Autor Thema: Die negative Seite ist eine höhere Inflation  (Gelesen 195 mal)

Datko

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Siehe: http://www.regensburg-digital.de/ein-seehofer-ohne-mumm-ein-wulff-ohne-souveranitat-und-ein-verfassungsschutz-der-ns-verbrechen-verharmlost/

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Zitat: "Höhere Löhne, höhere Renten, höhere Sozialleistungen – das müsse sein, um die Binnenkonjunktur anzukurbeln, nennt Gysi ..."

Die negative Seite ist eine höhere Inflation. Betroffen sind dann vor allem die Armen.

Zitat: "Banken verkleinern und verstaatlichen. "

Verstaatlichen bedeutet letztlich, dass sich eine Behördenmentalität breit macht, der Kunde wird zum Opfer.

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Herr Gysi macht insgesamt die Milchmädchenrechnung von Staaten wie der DDR auf.  Um das Ganze noch einen Zaun und schon haben wir wieder den verstaatlichten Menschen.
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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Re: Die negative Seite ist eine höhere Inflation
« Antwort #1 am: 12.01.2012, 23:12 »
Verstaatlichen bedeutet letztlich, dass sich eine Behördenmentalität breit macht, der Kunde wird zum Opfer.

Wenn den Bürgern Angst gemacht werden soll, dann wird das Gespenst des "Kommunismus", des "Sozialismus" oder der "Verstaatlichung" drohend hochgehalten.
Aber was bedeutet "Verstaatlichung" denn im eigentlichen Wortsinn? Doch keineswegs, dass z.B. aus einer "Deutschen Bank" plötzlich ein Geld-Verwaltungs-AMT wird. Bei Kapitalgesellschaften wird doch ziemlich klar unterschieden zwischen der Eigentümerschaft in Gestalt der Kapitalanteile und der Geschäftsleitung und erst recht der jeweiligen Dienstleistung gegenüber den Vertragspartnern.

Wenn Niedersachsen an VW beteiligt ist, baut VW deswegen doch keine schlechteren Fahrzeuge. Und niemand würde bei einer VW-Werkstatt ein Fahrzeug-Reparatur-Amt erwarten.

Und "Verstaatlichung" bedeutet auch nicht ersatzlose Enteignung. Natürlich würde das Gemeinwesen in Gestalt des Staates die Kapitalanteile zu einem markgerechten Wert erwerben. Aber ein gewisser Einfluss der Gesellschaft auf "systemrelevante" Unternehmen kann eben einem Machtmißbrauch in gewisser Weise (etwas) vorbeugen. Die Gier nach immer mehr Kapitalertrag (sogar dann, wenn Mancher gar nicht mehr weiß, wo er sein Vermögen anschließend sinnvoll unterbringen kann) führt leider teilweise zu mehr als fragwürdigen Exzessen. Wenn Aktienkurse bereits bei der Ankündigung von Entlassungen in die Höhe schnellen, dann stimmt doch etwas nicht. Die großen Kapitalunternehmen werden eben leider nicht mehr nach der Qualität ihrer Produkte und Dienstleistungen bewertet, alles reduziert sich auf Kapitalertrag und Aktienkurse. Und mit vielfältiger Spekulation werden leistungslos Gewinne abgezockt, ohne dass die Volkswirtschaft hiervon einen realen Nutzen hätte.

Der individuell-eigentums-lose Sozialismus ist sicher ebenso unrealistisch und als System einer Gesellschaft ungeeignet, wie es im Gegenteil der ungezügelte Kapitalismus ist. Letztendlich ballt sich durch Zins und Zinseszins das Kapital in wenigen Häden zusammen. Und mit dem Kapital ballt sich auch die (reale) Macht. Wer daher jede sinnvolle Kontrolle des Kapitals einfach so ablehnt, verkennt, dass er so durch das Hintertürchen wieder Fürsten und Könige einführt. Das Volk darf dann zwar alle paar Jahre ein Kreuzchen auf dem Wahlzettel machen, ist ansonsten aber von Energie-Giganten und rein kapitalorientierten Arbeitgebern abhängig. Und die Politik verabschiedet die Gesetze, die im Sinne der (Kapital-)Fürsten sind. WO bleibt das Primat der Politik? Wo die Demokratie des Volkes?

