Autor Thema: Mittel gegen Monopole und Oligopole: Informationsfreiheit; Förderung v. Vielfalt  (Gelesen 8314 mal)

TWMueller

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Wäre der Mensch gut und edel, weder Monopole (Nur EIN Anbieter/Nachfrager) noch Oligopole (WENIGE Anbieter/Nachfrager) wären ein Problem. Da der Mensch aber Eigeninteressen verfolgt, besteht immer die Gefahr, dass er die durch Monopole und Oligopole entstehende Machtpositionen egoistisch ausnutzt.

Beim Versuch, diesen Machtmißbrauch zu bekämpfen, beißt sich die Katze jedoch regelmäßig in den Schwanz. Einem Wirtschaftsmonopole oder -oligopol wird das Staatsmonopol entgegengestellt. Dem Machtmißbrauch soll durch Rechtsnormen (Gesetze und Verordnungen) begegnet werden. Der Staat, das oberste Monopol einer Gesellschaft, soll Fehlentwicklungen durch Regeln ver- oder zumindest behindern. Da jedoch auch die Repräsentanten des Staates Menschen sind, gelangt man leicht vom Regen in die Traufe. Anfangs gut gemeint, kann aus staatlicher Regulierung sehr schnell staatliche Bevormundung werden. In kommunistischen Systemen glaubt man, staatliche Lenkung sei gerechter und besser als die freien Kräfte der Märkte. Leider führt dies dann aber auch zur Erstarrung menschlicher Kreativität und erzeugt letztendlich nur ein noch größeres Monopol, den allmächtigen Staat. Dass auch diese Machtpositionen leicht mißbraucht werden können und werden, zeigen zahllose Beispiele in Vergangenheit und Gegenwart.

Der Weg aus dem Mißbrauch von Machtkonzentrationen kann somit nicht darin bestehen, ein Monopol lediglich gegen ein anderes auszutauschen. Es müssen vielmehr Meta-Regeln entwickelt werden, die durch Förderung der Vielfalt einer Machtkonzentration auf allen Ebenen entgegen wirken. Gesetze gegen den Machtmißbrauch von Banken, Erdölproduzenten, Pharmaherstellern u.ä. mögen zwar kurzfristig wie eine Medizin wirken, sie helfen jedoch nur wenig, die Krankheit zu heilen.

Um einem Machtmißbrauch entgegen zu wirken, gibt es letztendlich nur zwei Strategieansätze:
  • Informationsfreiheit
  • Förderung von Vielfalt

Eines der wirksamsten Mittel gegen Machtmißbrauch auf allen Ebenen ist die Information sowohl des Individuums, als auch der Gesellschaft insgesamt. Zwar bewirkt Wissen und Offenheit aus sich heraus zunächst gar nichts, aber Informationen sind die Basis für Gegenreaktionen. Aufgedeckte Ungerechtigkeiten initiieren die Kreativität der Gegenwehr. Es bildet sich die "Macht der Öffentlichkeit". Es ist ja nicht der absolute Preis, den man z.B. für einen Liter Benzin zahlen muss, der als ungerecht empfunden wird. Es ist der Mißbrauch von Wirtschaftsmacht, wenn wenige Anbieter die Situation ausnutzen, um ihren individuellen Gewinn ungerechtfertigt zu maximieren, der uns stört. Es ist die Abhängigkeit von bestimmten Anbietern, die uns stört.

Der erste Ansatz, derartigen Fehlentwicklungen entgegen zu wirken, besteht in Offenheit und Information. Kalkulationen und Gewinnzahlen von Unternehmen mit besonderer Marktstellung müssen vollständig veröffentlicht werden. Die Unternehmen verlieren nicht das Recht, selbstbestimmt zu wirtschaften, aber sie verlieren das Recht, dies GEHEIM zu tun. Abzocker müssen von der Öffentlichkeit auch als Abzocker erkennbar sein. Es kann jedoch durch Transparenz und Offenheit auch sein, dass am Beispiel des Kraftstoffpreises plötzlich erkennbar wird, dass nicht nur die Hersteller dem Endverbraucher in die Tasche greifen, sondern die Politik in Form von Steuern und Abgaben ebenso die Abhängigkeit der Menschen von bestimmten Gütern zu eigenen Zwecken mißbraucht. Ein kleiner Verzicht auf "Datenschutz" kann einen großen Nutzen für Alle bewirken. Und genau dies fordert ein rechtsstaatliches System, das auf "Grundrechten" aufsetzt. Rechte des Einzelnen dürfen nur dann beschränkt werden, wenn der hieraus resultierende Nutzen für die Gesamtheit deutlich überwiegt.

