Autor Thema: naturwissenschaftliches Weltbild - christliches Weltbild  (Gelesen 10854 mal)

Niemand

  • Neuling
  • *
  • Beiträge: 6
Was ist mit dem Begriff "naturwissenschaftliches Weltbild" gemeint?

Was trägt Ihre Meinung, dass das christliche Weltbild" weitgehend der Weltsicht von Hirtenvölkern" entstammt? Vor 2.000 Jahren, würden Sie die Bevölkerung von Rom als Zentrum des Römischen Reiches und diejenige der griechischen Stadtkulturen auch zu den "Hirtenvölker" zählen?



« Letzte Änderung: 27.04.2011, 08:50 von Datko »

Datko

  • Administrator
  • Sr. Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 2989
Was ist mit dem Begriff "naturwissenschaftliches Weltbild" gemeint?
Ein Weltbild ist die Gesamtheit aller Auffassungen über die Welt. Ein naturwissenschaftliches Weltbild geht davon aus, dass die naturwissenschaftlich abgesicherten Informationen richtige Aussagen über die Welt enthalten.

Wobei naturwissenschaftliche Aussagen unter dem Vorbehalt des Irrtums getroffen werden.

Für mich zählt nach naturwissenschaftlichen Kriterien abgesichertes Wissen über die Welt.



Was trägt Ihre Meinung, dass das christliche Weltbild" weitgehend der Weltsicht von Hirtenvölkern" entstammt? Vor 2.000 Jahren, würden Sie die Bevölkerung von Rom als Zentrum des Römischen Reiches und diejenige der griechischen Stadtkulturen auch zu den "Hirtenvölker" zählen?

Die christliche Weltbild beruht zu einem großen Teil auf der Erlebniswelt von Hirtenvölkern.

- Der fiktive Gott der Christen ist ein Hirtengott, es ist der Gott Abrahams.
Abraham, im Islam Ibrahim, ist in der Mystik der Religionen Judentum, Christentum und Islam Stammesführer eines Hirtenvolkes.

- Der Wanderprediger Jesus ist nach der christlichen Mystik in einem Hirtenstall auf die Welt gekommen.

- Das Christentum beinhaltet massiv die Erfahrungswelt von Hirtenvölkern, die Symbolik ist eindeutig, man denke auch an das Bild des Hirten Jesus und an die gläubigen Schafe ( siehe z.B. http://www.parambi.net/2010_04_23_archive.html) .

- Auch das folgende Detail spricht Bände:
Der christliche Teufel ist zum Teil ein Plagiat, er ist dem griechischen Hirtengott PAN entlehnt.
« Letzte Änderung: 02.09.2012, 05:25 von Datko »
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

TWMueller

  • Sr. Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 471
  • Freiheit heißt, entscheiden können.
    • SchornsteinFegerRechts-Reform
Ein sicher WESETLICHER Unterschied zwischen "naturwissenschaftlichem" und "christlich-religiösem" Weltbild dürfte bereits darin bestehen, dass es DAS einheitliche naturwissenschaftliche Weltbild weder gibt, noch geben kann.

Es gibt zwar einen weitgehend anerkannten "Stand der Erkenntnis" oder "Stand der Technik", herbei handelt es sich jedoch nicht um Glaubens-Dogmen, sondern in der Regel um jederzeit nachprüfbare Ergebnisse. Dieser beweisbare Teil der Erkenntnis wird ergänzt mit "Thesen", die zwar noch nicht bewiesen, jedoch auch nicht widerlegt wurden. Diese Thesen sind jedoch jederzeit falsfizierbar, sie können von jedem zu jeder Zeit widerlegt oder weiterentwickelt werden.

Bei "relgiösen" Weltbildern hingegen, wird ein Erkenntnisstand zum IMMER gültigen Dogma erhoben. Eine Religon kann sich nicht weiterentwickeln, da sie ansonsten quasi den Ast absägen würde, auf dem sie sitzt. So basieren alle "christlichen" Religionen auf der Behauptung, Jesus sei der "Sohn Gottes", der die Schuld der Menschheit auf sich genommen habe und wiederauferstanden in den Himmel aufgefahren sei. Diese Kernaussage ist nicht entwickelbar oder gar zu falsifizieren. Ansonsten würde der "christlichen" Religion die Basis entzogen.

