieten kann, um diese vom Markt zu verdrängen. Zudem forcieren solche Unternehmen im politischen Raum Auflagen für diese Apotheken, die Investitionen von bis zu einer Million mit sich bringen (zum Bsp.auf Basis der Säuglingstodesfälle im Klinikum Mainz - Vorwurf: die Krankenhausapotheke - geführt von einer international anerkannte Fachfrau- stellt unter schlechten/nicht gänzlich keimfreien Bedingungen Lösungen her; tatsächlich stellte sich später heraus, dass die Keime bereits in der sogenannten Trägerlösung enthalten waren, die ein  weltweit tätiger Herstellbetrieb nach § 13 AMG geliefert hatte)

Was passiert (auch mit der Preisentwicklung), wenn dies mal gelungen ist, sollten sich Menschen, die sich in einem Forum gegen Monopolisierung wenden wollen, eigentlich ausmalen.

Das der Apotheker, der solche Zytos herstellt (und das können von der Ausbildung alle!), der investiert hat in ein spezielles Labor und entsprechend geschulte Mitarbeiter bis hin zur Logistik, dies auch angemessen bezahlt haben möchte, ist sicherlich nicht anders, als beim Herrn Moderator, der als Physiker und Phillosoph sich auch nicht für den Mindestlohn eines Gebäudereinigers anstellen lassen möchte.

Zudem muss man sich mal vorstellen, welchen Aufwand die Ärzte, die Krebskranke versorgen, haben werden, wenn sie mit ca. 150 Apotheken zu tun haben, um Zytos zu erhalten, weil die ca. 150 Krankenkassen alle "ihren" Preis für Chemotherapien durch Ausschreibung ermittelt haben - das endet in Mehrforderungen der Ärzte...und da muss man sich fragen, wo am Ende tatsächlich die Wirtschaftlichkeit für das GKV-System da ist.

Zur abschliessenden Verdeutlichung: was würde ein GKV-Versicherter sagen, wenn seine Kasse ärztliche Leistungen ausschreiben würde und das Ergebnis wäre, dass er für eine Mandelentzündung in die Stadt A zum Arzt X (50 km entfernt) fahren soll, beim Armbruch aber ins Krankenhaus in die Stadt B (75 km weit) weil die nun mal diese Leistungen am günstigen angeboten haben. Bei seinem Hausarzt/Internisten vor Ort darf er aber den Herzinfarkt behandeln lassen, da war der der günstigste....blöderweise aber auch für den, der dummerweise in Stadt B wohnt!
« Letzte Änderung: 28.08.2011, 22:55 von BWLer »

Datko

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Danke für den ausführlichen Artikel.
Ich werde nach und nach zu den einzelnen Punkten Stellung nehmen, sobald es meine Zeit zulässt.


Vorab möchte ich erwähnen, dass ich nicht Apotheker, sondern BWLer bin, allerdings aufgrund der Tatsache, dass meine Frau Apothekerin ist, weiss, worum es bei diesen Ausschreibungen geht. Die Barmer Ausschreibung ist nunmehr die dritte dieser Art.

Gerade in einem Forum, dass sich auf den ersten Eindruck gegen Monopolisierung richtet, erschreckt mich, derart tendenzöse Beiträge zu sehen, die erkennen lassen, dass die, die sie schrieben, nicht einmal ansatzweise wissen, worum es dabei geht.

Falls Ihre Frau Apothekerin ist, haben Sie sicherlich entsprechendes Hintergrundwissen. Es besteht aber auch die Gefahr, dass Sie nicht neutral argumentieren, sondern ein Eigeninteresse verfolgen.

Zu behaupten, andere wissen nicht einmal ansatzweise um was es geht, ist in aller Regel ein rhetorisches Argument, es hat keinen sachlichen Inhalt und kann meist beliebig verwendet werden.


Es gibt ca. 21.600 Apotheken in D, davon erstellen ca. 300-400 sogenannte parenterale Zubereitungen zur direkten Anwendung in der Onkologie, d.h. wir reden hier über Chemotherapien für Krebskranke!

