Mir ist im Zusammenhang mit dem Rückgang des kirchlichen Einflusses auf unser (ziviles) öffentliches Leben bewußt geworden, dass hier auch erhebliche regionale Unterschiede bestehen. Bei mir in Hessen ist es kein Problem, den Kirchen auszuweichen. Der politische Einfluss dürfte sich in Grenzen halten.
Ich kann mir jedoch vorstellen, dass in Bayern die Situation anders aussieht. Immerhin versteht sich dort die landesspezifische Variante der "C"-Parteien noch etwas kirchennäher als deren Schwesterpartei in den übrigen Bundesländern. Bei einer ehrlichen und wirklichen Neutralität der Politik würde fast automatisch auch ein Teil des Selbstverständnisses der CSU angekratzt. Solange die Kirche quasi als unsichtbarer Gast neben den braven CSU-Abgeordneten mit im Landtag und in den sonstigen Vertretungen in Städten und Gemeinden sitzt, wird es Bayern schwer haben, zwischen Staat und Religion zu unterscheiden.
Man stelle sich einmal vor, in Bayern würde die "schwarze" Politik wie in Baden-Württemberg plötzlich durch eine ganz andere Koalition abgelöst, die Wellen eines derartigen politischen Bebens würde man bis Rom spüren. Aber noch stützen sich die Konservativen und die katholische Kirche in Bayern gegenseitig. Kommt jedoch eine Seite ernsthaft ins Straucheln, wird auch der Gegenpart betroffen sein.
Wie laut wäre in Bayern wohl der Aufschrei, wenn bei der nächsten Landtagswahl tatsächlich ein Christian Ude von der SPD vielleicht in Koalition mit den Grünen das Ruder übernehmen und in der Folge die Kreuze aus den öffentlichen Schulen verbannen würde?