Derartigen Auswüchsen ist jedoch auf ziemlich sanfte Wiese entgegen zu wirken. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße muss ein wachsender Anteil des Kapitals dem Staat zum Vorkaufsrecht angeboten werden. Und selbst wenn die Unternehmen, um eine Beteiligung des Staates zu verhindern, die Konzerne in kleinere (Teil-) Unternehmen aufsplitten würden, es wäre ein Gewinn für eine auf Vielfalt setzende Gesellschaft. Wir brauchen in der Natur die Artenvielfalt. Ebenso brauchen wir im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben eine FREIE VIELFALT. Manche gesetzliche Grenze erweist sich diesbezüglich eben nicht als Beschränkung der Freiheit, sondern als Garant für Vielfalt. Denn es geht ja nicht um die Freiheit für Wenige, es geht um Freiheit möglichst für Alle.

P.S.
Und würde die FDP das "Freiheitliche" im Namen nicht mittlerweile lediglich auf die "Freiheit des Kapitals" reduzieren, sondern die "FREIHEIT JEDES BÜRGERS" im Blick haben, sie bekäme nicht 2% sondern eher 20% der Wählerstimmen.
« Letzte Änderung: 12.01.2012, 23:21 von TWMueller »
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Datko

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Re: Die negative Seite ist eine höhere Inflation
« Antwort #2 am: 12.01.2012, 23:23 »
Ich bin für eine faire sozial Marktwirtschaft.

Aber was bedeutet "Verstaatlichung" denn im eigentlichen Wortsinn? Doch keineswegs, dass z.B. aus einer "Deutschen Bank" plötzlich ein Geld-Verwaltungs-AMT wird. Bei Kapitalgesellschaften wird doch ziemlich klar unterschieden zwischen der Eigentümerschaft in Gestalt der Kapitalanteile und der Geschäftsleitung und erst recht der jeweiligen Dienstleistung gegenüber den Vertragspartnern.
Im Kommunismus und Sozialismus wird bei den Banken nicht groß unterschieden, sie sind vom System aus gesehen schlecht, selbst Geld ist schlecht und dann hat man von staatlicher Seite eines Tages nicht einmal mehr das Geld, um Kaffee oder Obst auf dem Weltmarkt einzukaufen. Und wenn man Ware gegen Geld des Staates haben möchte, dann will niemand das Geld akzeptieren. Als ich als Schüler nach Ostberlin zu einem Tagesausflug eingereist bin, musste ich einen Zwangsumtausch machen, eigentlich wollte ich das Geld der DDR nicht.

Verstaatlichte Betriebe sind Behörden und der Bürger wird zum Opfer, zumindest aus meiner Sicht, ich habe in einer Behörde einen technischen Beruf gelernt, ich kenne die Behörden-Mentalität.

Und es werden auf Dauer sogar die Menschen verstaatlicht, sie gehören den Politikern und Behörden, eines Tages gibt es einen Zaun um den Staat, damit den Behörden und Politikern ihre Opfer nicht entkommen.

- Ich bin ein freiheitsliebender Mensch, ich möchte selbst entscheiden, ich möchte mich nicht von Bürokraten schikanieren lassen.
- Ich möchte Menschen, die in einer Behörde ihre Dienstzeit absitzen nicht bezahlen.
- Ich möchte Stempelritter, die mich schikanieren nicht bezahlen.
- Als Verbraucher möchte ich auswählen, ich möchte kein Zwangskunde sein, nur weil es lediglich einen Anbieter gibt, besonders übel ist es für mich in der Regl, wenn eine Behörde der einzige Anbieter ist.

Letztendlich ballt sich durch Zins und Zinseszins das Kapital in wenigen Häden zusammen.

- In Deutschland beträgt die Kapitalertragssteuer ( Defaultsteuer ) 25% von den Zinsen
- Solidaritätszuschlag auf die Kapitalertragssteuer
- Rechnet man noch eine Inflationsrate von 2% pro Jahr, dann bleibt kaum etwas übrig.