Aufgrund dieser Individualität bezüglich der Patienten hat der Gesetzgeber die Zusammenarbeit zwischen Arzt und Apotheker hierzu, d.h. genau für diesen sensiblen Bereich, erlaubt (welche ansonsten verboten ist), da es hier um extrem gefährliche Substanzen geht, die das herstellende und verabreichende Personal, aber auch Patienten bei falscher Anwendung + Dosierung nachhaltig schädigen können. Daher gibt es i.d.R. eine Zusammenarbeit des Arztes (Onkologen, Urologen,etc., d.h. denen, die Krebspatienten behandeln) mit nur einem darauf spezialisierten Apotheker.

Was der Gesetzgeber "erlaubt", ist oft nicht das sachlich Wichtige, sondern beruht auf dem Einfluss von Lobbygruppen, in diesem Fall auch der Lobby der Apotheker.

Die Gefahr ist groß, dass nicht die Interessen der Patienten im Vordergrund stehen, sondern die geschäftlichen Interessen der Apotheker. Apotheker betreiben keine selbstlosen Einrichtungen, sondern sind Geschäftsleute, die einen hohen Ertrag erwirtschaften wollen.

Nach Medienberichten ist es mit dem Qualitätsanspruch vieler Apotheken eventuell auch nicht weit her.
Siehe: http://www.faz.net/artikel/C31034/krebsmedikamente-apotheken-wird-millionenbetrug-vorgeworfen-30071724.html


Hier geht es nicht um industriell hergestellte Arzneimittel, sondern um die Mischung solcher -oft sehr teueren- Arzneimittel in individueller Dosorierung (auf jeden Patienten ausgerichtete) im Rahmen der Rezeptur einer Infusionslösung.

Diese Lösungen sind teilweise nur extrem kurz haltbar. Zudem können in vielen Fällen diese Lösungen auch nur kurzfristig, auf Abruf hergestellt werden, da die Verabreichung der Infusion auch von der aktuellen Verfassung des Patienten (nach entsprechenden Blutuntersuchungen am gleichen Tag) abhängt.

Dies bedeutet, dass der herstellende Apotheker fachlich besonders geschultes Personal, aber auch Logistik (eigene Fahrer - und dies nicht auf Aushilfsbasis, als wenn man mal zwei Stunden am Tag ein paar Tüten Medikamentenpackungen an ältere, gehbehinderte oder auch einfach faule Menschen ausfährt) vorhalten muss, um Anforderungen am gleichen Tag herstellen und ausliefern zu können - und dies innerhalb eines Zeitfensters von 45 Minuten bis zu zwei Stunden.

Wenn die sachlich notwendigen Rahmenbedingungen eingehalten werden, ist es aus fachlicher Sicht neutral, wer die Leistung erbringt, ob eine Firma A oder eine Firma B, aus finanzieller Sicht kann es einen großen Unterschied machen.


Neben den erwähnten Apotheken, die auf diese Herstellungen spezialisiert sind, haben sich in den letzten Jahren auch sog. Herstellbetriebe gem. § 13 AMG gebildet, die diese Chemotherapien mischen. Diese wurden i.d.R. von Apothekern gegründet, dürfen nur über Apotheken liefern, müssen für die Herstellung an sich aber auch nicht pharmazeutisch geschultes Personal einsetzen (anders als die Apotheke vor Ort).

Aufgrund der erheblichen Investitionen in solche Herstellbetriebe müssen diese versuchen, Fuss in neue Märkte zu fassen. Daher sind Ausschreibungen für diese interessant. Und genau hier wird es dann - gerade in Hinblick auf Oligopol- + Monopolisierung betrachtet- interessant.

Die bieten - über verbundenen Apotheken, die selbt Zytos nicht herstellen- nicht vertretbare Preise, zu denen der selbst herstellende Apotheker nicht anbieten kann, um diese vom Markt zu verdrängen. Zudem forcieren solche Unternehmen im politischen Raum Auflagen für diese Apotheken, die Investitionen von bis zu einer Million mit sich bringen (zum Bsp.auf Basis der Säuglingstodesfälle im Klinikum Mainz - Vorwurf: die Krankenhausapotheke - geführt von einer international anerkannte Fachfrau- stellt unter schlechten/nicht gänzlich keimfreien Bedingungen Lösungen her; tatsächlich stellte sich später heraus, dass die Keime bereits in der sogenannten Trägerlösung enthalten waren, die ein  weltweit tätiger Herstellbetrieb nach § 13 AMG geliefert hatte)

a) Das ist das eigentliche staatliche Problem, dafür zu sorgen, dass ein Wettbewerbsmarkt bestehen bleibt. Hier sind wir an dem Punkt, wo der "alte" Monopolist vom neuen Monopolisten verdrängt wird. Die staatliche Aufgabe ist es einen fairen Wettbewerb aufrecht zu erhalten.
Meiner Ansicht nach gibt es bei uns in der Politik und in den Behörden für die freie Marktwirtschaft keinen Rückhalt, die Lobbyisten sind eine Landplage.