Religiöse Lehren mögen in Details vielleicht interpretierbar sein, im Kern müssen sie jedoch starr bleiben. Je mehr sich die Menschen und die Gesellschaften auf der Welt weiterentwickeln, umso größer wird folglich die Kluft zwischen der eingefrorenen Erkenntnis einer Religion und dem wahren Leben. Ein klassisches Beispiel sind die fast verzweifelten Versuche religiöser Hardliner, die Schöpfungsgeschichte der Bibel entgegen allen wissenschaftlichen Erkenntissen als "Kreationismus" zu verkaufen und mit teils abentheuerlichen Beweisen belegen zu wollen.

Eines sollte man nie vergessen:
Die Wahrheit braucht keine Überprüfung zu fürchten.
Thomas W. Müller
Tel.: (06134) 564620
Mail: politik@twmueller.de
(Ich freue mich immer über persönliche Kontakte)

Niemand

  • Neuling
  • *
  • Beiträge: 6
@ Datko

Recht dünn, wie Sie Ihre eigentümliche Behauptung belegen, dass das christliche Menschenbild "weitgehend der Weltsicht von Hirtenvölkern" entstammt.
Das Christentum wurde vor über 1.700 Jahren im Römischen Reich zur Staatsreligion erklärt. Wir sind uns doch zumindestens darin einig, dass die christliche Heilslehre aus allerbescheidensten Anfängen heraus innerhalb eines Zeitraums von weniger als 400 Jahren das Machtzentrum des römischen Reiches völlig durchwirkt hat. Und die Römer waren wohl kein bescheidenes Hirtenvolk, sondern aus europäischem Blickwinkel seinerzeit der machtpolitische Mittelpunkt der Zivilisation.

Recht dünn auch Ihre Erläuterung zur vermeintlichen Überlegenheit der Utopie eines "naturwissenschaftlichen Weltbildes". Bekanntlich können die Naturwissenschaften nur zu bestimmten Klassen von beobachtbaren Erscheinungen Arbeitshypothesen liefern, welche nur solange Gültigkeit besitzen, wie die gesetzten Randbedingungen auch eingehalten sind. Die grundsätzliche Zweifelhaftigkeit jeder absoluten Aussage liegt darin, dass ein ernsthafter Naturwissenschafter "immer nur glauben und hoffen kann", alle kritischen Randbedingungen wirklich hinreichend erkannt zu haben.

Ich meine, dass das Feld der Naturwissenschaften viel zu begrenzt ist, als dass diese ein den Menschen befriedigendes Welt-, geschweige den Menschenbild liefern könnten. Bei den grundsätzlichen Existenzfragen des Menschen müssen alle Naturwissenschaften scheitern, sie können keinen erfüllenden Beitrag zu Fragen von Freiheit und Selbstbestimmung liefern.



Datko

  • Administrator
  • Sr. Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 2989
@ Datko
Ich meine, dass das Feld der Naturwissenschaften viel zu begrenzt ist, als dass diese ein den Menschen befriedigendes Welt-, geschweige den Menschenbild liefern könnten.

Die Naturwissenschaften erweitern ständig unseren Horizont. Wir haben immer mehr Detailwissen über die Welt. So wissen wir heute z.B. wie der Bauplan der Lebewesen von Generation zu Generation weiter gegeben wird oder welcher Gendefekt bei einer bestimmten Erbkrankheit vorliegt.

Religionen sind auf veraltete Mythen beschränkt. So hat der "wundertätige" Wanderprediger Jesus, falls es ihn geschichtlich gegeben hat, Wunderheilungen durchgeführt. Die Medizin in unserem Sinne gab es damals noch nicht, ein "Lahmer" konnte nicht einfach zum Orthopäden gehen und sich helfen lassen.

Man denke auch an die Schwierigkeiten, die Christen Wissenschaftlern wie Galilei und Darwin gemacht haben, die unser Welt- und Menschenbild erweitert haben.
( Nur ein Beispiel zum Beharren in uralten religiösen Vorstellungen von der Welt und dem Menschen : http://www.focus.de/wissen/wissenschaft/mensch/evolutionstheorie_aid_124024.html )

Bei den grundsätzlichen Existenzfragen des Menschen müssen alle Naturwissenschaften scheitern, sie können keinen erfüllenden Beitrag zu Fragen von Freiheit und Selbstbestimmung liefern.
Religionen sind meist Feinde der Freiheit und Selbstbestimmung, man denke nur an die Babytaufen, gegen das Selbstbestimmungsrecht des Menschen oder an das Wiederholen von Texten und Gebeten.