Und natürlich muss diese Informationsfreiheit ebenso von größten Monopolisten, dem Staat, gefordert werden. Insbesondere, weil "der Staat" ja lediglich ein gedachtes Konstrukt ist, das selbst keinerlei eigene Rechte hat. Der Staat, das ist in Wirklichkeit die Gesamtheit aller seiner Bürger. Und eben diese Bürger benötigen absolute Freiheit, zu erfahren, was in ihrem Namen so alles passiert. Es gibt hierbei nur sehr wenige Ausnahmen, wie die Strafverfolgung oder die militärische Sicherheit, die zeitlich begrenzt von einer Publikation ausgenommen werden können. Aber selbst diese Bereiche MÜSSEN nach einer gewissen Zeit der öffentlichen Kontrolle zugänglich gemacht werden. KEINE staatliche Stelle darf sich auf Dauer hinter einer Geheimhaltung verstecken dürfen.

Die zweite Forderung zur Bekämpfung von negativen Auswirkungen von Machtkonzentrationen besteht in der Förderung von Vielfalt. Dies beginnt mit der eher passiven Förderung, indem Hindernisse für eine Vielfalt konsequent abgebaut und verhindert werden. Gesetze und Verordnungen dürfen Vielfalt nicht verhindern, sie müssen diese vielmehr aktiv fördern. Mir ist kein Fall bekannt, in dem eine gelebte Vielfalt schädlich für eine Gesellschaft wäre. Aber es gibt zahlreiche Beispiele, dass Konzentrationen schädliche Auswirkungen haben.

Nach dem ersten Schritt, behindernde Rechtsnormen zu beseitigen, kann sogar als weiterer Schritt eine AKTIVE Förderung der Vielfalt folgen. Dies beginnt bei der Unterstützung von Existenzgründungen und Unternehmensgründungen. Es kann aber z.B. durch ein stark progressives Unternehmenssteuersystem auch Konzentrationsentwicklungen entgegen gewirkt werden. Während kleine Unternehmen fast nicht durch Steuern belastet werden, zahlen "durchschnittliche" Unternehmensgrößen auch "durchschnittliche" Steuersätze. Mega-Unternehmen werden jedoch durch Mega-Steuersätze im Zaum gehalten. Ebenso kann z.B. das Vergaberecht für öffentliche Aufträge so angepaßt werden, dass eine Auftragsvergabe an kleinere Unternehmen gefördert, zumindest jedoch nicht behindert wird.

Und erneut  muss auch diese Forderung auf den größten Monopolisten, den Staat, übertragen werden. Auch hier gilt die Forderung nach Vielfalt. Dies beginnt bei der Begrenzung von Amtszeiten. Aber auch die Parteienvielfalt muss durch Änderungen des Parteien- und Wahlrechts gesteigert werden. Die Vielfalt der Bevölkerung muss sich auch in der Vielfalt deren politischer Vertreter wiederspiegeln. Der Bürger will bei Wahlen ECHTE Alternativen haben und sich nicht nur für das geringste Übel entscheiden können. Die Mächtigen versuchen, ihr Parteien-Oligopol zum eigenen Nutzen aufrecht zu erhalten. Die Bürger sollten dem entgegen wirken. Ein erster Schritt kann der konsequente Ausbau direktdemokratischer Beteiligungen der Bevölkerung an der Gestaltung des Gemeinwesens sein.

Zusammenfassend kann gesagt werden: Gleichgültig ob im Staat oder in der Wirtschaft, der Zugang zu Informationen muss erleichtert und gesichert werden. Transparenz und Offenheit wirkt jeder Form von Machtmißbrauch entgegen. Ein weiteres wirksames Mittel gegen Machtmißbrauch ist die Sicherung und Förderung von Vielfalt auf allen Ebenen. Rechtsnormen, die diese Vielfalt be- oder verhindern, müssen schnellstmöglich, konsequent und radikal beseitigt werden. Informationen und Freiheit in Vielfalt sind die Garanten einer bürgerfreundlichen Gesellschaft.

