Autor Thema: Stromnetze nicht verstaatlichen! (ausführlich)  (Gelesen 2865 mal)

Datko

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 Joachim Datko : Stromnetze nicht verstaatlichen!     

Der Bund der Energieverbraucher e.V. und Attac fordern die Verstaatlichung der Stromnetze.
Siehe: http://energieverbraucher.de/index.php?i...ck_cont_id=4044

Zitat:

"Verbraucher und Attac: Stromnetze demokratisch kontrollieren

( 7. März 2008 ) Die Übernahme der Stromnetze durch die öffentliche Hand fordern in einer gemeinsamen Unterschriftenaktion der Bund der Energieverbraucher und die Organisation Attac.

Eine Verstaatlichung sei zwingend notwendig, um die künftige Stromversorgung zu sichern. Das Stromnetz als Schlüsselressource müsse im Wettbewerb neutral sein und dürfe nicht den Profitinteressen geopfert werden."
==========

- Eine Verstaatlichung der Stromnetze würde zu einer Monopolisierung führen, die die Situation der Verbraucher meiner Meinung nach weiter verschlechtert. Das bisherige Oligopol würde in ein Monopol übergeführt.

- Das Monopol hat dann der Staat, bzw. eine Behörde. Die Macht verlagert sich auf Menschen, deren wichtigstes berufliches Ziel es oft ist, eine Lebensstellung zu haben. In der Regel ein Menschentypus, der wenig innovativ, rechthaberisch und bequem ist. Man denke nur an "sozialistische" Staaten. Ich habe in einer Behörde eine Berufsausbildung absolviert. Wir haben sehr gut von den Bürgern gelebt, der Tarif für unsere Leistung wurde einfach festgelegt. Die Verbraucher hatten per Gesetz keine Alternative.

- Gegen Behörden und "halbstaatliche" Einrichtungen kann man sich als Verbraucher noch weniger wehren, wie gegen privatwirtschaftliche Konzerne mit einem hohen Marktanteil. Man denke nur an Rundfunkgebühren und an das Schornsteinfegermonopol. Die Zahlung wird von der konkreten Leistung für den Verbraucher entkoppelt.

- Der Bund der Energieverbraucher und Attac verwenden die Phrase "zwingend notwendig" für ihre Vorstellungen. Das bedeutet, dass man es aufgegeben hat Alternativen in Betracht zu ziehen und andere Meinungen grundsätzlich ablehnt.

- Ich wünsche mir als Verbraucher eine faire, soziale Marktwirtschaft, in der meine Interessen weder Konzernen noch Behörden geopfert werden. Meine Interessen werden dann berücksichtigt, wenn ich die Auswahl habe.


Joachim Datko ; Ingenieur, Physiker

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Datko

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Re:Stromnetze nicht verstaatlichen! (ausführlich)
« Antwort #1 am: 23.01.2010, 20:17 »
Unter dem Pseudonym "RR-E-ft " erhielt ich am 27.05.2008 um 19:57 die folgende Antwort.
http://forum.energienetz.de/thread.php?threadid=9171&hilightuser=3872
Meine Erwiderung ist nach den Kapiteln aufgeführt.
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"RR-E-ft ":
Netze sind natürliche Monopole. Man kann sich also nicht aussuchen, über wessen Stromnetz der Strom geliefert wird. Werden die vier bestehenden Übertragungsnetze zusammengeführt, sinken die Kosten für Regelenergie, zudem kann das Gesamtnetz besser "gefahren" werden, Missverständnisse zwischen benachbarten Netzbetreibern, die zu einem Stromausfall wie im November 2005 führen, werden unwahrscheinlicher. Wenn überall das gleiche Material Verwendung findet, sinken die Materialkosten für die Netze.

Datko:
Mit "natürliches Monopol" ist in der Regel gemeint, dass eine teure Infrastruktur, wie das Stromnetz, nicht mehrfach erstellt wird. Mit dem Begriff wird aber lediglich suggeriert, dass es keine Alternative zum Monopol gibt. Die Natur selbst ist ein Wettbewerbssystem. Weiterentwicklung und Effektivität werden in der Natur durch Wettbewerb erreicht. "Natürlich" können auch die Stromnetze im Wettbewerb betrieben werden.

Dass man es sich nicht aussuchen kann über welches Netz die elektrische Energie geliefert wird, liegt am mangelndem Wettbewerb und würde bei einem Staatsmonopol  erst recht gelten. Zur Zeit wird das Netz im Wesentlichen von einem Oligopol betrieben, bzw. genauer, als Gebietsmonopol, bei dem die Mitglieder des Oligopols einzelne Bereiche der Bundesrepublik kontrollieren.

