Autor Thema: Einfluss der Kirchen auf das Zivil-Leben  (Gelesen 3741 mal)

TWMueller

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Einfluss der Kirchen auf das Zivil-Leben
« am: 14.05.2011, 18:48 »
Würde man Religionsgemeinschaften / Kirchen als Vereine ansehen, in die freie Bürger je nach Interesse ein- und austreten könnten, das Thema "Religion" wäre keines mehr.

Aber in Wirklichkeit sieht es bekannlich anders aus. Auf der ganzen Welt gibt es einen "Machtkampf" zwischen religiösem Regelwerk und den von Menschen formulierten Gesetzen. Und das Kernproblem hierbei ist, dass bei ZWEI parallelen Regelwerken, EINES die Leitfunktion übernehmen muss. Die Religionen behaupten hierbei, ihre "Werte" seien die Rahmenbedingungen für irdische Gesetzeswerke. Aufgeklärte Menschen hingegen fordern, die Kirchen müssten sich im Rahmen der allgemeinen Gesetze bewegen.

Besonders problematisch wird dieser Widerspruch, weil die Religion die Bereiche ETHIK und MORAL für sich beanspruchen. Teils verdeckt, teils offen wird behauptet, in Gesellschaften OHNE RELIGION gäbe es KEINE WERTE, KEINE MORAL, KEINE ETHIK. Hieraus soll sich die Notwendigkeit eines (und natürlich des "richtigen") Glaubens ergeben. Ohne die moralische Instanz der Religion wird mit "Entmenschlichung" und Chaos gedroht.

Aber dies ist weder belegbar, nach wahr. Als soziales Wesen hat der Mensch ein natürliches Bedürfnis nach Zugehörigkeit zu anderen Menschen. Ganz ohne Religion bilden sich daher bereits aus psychologischen und soziologischen Gründen "Anstandsregeln" heraus, die das Zusammenleben angenehmer machen. "Was Du nicht willst, was man Dir tut, das füg' auch keinem And'rem zu."

In der Folge bilden sich zwei wesentliche Arten von sozialen Regeln heraus. Halbwegs konkrete Problembereiche können durch "Gesetze", formulierte Ge- und Verbote, geregelt werden. Darüber hinaus gibt es jedoch auch "informelle" (= nicht formulierte) Regeln, die als "Meta-Regeln" auch WERTE oder MORAL genannt werden können. Was "gut" oder "richtig" ist, kann nicht für alle Vielfalt des Lebens exakt abgegrenzt werden. Aber man kann aus einer Summe von Beispielen Analogien herleiten, die diese WERTE hinreichend erkennbar machen.

Für einen logischen Realisten ist somit eine FRIEDLICHE und MORALISCHE Gesellschaft durchaus auch OHNE RELIGION möglich. Der Mensch ist eben ein Herden- und kein Raub-Tier. Als logische Schlussfolgerung muss sich INDIVIDUELLER GLAUBE in das soziale Regelwerk der Gesetze einordnen. Der SOZIALE MENSCH hat Vorrang vor SPIRITUELLEN GLAUBENSSÄTZEN. Die Religionsgemeinschaften sind zwar im Denken frei, aber im Handeln an irdische Gesetze gebunden.

Aber die Kirchen wollen natürlich ihre über Jahrhunderte aufgebaute Macht und ihren Einfluss nicht so ohne Weiteres aufgeben. Dies wird sehr deutlich, da nicht etwa den Menschen Denk-ANGEBOTE gemacht werden, sondern VORSCHRIFTEN den Machterhalt sichern sollen.