« Letzte Änderung: 24.05.2011, 10:44 von Datko »
Thomas W. Müller
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Udo Klempke

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Es ist schon einmal interessant, das Menschen ganz verschiedener Weltanschauung und politischer Grundhaltung des staatsmonopolistischen Kapitalismus als Grundproblem unserer heutigen Zeit sehen.
Ich gehe nicht von einem von Natur aus eigensüchtigen Menschen aus, als Jäger hat er sich auch für seine Sippe in Gefahr gebracht …, sondern er ist durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt.
Ich gehe also von der Philosophie von Marx, nicht von der Schopenhauers und anderer aus.
Die Herausbildung von kapitalistischen Monopolen ist also keine Fehlentwicklung, die daraus resultiert, dass es einige Leute mit ihrer Selbstsucht übertrieben haben, sondern eine GESETZMÄSSIGE Entwicklung innerhalb des kapitalistischen Gesellschaftssystems.
Diese Entwicklung wurde schon frühzeitig einer sehr qualifizierten und vorausschauenden Kritik unterworfen:

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/imp/

Wladimir Iljitsch Lenin schrieb wörtlich:

Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste „Reform“projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.

Sowohl die Grundeigenschaften des Imperialismus wie auch das Verhalten bürgerlicher Gelehrter haben nicht geändert.
Die Weiterentwicklung besteht darin, dass sich das internationale Monopolkapital die gesamte Gesellschaft untergeordnet hat, das sind die WAHREN Machtverhältnisse in der Gesellschaft. Zu dieser Situation sagte besagter Lenin:
„Kontrolle ohne Macht ist nichts als eine hohle Phrase“
Tatsächlich sind
INFORMATIONSFREIHEIT und
FÖRDERUNG VON VIELFALT
erstrebenswert.
Sie können aber unter den Bedingungen des Staatsmonopolistischen Kapitalismus nicht verwirklicht werden. Die Informationsgebung und Meinungsprägung erfolgt ebenfalls über zunehmend monopolisierte Massenmedien.
Imageberater und „public relation“-Leute und viele andere arbeiten systematisch daran, die Meinung der Massen im Sinne des Monopolkapitals zu prägen. Das wird an einem Beispiel besonders deutlich:
Seit Ausbruch der sogenannten Finanzkrise vor einigen Jahren, wo auch bei politisch bislang indifferenten Menschen Zweifel am System des staatsmonopolistischen Kapitalismus aufkommen, gibt es ein regelrechtes antikommunistisches Sperrfeuer in allen Medien.
Auch in Sendungen, die historisch oder wissenschaftlich daherkommen, fehlt nicht der Hinweis, wie schröcklich Lenin, Stalin , Mao, ……. waren.
Der Gedanke an eine gesellschaftliche Alternative soll gar nicht erst aufkommen; dann lieber Finanzkrise, Eurokrise, Monopole, Arbeitsplatzvernichtung, systematische Verdummung u.a.m.
Daher ist wohl eine revolutionäe Veränderung der Gesellschaft erforderlich.
Hinweis: Man sollte in diesem Zusammenhang SOZIALISMUS und BÜROKRATISCHEN KAPITALISMUS nicht vermischen und verwechseln.
Näheres dazu findet man auch unter

http://www.sozialismus-forum.de/

Dort habe ich auch einen Beitrag mit Hinweis auf dieses Forum gefunden.
























Datko

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Ich gehe nicht von einem von Natur aus eigensüchtigen Menschen aus, als Jäger hat er sich auch für seine Sippe in Gefahr gebracht …, sondern er ist durch die gesellschaftlichen Verhältnisse geprägt.

Der Egoismus ist wahrscheinlich ein Ergebnis der biologischen Evolution. Innerhalb einer Gruppe bringt Zusammenarbeit oft Vorteile, nach Außen ist der Egoismus scheinbar oft eine vorteilhafte Strategie. Geprägt ist der Mensch primär durch seine Biologie.