b) Die Krankenkassen sollten durch ein geschickte Einkaufspolitik darauf achten, dass sie sich nicht in Abhängigkeiten begeben. Durch eine geschickte Einkaufspolitik kann der Wettbewerb aufrecht erhalten werden.

Die Apotheken haben durch die Preisbindung der Medikamente bisher effektiven Wettbewerb unterbunden. Meiner Ansicht nach sind die Apotheken genauso wie der Buchhandel an einer Preisbindung aus egoistischen Zielen heraus interessiert.

Was passiert (auch mit der Preisentwicklung), wenn dies mal gelungen ist, sollten sich Menschen, die sich in einem Forum gegen Monopolisierung wenden wollen, eigentlich ausmalen.

Das der Apotheker, der solche Zytos herstellt (und das können von der Ausbildung alle!), der investiert hat in ein spezielles Labor und entsprechend geschulte Mitarbeiter bis hin zur Logistik, dies auch angemessen bezahlt haben möchte, ist sicherlich nicht anders, als beim Herrn Moderator, der als Physiker und Phillosoph sich auch nicht für den Mindestlohn eines Gebäudereinigers anstellen lassen möchte.
Zudem muss man sich mal vorstellen, welchen Aufwand die Ärzte, die Krebskranke versorgen, haben werden, wenn sie mit ca. 150 Apotheken zu tun haben, um Zytos zu erhalten, weil die ca. 150 Krankenkassen alle "ihren" Preis für Chemotherapien durch Ausschreibung ermittelt haben - das endet in Mehrforderungen der Ärzte...und da muss man sich fragen, wo am Ende tatsächlich die Wirtschaftlichkeit für das GKV-System da ist.

Sobald etwas eingespart werden soll, versuchen die Monopolisten den Menschen einzureden, dass es teurer wird, wenn der Markt geöffnet wird.
Medikamente sind in Deutschland sehr teuer.
Siehe: http://www.wiwo.de/unternehmen-maerkte/viele-medikamente-sind-voellig-ueberteuert-424808/

Zur abschliessenden Verdeutlichung: was würde ein GKV-Versicherter sagen, wenn seine Kasse ärztliche Leistungen ausschreiben würde und das Ergebnis wäre, dass er für eine Mandelentzündung in die Stadt A zum Arzt X (50 km entfernt) fahren soll, beim Armbruch aber ins Krankenhaus in die Stadt B (75 km weit) weil die nun mal diese Leistungen am günstigen angeboten haben. Bei seinem Hausarzt/Internisten vor Ort darf er aber den Herzinfarkt behandeln lassen, da war der der günstigste....blöderweise aber auch für den, der dummerweise in Stadt B wohnt!

Ich bin durchaus bereit, länger Wege in Kauf zu nehmen, wenn ich dadurch sparen kann. Wenn noch dazu auf einem Internet-Portal die Bewertung für den Arzt gut ist, bin ich gerne bereit einen von der Krankenkasse vorgeschlagenen Arzt zu nehmen.

Mit der Angabe großer Entfernungen, so wie sie es machen,  kann ein eventueller Nachteil auch überzogen dargestellt werden.
« Letzte Änderung: 30.08.2011, 07:11 von Datko »
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ICH gebe gerne zu, dass ich in die Gruppe der "Normalbürger" mit einem (gefährlichen) Halbwissen falle. Aber gerade FÜR diese Leser bieten Foren wie dieses einen entscheidenden Vorteil: Man kann dazulernen.

Im Endeffekt kommt es ja nicht darauf an, mit welchem Wissenstand man in eine Diskussion startet, wichtiger ist, wie man aus ihr herauskommt.