Übertragen wir dies auf die KONKRETE Situation in DEUTSCHLAND. Theoretisch haben wir zwar RELIGIONSFREIHEIT, aber unter den gleichberechtigten Glaubensvarianten gibt es dann in der Praxis eben doch Religionen, die GLEICHER sind als andere. Man versucht künstlich, eine "christliche" mit einer sogenannten "abendländischen" Kultur zu verknüpfen. Treffender wäre jedoch, von einer Kultur der AUFKLÄRUNG, GLEICHHEIT und FREIHEIT zu sprechen. Übertragen auf die Organisation des Gemeinwesens könnte man auch von einer DEMOKRATISCHEN Kultur sprechen. Demokratie muss von jeder machtorientierten Religion jedoch klein gehalten werden. FREIHEIT und GLEICHHEIT sind eben natürliche Feinde INDIVIDUELLER MACHT.

Zum Wohle unserer FREIHEITLICHEN DEMOKRATIE ist es somit notwendig, die Bereiche aufzudecken, in denen MENSCHEN unter dem Vorwand von RELIGION und SPIRITUALITÄT Einfluss gewinnen oder erhalten wollen.

Es dürfte daher interessant sein, die Fälle aufzuzeigen, wo Kirchen ungerechtfertigt (per Gesetz) eine Macht erhalten, die sonst nur dem DEMOKRATISCHEN VOLK zustehen würde.

Ein gutes Beispiel ist die "Kirchen-Steuer", die genau genommen überhaupt KEINE STEUER ist, da sie nicht dem allgemeinen Haushalt des Gemeinwesens zufließt. Treffender müsste man diesen Geldeinzug als ABGABE bezeichen, die lediglich im Steuerverfahren mit bearbeitet wird.

Zusammenschlüsse von Menschen zu einem gemeinsamen Zweck nennt man "VEREINE". Es ist somit rechtlich nicht falsch, auch Glaubensgemeinschaften mit Vereinen gleichzusetzen. Und warum zieht dann "der Staat" die Mitgliedsbeiträge für Glaubens-VEREINE ein? Nur weil Kirchen angeblich so wichtig für die GEISTIGE GESUNDHEIT sind? Dann müsste der Staat auch die Beiträge zu Sport-Vereinen als steuerähnliche Abgaben mit einziehen. Sport-Vereine sind doch für die KÖRPERLICHE GESUNDHEIT des Volkes ebenso wertvoll, wie Glaubens-Vereine für deren GEIST?

Daher die 1. FORDERUNG:
Abschaffung der staatlich einkassierten Kirchensteuer !

Jede Kirchen-Gemeinschaft soll selbstbestimmt, aber auch eigenständig von ihren Mitgliedern die notwendigen Finanzmittel erheben. Dass gemeinnützige Organisationen darüber hinaus Fördermittel erhalten können, bleibt unbenommen. Der Gleichheitsgrundsatz gebietet sogar, dass kirchliche Einrichtungen (z.B. Kindergärten) nicht schlechter (aber auch nicht besser) gestellt werden dürfen, als vergleichbare rein zivile Angebote.

Und es gibt noch VIELE BEREICHE des öffentlichen Lebens, in denen die Kirchen eine SONDER-STELLUNG einnehmen. Ich denke z.B. an Kirchen-Vertreter in den Rundfunkräten. Warum gibt es dort eine Bevorzugung? Der Glaube in Form von Werten und Moral ist doch bereits proportional zur Gesamtgesellschaft in den Köpfen der Ratsmitglieder vorhanden. Warum also noch ZUSATZ-Vertreter, die die Repräsentation der Gesellschaft verfälschen?
 
Daher die 2. FORDERUNG:
Keine Sonder-Vertreter der Kirchen in staatlichen Gremien!

Und dies dürfte erst der Anfang sein.
Aber jetzt sollen auch alle anderen Leser dieses Forums zu Wort kommen:

  • In welchen Bereichen des öffentlichen Lebens haben die Kirchen IHRER Meinung nach eine unberechtigte SONDER-STELLUNG ?
  • Welche GESETZE müssen GEÄNDERT oder ANGESCHAFFT werden ?
  • Wie kann ein in Glaubensfragen NEUTRALER STAAT aussehen ?
  • Wie kommen wir dort hin ?

Thomas W. Müller
Tel.: (06134) 564620
Mail: politik@twmueller.de
(Ich freue mich immer über persönliche Kontakte)