Ich gehe also von der Philosophie von Marx, nicht von der Schopenhauers und anderer aus.
Die Herausbildung von kapitalistischen Monopolen ist also keine Fehlentwicklung, die daraus resultiert, dass es einige Leute mit ihrer Selbstsucht übertrieben haben, sondern eine GESETZMÄSSIGE Entwicklung innerhalb des kapitalistischen Gesellschaftssystems.
Diese Entwicklung wurde schon frühzeitig einer sehr qualifizierten und vorausschauenden Kritik unterworfen:

http://www.marxists.org/deutsch/archiv/lenin/1917/imp/

Monopolbildung mag Vorteile bringen. Es ist aber die Aufgabe des Staates, eine Monopolbildung im geschäftlichen Bereich zu verhindern. Das gelingt in einem Staat mit repräsentativer Demokratie nur unzureichend, da die Repräsentanten, die Abgeordneten, auch egoistisch sind und Lobbyisten dies ausnützen.

Die soziale Marktwirtschaft ist jenseits von Marx, sie versorgt im Idealfall alle Bürger mit den notwendigen Güttern. In der Demokratie hat jeder Erwachsene eine Stimme, so können breite Schichten durch die Wahl ihre Verhältnisse verbessern.

Wladimir Iljitsch Lenin schrieb wörtlich:

Bürgerliche Gelehrte und Publizisten treten als Verteidiger des Imperialismus gewöhnlich in etwas verkappter Form auf, indem sie die völlige Herrschaft des Imperialismus und seine tiefen Wurzeln vertuschen, dafür aber Einzelheiten und nebensächliche Details in den Vordergrund zu rücken versuchen, um durch ganz unernste „Reform“projekte von der Art einer Polizeiaufsicht über die Trusts oder Banken u.a. die Aufmerksamkeit vom Wesentlichen abzulenken. Seltener treten zynische, offene Imperialisten auf, die den Mut haben, auszusprechen, wie unsinnig es ist, die Grundeigenschaften des Imperialismus reformieren zu wollen.

Aufsichtsorgane über die Wirtschaft sind in einem gewissen Umfang unerlässlich, dort wo es keine unabhängige Aufsicht gibt, wie in totalitären Staaten, geht die Wirtschaft zu Bruch, man denke an die ehemalige DDR.

Auch in Sendungen, die historisch oder wissenschaftlich daherkommen, fehlt nicht der Hinweis, wie schröcklich Lenin, Stalin , Mao, ……. waren.
Der Gedanke an eine gesellschaftliche Alternative soll gar nicht erst aufkommen; dann lieber Finanzkrise, Eurokrise, Monopole, Arbeitsplatzvernichtung, systematische Verdummung u.a.m.
Daher ist wohl eine revolutionäe Veränderung der Gesellschaft erforderlich.
Hinweis: Man sollte in diesem Zusammenhang SOZIALISMUS und BÜROKRATISCHEN KAPITALISMUS nicht vermischen und verwechseln.
Näheres dazu findet man auch unter

http://www.sozialismus-forum.de/

Zumindest der Weg von Stalin war mit Leichen gepflastert. Schon eigenartig, ein Mensch der jahrelang vom Geheimdienst gejagt wurde, hat später als er an die Macht kam, selbst einen üblen Geheimdienst zur Sicherung der unumschränkten Macht betrieben.
« Letzte Änderung: 08.09.2012, 10:10 von Datko »
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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Re: Mittel gegen Monopole und Oligopole
« Antwort #3 am: 08.09.2012, 16:18 »
Das Grundproblem ist doch (etwas provozierend ausgedrückt) der MENSCH.
Er verhält sich eben nicht berechenbar, logisch, rational oder gar systemkonform.

Und genau darin liegt der Fehler praktisch jedes Gesellschaftsentwurfs, vom Kommunismus extremer Prägung bis zum totalen Liberalismus. Solange es individuell handelnde Menschen gibt, wird KEIN Idealsystem funktionieren.

Jeder (halbwegs) funktionierende Systementwurf, sowohl für das gesellschaftliche Miteinander, als auch für wirtschaftliche Prozesse, muss daher hinreichend Spielraum enthalten und in gewisser Weise fehlertollerant sein. Die Hoffnung, EINEN endgültigen Entwurf einer Ordnung entwickeln zu können ist unrealistisch und schon vom Anspruch her irreal.

Gesellschaft und Wirtschaft müssen vielmehr als ständiger Regelkreis gesehen werden, der mal in die eine, mal in die andere Richtung ausschlägt und einer Korrektur bedarf.