Religionen versuchen in der Regel den Menschen die Freiheit zu rauben. Die Wissenschaften fördern Freiheit und Selbstbestimmung.

Inwieweit man überhaupt "letzte Fragen" in einem philosophischen Sinne beantworten kann, sei dahingestellt, es ist auch nicht unbedingt erforderlich. Religionen geben keine Antwort auf Sinnfragen, sie bieten lediglich "Mysterien" an.
« Letzte Änderung: 02.05.2011, 14:28 von Datko »
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

TWMueller

  • Sr. Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 471
  • Freiheit heißt, entscheiden können.
    • SchornsteinFegerRechts-Reform
Ich meine, dass das Feld der Naturwissenschaften viel zu begrenzt ist, als dass diese ein den Menschen befriedigendes Welt-, geschweige den Menschenbild liefern könnten. Bei den grundsätzlichen Existenzfragen des Menschen müssen alle Naturwissenschaften scheitern, sie können keinen erfüllenden Beitrag zu Fragen von Freiheit und Selbstbestimmung liefern.

Die grundsätzliche Kritik an den Naturwissenschaften mag zwar berechtigt sein, sie erheben aber auch nicht den Anspruch "ein für alle Mal gültig" zu sein. Der Erkenntnisprozess geht weiter. Offene Frage werden geklärt oder man nähert sich diesen mit besser werdenden Arbeitshypothesen an. Somit dürften sich die Naturwissenschaften zumindest hinsichtlich des Welt- oder Naturbilds am besten eignen, um Erkenntnisse zu gewinnen.

Anders verhält es sich bei WERTE-Fragen. Es gibt eben kein wissenschaftlich zu definierendes "GUT" oder "BÖSE". Fachlich sind derartige Fragen daher auch der Fachrichtung "Philosophie" zuzuordnen. Vielleicht in bestimmten Fällen auch der "Psychologie" oder der "Soziologie".

Aber hat die KIRCHE ein Privileg, sich mit Werten befassen zu dürfen?
Psychologisch wird aus Wiederholungen eine Gewohnheit. Diese wird immer stärker geprägt. Es entsteht ein Glaubenssatz. Kern-Glaubenssätze bilden unsere Überzeugungen und Werte.
Die Gefahr besteht darin, dass dieser Prozess umgebungsabhängig ist. In einer Welt, in der Eltern und Umfeld ständig kleinen grünen Marsmännchen die Schuld an allem Leid der Welt geben würden, würde auch dieser "Glaube" in den Kindern geprägt werden und, da sich das Umfeld konkruent verhält, auch nicht grundsätzlich in Frage gestellt werden.

Das Problem der RELIGIONEN ist deren ALLEINSTELLUNGS-ANSPRUCH.

Nur VIELFÄLTIGE Meinungen und Denkanregungen können dem Menschen helfen, sich ein (möglichst) EIGENES Bild zu machen und EIGENE Werte zu entwickeln.

Der Unterschied zu religiösen Werten ist hierbei, dass in FREIEN Gesellschaften die Werte und Überzeugungen VON INNEN kommen und nicht von Vordenkern von aussen vorgegeben werden.

Die Frage ist somit nicht, WAS jemand glaubt, sondern eher, WOHER dieser Glaube kommt. Leider versuchen die meisten Religionen, die Menschen zu bevormunden und ihnen den "waheren" und "rechten" Glauben vorgeben zu müssen. Denk-Vorgaben und gar Denk-Verbote passen jedoch nicht in eine FREIE GESELLSCHAFT.

Und genau da liegt der Unterschied zwischen Religionen und Wissenschaften. In der Wissenschaft darf ALLES angezweifelt, hinterfragt und überprüft werden.

Wahrheit braucht Überprüfung nicht zu fürchten !!!
Thomas W. Müller
Tel.: (06134) 564620
Mail: politik@twmueller.de
(Ich freue mich immer über persönliche Kontakte)

Niemand

  • Neuling
  • *
  • Beiträge: 6
@TWMueller

Es ist schade, dass Sie Religion ausschließlich verbinden mit Begriffen wie "Alleinstellungs-Anspruch", "Denk-Vorgaben", "Denk-Verbote" und Bevormundung.
Dabei übersehen Sie etwas: Glauben setzt Freiheit und Selbstbestimmung voraus, es kann kein Mensch dazu gezwungen werden. Wer einen Glauben annimmt, bindet seine Existenz, es ist ein bewusster Willensentschluss, ohne darüber letzte Gewissheit zu haben.