Auf der obersten Ebene der Stromnetze handelt es sich um ein stark vermaschtes 220 / 380 KV Netz, das Höchstspannungsnetz. Schon die Vermaschung zeigt, dass die elektrische Energie über verschiedene Wege geführt werden kann. Es ist also keinesfalls erforderlich von einem "natürlichen Monopol" zu sprechen.  Jahrzehntelang glaubte man, dass nur ein Unternehmen Briefe austeilen sollte oder nur ein Unternehmen Telefonate ermöglichen sollte, es gab sogar ein Streichholzmonopol.  Vielfalt wurde der Einfalt geopfert. Ineffiziens und hohe Kosten waren die Folge.

Dass Rationalisierungseffekte durch ein grosses Netz eines einzigen Betreibers entstehen, ist nur bedingt der Fall. Ein Wettbewerbssystem ist effektiver als ein monopolistisches System. Unser Wirtschaftssystem, die Marktwirtschaft, geht gerade davon aus, dass Wettbewerb zur Rationalisierung zwingt und für den Verbraucher optimale Bedingungen schafft. Das Gegenteil davon ist Planwirtschaft. Sie führt mit guten Vorsätzen zu Einfalt und Unterdrückung. An der Spitze landen "Parteisoldaten".

Systemausfälle kommen auch bei Monopolisten vor. Nur wird im Schadensfall selten über Verantwortung gesprochen, da keine Alternative möglich ist. Bei einem Wettbewerbssystem führen Schadensfälle sofort zur Reaktion der Verbraucher. Durch die Wahlfreiheit der Verbraucher wird eine hohe Qualität erzwungen. Hat der Verbraucher keine Wahl, kann ihm vieles zugemutet werden.

"RR-E-ft ":
Die Zusammenführung und Zentralisierung der Netze birgt also über Skalen- und Synergieeffekte ökonomische Vorteile, die sich insgesamt in geringeren Kosten niederschlagen und so zur Hebung der allgemeinen Wohlfahrt beitragen können.

Datko:
Auch hier gilt, die geringsten Kosten hat der Verbraucher in einem Wettbewerbssystem. Es ist durch Rationalisierung und Effektivität gekennzeichnet. Zentralisierung führt zur Kommandowirtschaft und Ineffizienz. Man denke nur an die sozialistischen Staaten. Das Ergebnis ist allgemeine Armut.


"RR-E-ft ":
Frei wählen kann man sich lediglich den Lieferanten. Zudem besteht die Möglichkeit, sich frei dafür zu entscheiden, ohne Strom aus dem öffentlichen Netz auszukommen.

Datko:
Das man sich den Lieferanten frei wählen kann, ist Fortschritt durch Einführung von Wettbewerb. Es widerlegt ja gerade den Ruf nach einem öffentlichen Monopol, wie es der Bund der Energieverbraucher und attac für das Stromnetz fordern.

Das man auch ohne Strom aus dem öffentlichen Netz auskommen kann, hat nichts mit der Frage zu tun, ob das Stromnetz als Monopol oder im Wettbewerb betrieben werden soll.


"RR-E-ft ":
Staatliche Monopole können durchaus Sinn machen.

Datko:
Der Staat sollte sich meiner Meinung weitgehend zurückhalten und nur die Rahmenbedingungen durchsetzen. Ich habe persönlich eine sehr schlechte Meinung von Behörden und Politikern.

"RR-E-ft ":
Ich nehme nicht an, dass etwa das staatliche Gewaltmonopol ernsthaft in Frage gestellt wird, weil man sich lieber aussuchen will, wer einem mit Gewalt begegnen darf, bzw. man sich einen Wettbewerb unter entsprechenden Anbietern wünscht. Augenzwinkern

Datko:
Das gehört zwar nicht zum Thema, aber auch diesen Bereich halte ich für extrem reformbedürftig. Mit dem "staatliche Gewaltmonopol" habe ich schon manche eigenartige Erfahrung gemacht. So hat bei uns im Haus ein Schornsteinfeger einmal seine "Tätigkeiten" mit Hilfe der Polizei durchgeführt. Trotz Ingenieur- und  Physikstudium konnte ich die "Helden der Arbeit" von meiner modernen Erdgasheizung nicht abhalten. Es wurde einfach ein Gesetz, dessen Grundlage die nationalsozialistische Wirtschaftspolitik ist, durchgesetzt. Da sieht man auch die verherrende Wirkung von Monopolen, der Kunde kann leicht zum Opfer werden. Deswegen wurden viele sozialistische Staaten auch eingezäunt, um die Kunden wurde eine Gefängnismauer gebaut. Es wurde ein staatliches Versorgungsmonopol geschaffen.