Dies ist jedoch nur möglich, wenn Diskussionsteilnehmer SACHLICH eine ggf. abweichende Meinung darstellen. Diesbezüglich mein ausdrücklicher Dank an [BWLer]. Der erste und wichtigste Schritt ist doch, dass eine andere Sichtweise nachvollziehbar dargestellt wird. Ob diese Meinung dann auch in allen Punkten zutrifft, ist zunächst zweitrangig, da ja erneut die Möglichkeit besteht, weitere Sichtweisen hinzuzufügen. Erst aus der Summe der Informationen und Argumente kann sich der bislang noch "unterinformierte Normalbürger" eine immer bessere Meinung bilden.

Prinzipiell wurde von [BWLer] ja auch ein grundsätzliches Problem angesprochen: Das Spannungsfeld politischer Einflussnahme zur Kostensenkung (das immer monopolisierende Tendenzen hat) und einem FREIEN Marktgeschehen (das jedoch auch monopolistisch missbraucht werden kann). Besonders deutlich wird dies natürlich bei Waren und Dienstleistungen, die aus der Natur ihrer Verwendung eben nicht vergleichbare Standardangebote sind.

Gerade im Gesundheitswesen wird dieses Spannungsfeld besonders deutlich. JEDER möchte am liebsten das OPTIMUM an Versorgung, aber zu MINIMALEN Preisen. Jeder BWLer lernt bereits im 1. Semester, dass das Mini-Max-Prinzip nicht funktioniert. Es kann nur jeweils EIN Wert optimiert werden, die gegenläufige Größe muss fixiert werden. Alternativ wäre bestenfalls eine Maximierung eines Scorewertes aus gewichteten Einflussgrößen denkbar. Man kann eben nicht das beste Auto zum geringsten Preis kaufen. Entweder das beste Auto für einen bestimmten Preis. Oder den geringsten Preis für ein bestimmtes Auto (eine bestimmte Anforderung).

Hinzu kommt, dass die Markteilnehmer jeweils andere Faktoren optimieren möchten. Dies kann der Einkaufspreis, aber auch der Gewinn oder die Sicherheit sein. Theoretisch ließe sich diese Problematik im Gesundheitswesen nur durch einen göttlich-neutralen Schiedsrichter lösen. Aber leider stehen für derartige Aufgaben eben nur MENSCHEN zur Verfügung. Ein halbwegs ausgewogenes Ergebnis ist daher nur bei möglichst vielen BETEILIGTEN mit unterschiedlichen Sichtweisen und unterschiedlichen Interessen zu erhoffen.

Der beste erreichbare Kompromiss wird ein Abweichen von ALLEN Maximalforderungen erfordern. GUT GEMACHTE Ausschreibungen können hierbei helfen, Bewegung in einen alt hergebrachten Markt zu bringen. Als Ergebnis eines solchen Verfahrens muss auch nicht zwangsweise die Festlegung auf nur EINEN Marktteilnehmer folgen. Es ist durchaus denkbar, dass z.B. als erstattungsfähig der Minimalpreis erhöht um einen angemessenen Prozentsatz beschlossen wird, ohne sich nur für einen Anbieter zu entscheiden. Aber das wäre im Sinne des oben angesprochenen Mini-Max-Prinzips eben eine Kombination mehrerer Anforderungen.

Aber das wahre Leben ist eben auch nicht nur Angebot ODER Preis. Wir kaufen nicht unbedingt die billigste Wurst. Wir kaufen aber auch nicht die Beste. Wir entscheiden uns meist für ein GUTES Produkt zu einem ANGEMESSENEN Preis. Was immer der Einzelne dann unter GUT und ANGEMESSEN verstehen mag.
Thomas W. Müller
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Datko

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Wir kaufen nicht unbedingt die billigste Wurst. Wir kaufen aber auch nicht die Beste. Wir entscheiden uns meist für ein GUTES Produkt zu einem ANGEMESSENEN Preis. Was immer der Einzelne dann unter GUT und ANGEMESSEN verstehen mag.

Wobei die beste Ware manchmal auch zu den billigen Waren gehört und sehr teure Waren oft nicht besonders gut sind, wie die verschiedenen Warentests manchmal zeigen.
« Letzte Änderung: 30.08.2011, 22:26 von Datko »
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