Ein einfaches Beispiel:
Anlage 1.000.000 € bei einer sehr guten Verzinsung, ohne ein großes Verlustrisiko einzugehen, Zinssatz 4%
25% Kapitalertragssteuer ( + Solidaritätszuschlag ) von den Zinsen gehen direkt als Quellensteuer an das Finanzamt, bleiben weniger als 3%
Inflationsausgleich 2% , damit bleibt die Kaufkraft des Kapitals erhalten, es bleibt noch ein Zins von 1%. Wer das Geld kurze Zeit oder länger mit niedrigerem Zins als ungefähr 3% anlegt, rutscht schnell in die "Verlustzone".
( der reale Zins vor Steuern ist grob gerechnet der erhaltene Zins minus der Inflationsrate )

Wenn sich die öffentlichen Hände, die Betriebe und die Privathaushalte nicht so verschulden würden, dann wäre der erzielbare Zinssatz wesentlich geringer.

Große Vermögen führen im Todesfall in der Regel zu einer beträchtlichen Erbschaftssteuer.

Geld ist ein flüchtiges Gut, man ist in der Regel nicht nur auf der Gewinnerseite, sondern muss gelegentlich auch Federn lassen.

... die Konzerne in kleinere (Teil-) Unternehmen aufsplitten würden, es wäre ein Gewinn für eine auf Vielfalt setzende Gesellschaft. Wir brauchen in der Natur die Artenvielfalt. Ebenso brauchen wir im Gesellschafts- und Wirtschaftsleben eine FREIE VIELFALT. Manche gesetzliche Grenze erweist sich diesbezüglich eben nicht als Beschränkung der Freiheit, sondern als Garant für Vielfalt. Denn es geht ja nicht um die Freiheit für Wenige, es geht um Freiheit möglichst für Alle.

Das ist meiner Ansicht nach die Forderung der sozialen Marktwirtschaft. Wichtig ist mir, dass alle Wettbewerber möglichst gleiche Voraussetzungen haben, das System fair ist und ein breiter Wettbewerb stattfindet.

- Diejenigen, die Vermögen horten, sollten daran denken, dass sie eines Tages sterben werden und nichts mitnehmen können. Das Weiterreichen in die nächste Generation funktioniert nur bedingt. Auch wenn sie Kinder haben, was oft nicht der Fall ist, gehen schon 50% des Vermögens an eine andere "DNA" über, da das Kind ja zu "50%" vom Partner ist.

Manager, die Preisabsprachen durchführen, sollten auch persönlich zur Verantwortung gezogen werden.  Preisabsprachen dürfen sich nicht lohnen. Je mehr unabhängige Wettbewerber es gibt, desto besser ist es für die Verbraucher.



Derartigen Auswüchsen ist jedoch auf ziemlich sanfte Wiese entgegen zu wirken. Ab einer bestimmten Unternehmensgröße muss ein wachsender Anteil des Kapitals dem Staat zum Vorkaufsrecht angeboten werden.

Wir haben beim lokalen Energieversorger eine ähnliche Situation, 1/3 der Beteiligung liegt bei der E.ON Bayern, 2/3 bei einem städtischen Betrieb.

Wenn man sich gegen so einen Betrieb wehrt, hat man die öffentliche Meinung gegen sich, da er ja der Stadt "gehört". Außerdem konnte mich die Stadt indirekt zum Zwangskunden des lokalen Energieversorgers machen, indem sie im Baugebiet bestimmte Heizarten vorschrieb.
« Letzte Änderung: 17.01.2012, 11:36 von Datko »
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Re: Die negative Seite ist eine höhere Inflation
« Antwort #3 am: 13.01.2012, 21:56 »
Es würde den Rahmen jedes Forums sprengen, eine Grundsatzdiskussion über Gesellschafts- und Wirtschaftssysteme zu führen. Ich möchte daher nur zwei Gedanken zur Diskussion stellen.

Nach meiner Überzeugung ist es bereits ein Fehler, unterschiedliche Systemansätze unter dem Gesichtspunkt "Entweder - Oder" zu betrachten. Richtiger wäre der Versuch, die jeweiligen Vorteile miteinander zu verbinden und ein AUSGEWOGENES Gesamtsystem anzustreben. Ich verwende hierbei bewußt den Begriff "anstreben", da eine Gesellschaft lebender Individuen niemals an einem Endpunkt jeglicher Regelung ankommen kann. Es kann somit bestenfalls das Bestreben sein, unter aktuellen Gegebenheiten einen Kompromiß zu erzielen, der möglichst Vielen ein Leben in Freiheit und Würde ermöglicht. Das Leben ist eben nicht digital. Es kennt nicht nur JA oder NEIN. Es kennt nicht nur Licht oder Dunkelheit, es umfaßt auch alle dazwischen ligenden Grautöne. Das Leben ist ANALOG.