"RR-E-ft ":
Inwieweit haben sich denn Verbraucher bisher erfolgreich gegen Netzbetreiber als solche zur Wehr gesetzt? Entsprechendes wäre mir bisher nicht bekannt geworden.


Datko :
Gesellschaftspolitisch ist erkannt worden, dass die Macht des Oligopols bei der Stromversorgung auch durch das Eigentum am Stromnetz bedingt ist. Der Widerstand gegen das Oligopol ist breit. Die Frage bleibt aber, welcher Weg zur Korrektur eingeschlagen wird. Mir ist jedes Monopol, sei es privatwirtschaftlich oder staatlich ein Greul.

Ich habe selber unter permanentem starkem Wettbewerbsdruck gearbeitet. Die Kunden konnten sich aussuchen, wessen Leistung sie in Anspruch nahmen, eine gute Situation für die Kunden.  Für mich und meine Mitwettbewerber der Zwang, uns auf die Wünsche der Kunden einzustellen, sie erhielten für ihr Geld das, was sie benötigten und nicht das, was ihnen jemand auf Grund einer Monopolsituation zugestand.
« Letzte Änderung: 23.01.2010, 20:19 von Datko »
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Datko

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Re:Stromnetze nicht verstaatlichen! (ausführlich)
« Antwort #2 am: 23.01.2010, 20:18 »
Unter dem Pseudonym "RR-E-ft " erhielt ich am 04.06.2008 um 18:03 die folgende Antwort.
http://forum.energienetz.de/thread.php?threadid=9171&hilightuser=3872
Meine Erwiderung ist noch den Kapiteln aufgeführt.
=====
"RR-E-ft "
Bei den Netzen handelt sich im ökonomischen Sinne - unabhängig vom Eigentümer - um natürliche Monopole.

Datko:

Sie werfen leider nur einen "Knochen" hin, ohne anzudeuten, was Sie mit "natürlichem Monopol" sagen wollen.

Hier nur ein Beispiel aus Italien. In Italien gibt es zum einen ein grosses, privates Autobahnnetz, zum anderen aber auch, oft neben den Autobahnen gut ausgebaute öffentliche  Schnellstrassen. Das soll nur ein Beispiel das es keine "natürlichen Monopole" gibt. Von "natürliche Monopolen" zu sprechen, bedeutet lediglich nicht bereit zu sein, ein Wettbewerbssystem in Betracht zu ziehen.

Der Trend beim Stromnetz geht zu immer grösseren wirtschaftlichen Einheiten, zu Konzernen wie z.B. E.ON. Politik und Behörden sind nicht in der Lage, die wirtschaftliche Oligopol- und Monopolbildung zu verhindern. Es gibt keinen "natürlichen" Zwang zum Konzernwachstum. Jetzt wieder zu meinem Grundgedanken, die wirtschaftlichen Einheiten sollten so groß gehalten werden, dass ein wirksamer Wettbewerb entsteht. Dies gilt auch für "öffentliche" Betriebe, also kein "öffentliches" Stromnetz schaffen.

Forderungen, die sich daraus ergeben, sind bekannt und werden leider politisch nicht umgesetzt.
- So sollten zum Beispiel die Teile des bisherigen Höchstspannungsnetzes nicht bei den Energiekonzernen bleiben, die es bisher betreiben, sondern in eigene Gesellschaften ausgegliedert werden, die auf Dauer von den Konzernen entkoppelt werden. Keinesfalls aber sollte das Netz in "öffentlichen Besitz" übergeführt werden.

- Die bisherigen "Stadtwerke" sollten keinerlei Beteiligungen der 4 Energiekonzerne haben. Das bedeutet, dass die nächste Ebene, unter dem Höchstspannungsnetz auch der Oligopol- und Monopolbildung entzogen wird. Ihre wirtschaftliche Macht ist dann auch wieder zu brechen. Sie bilden öffentliche Gebietsmonopole, derren Macht auch zerstört werden muss.













"RR-E-ft "
Wie ein Leitungswettbewerb entstehen sollte, zeigen Sie schon nicht auf.



Datko:

In einem ersten Schritt sollte man das bisherige Oligopol schwächen, wie es im vorhergehenden Punkt aufgeführt wurde und schon lange bekannt ist.

1) Vollständige wirtschaftliche Trennung der Stromnetze vom bisherigen Oligopol, indem die Netze in eigene Firmen ausgegliedert werden.