Wie jeder Regelkreis bedarf aber auch dieser Spezialbereich einer SOLL-Vorgabe. Im gesellschaftlichen Sektor nennt man dies WERTE. Wenn somit von GLEICHHEIT, FREIHEIT oder GERECHTIGKEIT gesprochen wird, so sind dies die Vektoren, die in die erstrebte Richtung weisen. Aber es sind KEINE absoluten Zielangaben, die prüfbar, gleich einer Ziellinie, je erreicht werden könnten.

Praktisch wäre es jedoch bereits hilfreich, wenn man diese WERTE grundsätzlich als Orientierungsmaßstab verwenden würde. Es würde schon mancher Fehlentwicklung entgegen wirken, wenn lediglich gefragt würde, ob eine bestimmte Entscheidung oder Norm die angestrebten WERTE fördert oder diese eher beschädigt.

Aber sogar diese immer genannten Werte sind kein Selbstzweck aus sich heraus. Auch sie haben sich im Grunde aus einem noch übergeordneten Ziel heraus entwickelt. Im Grunde ist es doch das Streben jedes Menschen, ein sicheres, angenehmes, sozial eingebundenes, aber auch selbstbestimmtes Leben zu führen. Aber sogar diese Basiswünsche des Menschen haben noch individuelle Ausprägumngen und Gewichtungen. Während für den Einen die Sicherheit oberste Priorität hat, wertet ein Anderer die individuelle Freiheit weit höher. Und genau diese Vielfalt der Lebensentwürfe gilt es zu berücksichtigen. Sie sind der Ausgangspunkt der Evolution und der gesellschaftlichen Entwicklung.

Es gilt somit nicht, geistig im Entweder-Oder hängen zu bleiben. Es darf nicht bei der Frage bleiben: "Kommunismus ODER Kapitalismus". Es wird die zukunftsweisende Frage sein, wie man die BESTEN Elemente ALLER Denkrichtungen erkennen und VERBINDEND fördern kann. Es darf nicht etwa die Frage gestellt werden: "Freiheit ODER Sicherheit". Die Zielrichtung muss lauten: "Freiheit UND Sicherheit" / "Freiheit IN Sicherheit".

Und genau nach dieser VERBINDENDEN Maxime werden scheinbar unvereinbare Werte von Systementwürfen plötzlich vereinbar. Es gilt eben nicht, zu unterscheiden: "Geld ODER Mensch". Wir brauchen Denkansätze in die Richtung: "Mensch MIT Geld". Und ganz von selbst ergeben sich dann natürlich auch Begrenzungen. Denn wenn, extrem überspritzt, ALLES Geld in nur einer Hand konzentriert wäre, hätte die Masse eben KEIN Geld. Welches Mass an Ungleichheit bei der Verteilung der Verrechnungsressource "Geld" hierbei gesellschaftlich akzeptiert wird, hängt von den Umständen und der Zeit ab. Letztendlich wird es jedoch NIE zu vermeiden sein, eine systembedingte Konzentration von Finanzmitteln irgendwann und irgendwie wieder aufzulösen.

Zum Teil wird dieser Notwendigkeit mit einem progressiven Steuersystem entsprochen. Im Prinzip wäre jedoch ein Vermögensverfall mit dem Ableben eines Menschen naturgemäß. Die Genialität des Lebens besteht ja gerade aus der Erfindung von "Leben und Sterben". Nur dieser Zyklus ermöglicht Evolution. Und irgendwie muss dieser Zyklus von Wachsen und Vergehen auch auf Kapitalvermögen übertragen werden.
« Letzte Änderung: 08.09.2012, 16:23 von TWMueller »
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Re: Mittel gegen Monopole und Oligopole
« Antwort #4 am: 08.09.2012, 19:36 »
... Und genau darin liegt der Fehler praktisch jedes Gesellschaftsentwurfs, vom Kommunismus extremer Prägung bis zum totalen Liberalismus.
...
Es gilt somit nicht, geistig im Entweder-Oder hängen zu bleiben. Es darf nicht bei der Frage bleiben: "Kommunismus ODER Kapitalismus". Es wird die zukunftsweisende Frage sein, wie man die BESTEN Elemente ALLER Denkrichtungen erkennen und VERBINDEND fördern kann. Es darf nicht etwa die Frage gestellt werden: "Freiheit ODER Sicherheit". Die Zielrichtung muss lauten: "Freiheit UND Sicherheit" / "Freiheit IN Sicherheit".

