Autor Thema: Nur KONSTRUKTIVE KRITIK bringt voran  (Gelesen 6140 mal)

TWMueller

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Nur KONSTRUKTIVE KRITIK bringt voran
« am: 18.05.2011, 21:16 »
Sobald mehrere Menschen zusammenleben bilden sich Regeln heraus. Dies sind zum Einen INFORMELLE (ungeschriebene) NORMEN (Regeln), die wir gern als Anstand, Moral, Ethik etc. bezeichnen. Zum Anderen werden FORMELLE NORMEN in Gestalt von GESETZEN, VERORDNUNGEN, SATZUNGEN u.ä. beschlossen.

Das Wesen einer DEMOKRATIE ist es hierbei, dass alle Mitglieder einer Gemeinschaft, alle Bürger eines Staates, FREI und GLEICHBERECHTIGT an der Gestaltung des Gemeinwesens und seiner Normen (Regeln = Gesetze usw.) mitwirken können. Dies kann UNMITTELBAR, z.B. durch Volksabstimmungen, erfolgen, in den meisten Fällen jedoch aus rein praktischen Erwägungen MITTELBAR durch (gewählte) VERTRETER in Form von ORGANEN der GESETZGEBUNG oder VERWALTUNG. Entscheidungen hinsichtlich der Einhaltung dieser Normen obliegen gesonderten ORGANEN der RECHTSPRECHUNG.

Soweit die THEORIE, der SOLL- oder RICHT-WERT. In der Lebenspraxis werden alle zuvor genannten Funktionen jedoch von Menschen wahrgenommen. Und Menschen haben eben auch individuelle Bedürfnisse und Interessen. Die Abgeordneten eines Parlaments sehen daher nicht nur die sachlichen Argumente, die für oder gegen ein Gesetz sprechen, sondern haben zugleich auch ihre Wiederwahl oder das Ansehen ihrer Partei im Blick. Besonders problematisch wird es, wenn (wirtschaftlich) starke Interessengruppen Einfluss auf das Gesetzgebungsverfahren nehmen. Man kann an vielen Beispielen sehen, dass dann Gesetze "im Namen des Volkes" verabschiedet werden, die in Wirklichkeit nur dem Interesse einer Teilgruppe der Bevölkerung dienen.

Um so wichtiger daher wird in einer Massen-Gesellschaft die VIERTE GEWALT in Form unabhängig und frei berichtender Medien, aber auch durch die INFORMATIONS- und MEINUNGSFREIHEIT jedes einzelnen Bürgers. Nur so kann Fehlentwicklungen in den REPRÄSENTATIVEN ORGANEN entgegengewirkt werden. In Abwandlung eines bekannten Sprichworts kann man sagen: Vertretung ist gut - Kontrolle ist besser.

Die NEUEN MEDIEN, insbesondere die Möglichkeit der INFORMATION, aber auch des AKTIVEN MEINUNGSAUSTAUSCHS im Internet, eröffnen dem einzelnen Bürger hierbei Möglichkeiten, die ein wirksames Gegengewicht zu formellen Wahlen und parlamentarischen Verfahren darstellen können.

PHASE 1: Erkennen des Problems

Jede Mitwirkung des individuellen Bürgers an der Gestaltung des Gemeinwesens (= Demokratie) beginnt hierbei in der Regel mit einem Zustand, der als PROBLEM empfunden wird oder der Befürchtung, dass etwas zukünftig zum PROBLEM werden könnte. Aber was empfinden wir als Problem? Man könnte vereinfacht sagen, all das, was wir mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln nicht aus eigener Kraft verändern und in unserem Sinn gestalten können.

Zum Erkennen eines Problems gehört aber auch die Frage, WAS GENAU uns stört oder GEÄNDERT werden müsste. WANN würde ich den Zustand NICHT MEHR ALS PROBLEM empfinden? Wer also z.B. eine zu hohe Steuerbelastung als Problem empfindet, sollte sich fragen, welchen Steuerbetrag GENAU man als angemessen einschätzen würde. Oder ist vielleicht der Betrag selbst gar nicht der Kern dessen, was als Problem empfunden wird? Geht es vielleicht eher um ein verletztes Gerechtigkeitsgefühl, weil man sich selbst im Vergleich mit Anderen als vernachlässigt empfindet? Und wenn beides der Fall ist? Was wäre uns wichtiger, weniger zahlen oder gerechter behandelt zu werden? Je genauer wir ein PROBLEM erkennen und beschreiben können, um so eher können Alternativen zur Ausgangssituation entwickelt werden.

PHASE 2: Entwickeln von Lösungen und Strategien

Ein Problem wäre kein Problem, wenn wir den unerwünschten Zustand aus eigener Kraft ändern könnten. Zumindest jedoch steht einer Problemlösung entgegen, dass durch die Lösung EINES Problems an anderer Stelle ein NEUES, ANDERES PROBLEM entstehen würde / könnte. Ein Gesetz, das als problematisch empfunden wird, kann meist nicht einfach ersatzlos gestrichen werden, da anderenfalls andere und vielleicht sogar noch größere Probleme entstehen würden. Es bedarf somit einer Neufassung, einer Reform.