2) Vollkommene wirtschaftliche Trennung der großen Konzerne von den "Stadtwerken". In Regensburg würde dies bedeuten, dass die E.ON ihren ungefähr 35% Anteil an der REWAG verkaufen muss.

Dadurch würde die wirtschaftliche Macht des bisherigen Oligopols entscheidend geschwächt.

3) Dieser Punkt ist neu: Ich würde es denn "Stadtwerken" untersagen sich auf lokaler Ebene an kleineren Energieunternehmen zu beteiligen (z.B. Biogasanlagen, Heizkraftwerken uns Stromerzeugeren). So sollten sie lokal keine eigenen Kraftwerke betreiben dürfen oder sich daran beteiligen.

Parallel dazu sollte tatsächlich auf der Leitungsebene in einem gewissen Umfang der regionale wirtschaftöliche Verbund durch unabhängige Anbieter aufgeweicht werden. So wird die sogenannte "letzte Meile" bei der Telefonie mittlerweile auch im Wettbewerb angeboten (z.B. Telekom, Kabelgesellschaften)


"RR-E-ft "
Bei Gas wäre ein solcher Wettbewerb möglich, wenn viele Leitungen zwischen A und B parallel verlegt werden. Das Gas könnte dann physisch über die Leitung transportiert werden, deren Betreiber dafür die geringsten Entgelte verlangt. Die (abgeschieberten) Leitungen der teureren Netzbetreiber blieben demgegenüber unausgelastet, wenn sie ihre Entgelte nicht senken. Der Netzbetreiber trüge somit das Risiko, dass sich die kapitalintensive Errichtung einer Gasleitung nicht amortisiert. Der Wettbewerb wäre um so stärker, um so mehr Leitungen parallel nebeneinander errichtet werden, ohne dass diese alle tatsächlich überhaupt benötigt werden. Das wäre möglich. Es bestünde dabei die volkswirtschaftlich nicht erwünschte Gefahr, dass keiner der Netzbetreiber, der eine dieser Leitungen parallel zueinander errichtet hat, seine Kosten amortisieren kann, so dass am Ende alle nicht wirtschaftlich und effizient arbeiten können, das Gesamtsystem deshalb unwirtschaftlich ist. Das wäre etwa der Fall, wenn fünf Leitungen je nur zu 20 Prozent ausgelastet wären, die notwendig zu deckenden Erichtungs- und Betriebskosten der fünf Leitungen jedoch mehr als das Fünffache nur einer Leitung betragen...

Datko:
Das Versorgungsnetz für Erdgas ist hier nicht Thema. Wir können aber es gerne als eigenes Thema an anderer Stelle aufgreifen.

Ihre Argumente sind zum Teil aus meiner Sicht auch unsachlich. So versuchen Sie mit "... Wettbewerb möglich, wenn viele Leitungen zwischen A und B parallel verlegt werden" den Wettbewerbsgedanken zu überzeichnen. Wettbewerb ist schon mit zwei Leitungen möglich, wenn die Anbieter wirtschaftlich getrennt sind.

Der Presse ist zu entnehmen, dass russische Gesellschaften in der Bundesrepublik investieren wollen, dies aber abgeblockt wird. Das ist unfair gegenüber den Gesellschaften und gegenüber dem Verbraucher. "Deutsche" Investitionen in Rußland sehen wir als selbstverständlich an, die umgekehrte Richtung wollen wir nicht akzeptieren, das ist übel.




"RR-E-ft "
Als Physiker können Sie möglicherweise eine Erklärung liefern, wie im Strombereich bei einem parallelen Leitungsbau ein solcher Wettbewerb entstehen könnte. Ich meine, dass sich die Elektrizität selbst den Weg des geringsten Widerstandes vom "Erzeuger" zum "Verbraucher" sucht, ohne dabei auch nur ansatzweise auf die Höhe der vom jeweiligen Netzbetreiber geforderten Entgelte Rücksicht zu nehmen. Jedenfalls hängt bisher der elektrische Widerstand einer Leitung wohl nicht von der Höhe der Netzentgelte ab. Allerdings ließe sich dies ggf. technisch regeln bzw. steuern. Weder der "Erzeuger", noch der Händler, noch der "Verbraucher" hat Einfluss darauf, über welche Leitung der Strom schlussendlich transportiert wird. Und selbstredend kann auch dabei der parallele Leitungsbau volkswirtschaftlich unerwünschte Ergebnisse zeitigen. Zehn und mehr parallele Stromtrassen, die zusammengenommen schlussendlich gar niemand braucht, führen daneben auch zu einem unnötigen Verbrauch an der Ressource Landschaft. Wettbewerb hätte auch zur Folge, dass dort wo dem großen Kostenaufwand der Erschließung keine entsprechende Nachfrage gegenübersteht, eine Erschließung gar nicht erst erfolgt. Niemand würde zu abgelegenen Ortschaften mit schwindender Bevölkerung überhaupt Leitungen errichten oder solche aufrecht erhalten.