Wer wirklich neue Wege finden will, muss sich daher vom "Entweder - Oder" gedanklich verabschieden. Leider fördert unser politisches System das Trennende. Parteien müssen sich abgrenzen, um Wählerstimmen zu erringen. Stellen wir uns jedoch mal theoretisch vor, wie eine politische Arbeit aussehen könnte, wenn ein Parlament nur vom Sachverstand der Abgeordneten geleitet würde. Sicher wären die Voraussetzung für SACHGERECHTE Lösungsansätze dann besser, wenn gute Vorschläge auch dann aufgegriffen würden, wenn sie von einer anderen "Partei" kommen. Wo wäre die Wissenschaft, wenn Forschungsergebnisse oder Thesen nur deshalb abgelehnt würden, weil sie von einer konkurrierenden Universität kommen? Gute Wissenschaftler arbeiten miteinander und nicht gegeneinander. Könnte man ein solches Miteinander nicht auch für die Gestaltung des Gemeinwesens anstreben?

- Diejenigen, die Vermögen horten, sollten daran denken, dass sie eines Tages sterben werden und nichts mitnehmen können.

Richtiger Denkansatz, aber um Geld geht es ab einem bestimmten Vermögen nur noch perifer. Die Hauptantriebskraft der Menschen ist deren sozialer Status. Nur so ist zum Beispiel auch erklärbar, warum sich Menschen als Selbstmordattentäter ums Leben bringen. Die Anerkennung in einer bestimmten sozialen Gruppe (oder in einem von einer solchen initiirten Denksystem) wirkt so stark, dass sogar das eigene Leben hierfür geopfert wird.

Wer pleite ist, braucht Geld, um Nahrung zu kaufen und eine Wohnung bezahlen zu können. Ist dieser Grundbedarf jedoch abgedeckt, verschieben sich die Motivationen. Umfragen unter Arbeitnehmern belegen, dass Geld dann nicht mehr der primäre Antrieb ist. Sinn der Tätigkeit, Arbeitsbedingungen und Ansehen im sozialen Umfeld werden wichtiger.

Und wenn mehr als genug Geld vorhanden ist, wird dieses bestenfalls zum Mittel für andere Zwecke. Wer viel Geld verdient, beansprucht einen hohen sozialen Status. Er hat die Mittel, um Macht und Einfluss ausüben zu können. Und wenn der Abzocker an der Börse mal wieder eine Millionen "verdient" hat, so ist dies für ihn doch lediglich eine Zahl. Wichtig ist nicht, wie lange er sich mit diesem Geld ernähren kann oder welchen Wunsch er sich jetzt erfüllen könnte. Es ist das Erfolgserlebnis, etwas "geschafft" zu haben: "ICH hatte die richtige Nase.", "ICH habe es allen gezeigt.", "ICH bin der Beste."

Die Gier nach immer mehr Geld wird doch nicht von der absoluten Zahl auf dem Bankkonto befeuert. Es ist die Jagd und nicht die Beute, die das Adrenalin fließen läßt.

Wer somit die Auswüchse eines Raubtierkapitalismus bekämpfen will, muss beim sozialen Ansehen der Abzocker ansetzen. In den Köpfen der Bevölkerung muss eben unterschieden werden, ob jemand ein guter Geschäftsführer ist, der gute Produkte und Dienstleistungen generiert und für Mitarbeiter und Zulieferer Verdienstmöglichkeiten schafft, oder ein egoistischer Abzocker, dem das Unternehmen, die Produkte, Dienstleistungen und Menschen völlig egal sind. Dem Abzocker geht es anders als dem guten Geschäftsmann eben NUR um die eigenen Interessen. Und wenn mit einer Pleite mehr zu verdienen ist, als mit einer Sanierung, wird der Abzocker nur sein persönliches Erfolgserlebnis sehen.

Der Abzocker erkauft sich sozialen Status zu Lasten Dritter. Aber es liegt bei uns, bei jedem einzelnen Bürger, ob er auf derartige Blender hereinfällt. Nur an Eines wird der Abzocker mit Sicherheit NICHT denken, und das ist die Frage, wieviel Vermögen er wohl seinen Erben hinterläßt.
« Letzte Änderung: 13.01.2012, 22:06 von TWMueller »
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