Sind wir da nicht mit der Demokratie und der sozialen Marktwirtschaft auf einem guten Weg?

- Die Demokratie sorgt dafür, dass die Bedürfnisse der breiten Masse berücksichtigt werden, bei der breiten Masse liegt das Stimmenpotential.

- Die soziale Marktwirtschaft gibt dem Tüchtigen Anreize und versorgt alle.
« Letzte Änderung: 08.09.2012, 19:38 von Datko »
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Re: Mittel gegen Monopole und Oligopole
« Antwort #5 am: 10.09.2012, 17:21 »
Sind wir da nicht mit der Demokratie und der sozialen Marktwirtschaft auf einem guten Weg?
- Die Demokratie ...
- Die soziale Marktwirtschaft ...

Natürlich ist derjenige, der eine längere Reise vor sich hat, schon bei der Auffahrt auf die Autobahn "auf einem guten Weg". Aber es liegt trotzdem noch eine lange Wegstrecke VOR ihm.

Natürlich sind die demokratischen Ansätze moderner Gesellschaftsformen schon weitaus besser als Diktaturen jeder Prägung. Natürlich ist der Grundgedanke der "sozialen Marktwirtschaft" zutreffend.

Aber können wir uns deswegen schon entspannt zurücklehnen?

Nein! Denn wir nennen das politische System z.B. in Deutschland zwar "demokratisch", wobei genaugenommen sogar noch der einschränkende Begriff "repräsentativ" hinzugefügt werden müsste. Aber ist das wirklich "die Machtausübung DURCH das Volk FÜR das Volk"? Kann das Volk wirklich ALLE Macht ausüben, wie dies so vollmundig im Grundgesetz formuliert ist?

Wie könnte z.B. ein Bürger, ein Wähler zwar das Programm einer Partei wählen, deren Spitzenpersonal nach Liste jedoch ablehnen? Muss der Bürger, der bei einer Wahl z.B. für die sozialpolitischen Vorschläge einer Partei stimmen möchte, zwangsweise auch deren Verteidigungspolitik mitwählen?

Wirkliche DEMOKRATIE ist mehr, als nur alle paar Jahre ein Kreuzchen machen zu dürfen, das dann auch nur bedingt Einfluss auf die Postenbesetzung und noch weniger auf die später tatsächlich umgesetzte Politik hat. Es wird dringend Zeit, dem Volk, der Summe der Bürger (modern: der Schwarmintelligenz) mehr Einflussmöglichkeiten auf die Sachgestaltung zu geben. Es wird aber auch Zeit, den Politikern und ausführenden Verwaltungsspitzen mehr und besser auf die Finger zu schauen. Jede Verkäuferin, die angeblich einen Pfandbon eingesteckt hat, soll entlassen werden dürfen, aber was passiert mit Spitzenpolitikern, die ein Vielfaches dieses Schadens anrichten? Sie nennen es zwar "Verantwortung", haben aber ein derart bequemes Sicherheitsnetz gespannt, dass der "goldene Handschlag" zum Schlag ins Gesicht der aufrechten Bevölkerung mutiert.

Und dass an der "sozialen Marktwirtschaft" noch so Einiges zu verbessern ist, zeigt allein die Notwendigkeit, ein Forum wie dieses zu betreiben. Allein schöne Worte auf geduldigem Papier und einlullende Reden ohne die geringste Verbindlichkeit machen eben im wahren Leben die "Marktwirtschaft" noch nicht "sozial".

Und gerade hier sollte das MITDENKEN für jeden Bürger beginnen. Es wird eben Zeit, Demokratie als MITMACHEN zu verstehen. Dies beginnt damit, dass man sich über die Ziel-RICHTUNG klarer wird. Dann müssen jedoch auch Konzepte und Pläne entwickelt werden, wie man in die gewünschte Richtung kommen kann. Und da die Wünsche Anderer ja nicht immer und in allen Punkten mit der EIGENEN Vorstellung der idealen Zukunft übereinstimmen werden, muss man sich zudem ein System ausdenken, in dem JEDEM ein möglichst großer Freiraum für das STREBEN NACH GLÜCK verbleibt, ohne hierdurch Andere unangemessen zu behindern oder zu schädigen.
Viel schöne THEORIE, aber wie erreicht man dies auch in der PRAXIS?
« Letzte Änderung: 10.09.2012, 17:26 von TWMueller »
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