Datko:

Das Stromnetz ist technisch gesehen jetzt schon redundant ausgelegt. Ich empfehle tatsächliche eine Aufweichung der geografischen Netze in ein Wettbewerbssystem.

Der letzte Satz mit den abgelegenen Ortschaften erinnert mich an die Argumentation der ehemaligen Post, bei der das Monopol ebenso verteidigt wurde. Es reicht schon, wenn man für Metropolen und für industrielle Großverbraucher erste Alternativen schafft.


"RR-E-ft "
Es ist demnach so, dass nicht in allen Bereichen Wettbewerb zu einem volkswirtschaftlich optimalen Ergebnis führt. Im Bereich "natürlicher" Monopole, ein Begriff aus der Volkswirtschaftslehre, ist dies nicht der Fall.

"RR-E-ft "
Möglicherweise ist auch noch niemand auf die Idee gekommen, Autobahnen, Straßen, Wasser- und Schienenwege parallel nebeneinander zu bauen, damit sich die Nachfrager nach der Benutzung solcher Einrichtungen unter vielen für den Anbieter entscheiden können, der die geringsten Entgelte verlangt. Auch dabei ist klar, dass die Infrastruktureinrichtungen am besten in der öffentlichen Hand liegen, zuletzt die Diskussion um die Privatisierung des Schienennetzes der Bahn. Acht parallel verlaufende, privat errichtete Umgehungsstraßen für ein Dorf, damit sich die Bürger endlich jeden Tag demokratisch frei dafür entscheiden können, nur diejenige zu benutzen, dessen Eigentümer jeweils die gringste Maut verlangt, erscheinen gesamtwirtschaftlich sinnlos. Zudem besteht im freien Wettbewerb dabei die Gefahr, dass sich gar kein privater Investor findet, um nur eine einzige Straße zu einem abgelegen Dorf zu errichten oder auch nur instand zu halten. Der Einzelhandel auf dem flachen Land unterliegt z. B. dem freien Wettbewerb mit der Folge, dass vielerorts kein Einzelhandel mehr vorhanden ist, allenfalls mobile Händler kommen, die höhere Preise verlangen, als im städtischen Supermarkt. Als älterer Mensch hat man auf dem flachen Land dadurch die entsprechenden Alternativen... Preisgünstiger wird es nicht, weil es nun einmal nicht preisgünstiger geht.

"RR-E-ft "
Es kann jeder aus prinzipiellen Erwägungen heraus gegen Monopole - auch solche der öffentlichen Hand - sein. Nur sollte dies eben auch in jedem Falle ökonomisch zu Ende gedacht werden. Gegen ökonomische Gesetze ist ebenso wenig wie gegen Naturgesetze ein Kraut gewachsen. Sie wirken einfach objektiv, so lange ihre Bedingungen vorliegen. Die Gesellschaft sollte darauf angelegt sein, Bedingungen zu schaffen, die auch den Schwachen Schutz bieten und Chancen einräumen. Freilich wird dadurch wohl das natürliche Wettbewerbsprinzip im Darwinschen Sinne teilweise aufgehoben. Das nennen wir human.

"Datko":

Ich nehme auch für mich in Anspruch, ökonomisch zu denken.

Die Schwachen werden meiner Meinung nach in einem Wettbewerbssystem geschützt und nicht in einem Monopol- oder Oligopolsystem, egal ob es privatwirtschaftlich oder öffentlich ist. Im Wettbewerb werde ich als Kunde stark. Meine Erfahrung ist Ohnmacht, wenn ich auf Monopole und Oligopole treffe und Stärke, wenn ich mich in einem Wettbewerbssystem entscheiden kann. Dies gilt auch für öffentliche Monopole. Sozialistische Staaten zeigen genau auf, wie öffentliche Monopole arbeiten. Da ich vier Jahre bei einem öffentlichen Monopolisten gearbeitet habe, kenne ich die Denkweise aus eigener Erfahrung, ich kann davor nur warnen. Bei den Stromnetzen haben wir die Möglichkeit in Richtung Wettbewerb zu gehen.


Joachim Datko, Regensburg
« Letzte Änderung: 10. Juni 2008, 08:52:04 von Joachim Datko »
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