Ich finde es doch immer wieder erschreckend, wie wenig GLAUBE, KIRCHE und KIRCHEN-STEUER auseinander gehalten werden (können).
Einen GLAUBEN hat jeder. Die Frage ist nur, an was er glaubt. Und sogar derjenige, der glaubt, dass er an nichts glaubt, glaubt dadurch ja bereits an etwas.
Als KIRCHE könnte man jede organisierte Form des Glaubens und der Gemeinschaft Gleichgläubiger verstehen. Also im Prinzip so was wie ein Verein. Wer mitmachen will, tritt bei. Wem's nicht mehr gefällt, tritt aus.
Etwas problematischer wird es bei der Rolle des Staates bezüglich der Kirchen. Eigentlich sollte sich die Selbstverwaltung eines demokratischen Volks aus Glaubensfragen strikt heraushalten. Es gibt eben nicht den einen, wahren und richtigen Glauben. Jede Demokratie, die die Glaubens- und Meinungsfreiheit ihrer Bürger achtet, darf folglich keinen einseitigen Einfluss nehmen. In Weiterführung dieses Neutralitätsgebots sollte sich der Staat auch konsequent aus den Finanzierungsfragen der Glaubensvereine namens "Kirche" heraushalten. Wer Lust hat, soll doch eine Kirche gründen, Mitglieder finden und von diesen Beiträge kassieren. Aber bitte nicht mit hoheitlicher Macht KIRCHEN-STEUERN einziehen. Und wenn ein Kirchen-Verein meint, einen Funktionsträger zu benötigen, soll er ihn auch selbst bezahlen. Das geht den Staat als NEUTRALE Institution schlicht nichts an.
Als Ergebnis dieser Unterscheidungen muss man jedoch auch seine jeweilige Kritik an eine andere Stelle richten. Über Glaubensfragen kann man philosophieren und diskutieren. Zu einem Endergebnis wird die Menschheit nie gelangen. Für die Glaubenslehre der Kirchen sind deren Vertreter die richtigen Ansprechpartner. Aber jeder sollte natürlich nur die Regeln des Vereins kritisieren, dem er selbst auch angehört (soweit sich diese nicht auch nach außen auswirken). Und hinsichtlich der Rolle des Staates zu Glaubens- und Kirchenfragen sind unsere Parteien und Politiker die richtige Adresse. Nur die Parlamente können Gesetze ändern und Haushaltsmittel für Glaubensvereine streichen.