Erforderlich sind hierbei zunächst LÖSUNGS-IDEEN, die zum ZIEL einer VERBESSERUNG führen KÖNNTEN. Wichtig ist in dieser Phase jedoch, Denkansätze nicht zu früh zu kritisieren oder gar auszuschliessen. Eine optimale Lösung besteht in den meisten Fällen später aus einer Kombination von verschiedenen Denkansätzen und Lösungselementen. Dem steht nicht entgegen, die VOR- und NACHTEILE von Lösungsansätzen REALISTISCH zu BENENNEN. Erst durch das Erkennen von Schwachstellen eines Konzepts wird es möglich, diese durch geeignete Anpassungen (oder Kombination mit anderen Konzepten) zu minimieren oder bestenfalls zu beseitigen.

PHASE 3: Entscheidung und Realisierung

Wer nicht weiss, was er will, wird es schwer haben, dies zu bekommen oder zu erreichen. Wer ein Problem lösen will, muss eine möglichst GENAUE VORSTELLUNG entwickeln, wie die Lösung aussehen soll. Es gilt somit, die Lösungsansätze aus Phase 2 zu bewerten, gegeneinander abzuwägen, sie ggf. zu einem neuen Konzept zu kombinieren und letztendlich EINEN KONKRETEN LÖSUNGSWEG zu beschließen.

Erst wenn der Bauplan steht, kann der Maurer anfangen. Wer also von der Politik eine Änderung eines Gesetzes fordert, muss als "Bauherr" (=Bürger) der ausführenden Stelle (=Politik) auch genau sagen können, wie er sich die Reform vorstellt. Und genausowenig, wie ein Bauherr dem Maurer erklären muss, wie dieser die Kelle zu halten hat, muss der Bürger der Gesetzgebung oder Verwaltung ein beschlußfähig ausformuliertes Gesetz vorlegen. Aber er muss seinen Willen hinreichend genau ausdrücken, damit die zuständige Stelle auch auftragsgemäß handeln kann.

Und es wird zudem einer gehörigen Portion Beharrlichkeit bedürfen, damit die politische Klasse dem Bürgerwillen Folge leisten wird. Dies ist jedoch kein Grund, auf KLARE VORGABEN zu verzichten. Im Gegenteil! Je schwammiger die Bürger ihren Willen tundtun, umso mehr Spielraum bleibt der Politik. Je KONKRETER  DIE FORDERUNG desto HÖHER DER HANDLUNGSDRUCK !

JETZT UND HIER ANFANGEN

Dieses Forum bietet eine Möglichkeit, Gesetze oder Teilregelungen anzusprechen, die für den Lesen / den Bürger ein Problem darstellen. Es besteht die Möglichkeit in der Diskussion mit Anderen Sinn und Unsinn bestimmter Rechtsnormen aufzuzeigen. Es können Argumente Pro und Kontra gesammelt und einander gegenüber gestellt werden. Man kann Ideen entwickeln, wie eine bessere Lösung aussehen könnte. Und vielleicht steht am Ende eine konkrete Initiative, die sich für eine bestimmte Reform auch tatsächlich einsetzt.

Um jedoch nicht vom Hundertsten in Tausendste zu kommen, ist es wichtig NUR EIN GESETZ pro DISKUSSIONSTHEMA zu betrachten. Wenn Sie also glauben, ein Gesetz oder eine Verordnung in Deutschland müsse reformiert werden, BEGINNEN Sie ein NEUES THEMA und schildern Sie möglichst genau, was Sie an der bisherigen Lösung stört. Bereits an den ANTWORTEN wird ersichtlich werden, ob es sich hierbei eher um ein PERSÖNLICHES Problem oder um einen GRUNDSÄTZLICHEN Reformbedarf handelt.

Ist das Problem erkannt, machen Lösungsvorschläge Sinn. Und natürlich eine Diskussion über deren VOR- und NACH-TEILE. Aber bitte SACHLICH. Es darf nicht darum gehen, den Urheber einer Meinung persönlich anzugreifen, nur weil er eine bestimmte Einstellung hat. Ist eine Aussage sachlich falsch, sollte diese möglichst mit Angabe eines Belegs korrigiert werden. Wurde etwas übersehen, sollte darauf sachlich hingewiesen werden. Beruht eine Einschätzung auf persönlichen Wertvorstellungen, kann man eine alternative Sichtweise dem gegenüber stellen. Und nicht vergessen: Wer nur in der Lage ist, den Urheber einer Meinung persönlich anzugreifen, hat meist keine sachlichen Argumente. Wer versucht, zu beleidigen oder zu diffamieren, bringt damit nur seine eigene Unfähigkeit zur Argumentation zum Ausdruck und will meist verbergen, dass er sich selbst im Unrecht sieht.

In diesem Sinne:
Geben Sie Anstöße, wie Deutschland und seine Gesetze zu verbessern sind.
Zeigen Sie Probleme auf. Machen Sie Verbesserungsvorschläge. Setzen Sie sich für einfache und wirksame Lösungen ein. Seien Sie sachlich und konstruktiv.
LEBEN WIR DEMOKRATIE.

« Letzte Änderung: 06.06.2011, 10:50 von Datko »
Thomas W. Müller
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