Ist die Entscheidung zum Glauben vernünftig? Die Suche nach einer Antwort hierauf steht nicht isoliert, sondern in Verbindung mit der Frage: Was ist der Mensch?

Ein Menschenbild, welches ausschließlich auf Erkenntnissen der Naturwissenschaften aufbaut, empfinde ich als erschreckend. Selbst die Feststellung "Die Würde des Menschen ist unantastbar" dürfte angezweifelt und hinterfragt werden.


Datko

  • Administrator
  • Sr. Mitglied
  • *****
  • Beiträge: 2989
@TWMueller

Es ist schade, dass Sie Religion ausschließlich verbinden mit Begriffen wie "Alleinstellungs-Anspruch", "Denk-Vorgaben", "Denk-Verbote" und Bevormundung.
Dabei übersehen Sie etwas: Glauben setzt Freiheit und Selbstbestimmung voraus, es kann kein Mensch dazu gezwungen werden. Wer einen Glauben annimmt, bindet seine Existenz, es ist ein bewusster Willensentschluss, ohne darüber letzte Gewissheit zu haben.
Siehe wiki : http://de.wikipedia.org/wiki/Religion
"... Religion (lat: religio, zurückgeführt auf religere, ‚immer wieder lesen‘, oder religare, ‚zurückbinden‘)"
Religionen sind in der Regel nicht harmlos, sie versuchen dem Menschen Freiheit zu nehmen. Sie machen tatsächlich "Denk-Vorgaben". Durch ständige Widerholung wird der kritische Geist ausgeschaltet, es findet eine Gehirnwäsche statt.

Das großen christlichen Kirchen haben mit der Säuglingstaufe ein perfides System gegen das Selbstbestimmungsrecht des Menschen geschaffen.

Ist die Entscheidung zum Glauben vernünftig? Die Suche nach einer Antwort hierauf steht nicht isoliert, sondern in Verbindung mit der Frage: Was ist der Mensch?
Erwachsene sollen sich frei entscheiden können und ihre getroffene Entscheidung auch wieder revidieren dürfen. Den Religionen geht es nicht um die Frage "Was ist der Mensch?", sondern wie unterwerfe ich die Menschen.

Ein Menschenbild, welches ausschließlich auf Erkenntnissen der Naturwissenschaften aufbaut, empfinde ich als erschreckend. Selbst die Feststellung "Die Würde des Menschen ist unantastbar" dürfte angezweifelt und hinterfragt werden.
Religionen kennen in der Regel die Würde des Menschen nicht, sondern streben die Unterwerfung des Menschen an. Der Humanismus stellt den Menschen in den Mittelpunkt.
« Letzte Änderung: 03.05.2011, 13:09 von Datko »
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
Forum für eine faire, soziale Marktwirtschaft
http://www.monopole.de

Niemand

  • Neuling
  • *
  • Beiträge: 6
@ Datko

wieder recht dünn

Sie vertreten Ihre höchstpersönliche Meinung. Viel Wissen über die christliche Religion scheinen Sie sich nicht angeeignet zu haben.

Administrator: Ich freue mich über sachliche Beiträge, Beiträge ohne Substanz werden gelöscht!
« Letzte Änderung: 03.05.2011, 15:22 von Datko »

TWMueller

  • Sr. Mitglied
  • ****
  • Beiträge: 471
  • Freiheit heißt, entscheiden können.
    • SchornsteinFegerRechts-Reform
@TWMueller
Es ist schade, dass Sie Religion ausschließlich verbinden mit Begriffen wie "Alleinstellungs-Anspruch", "Denk-Vorgaben", "Denk-Verbote" und Bevormundung.

Vielleicht habe ich mich etwas missverständlich ausgedrückt. ICH verbinde mit "Religion" den ORGANISIERTEN GLAUBEN in einer KIRCHE.

In dem Moment, wenn Meinungen und Glauben organisiert und zu einer GEMEINSAMEN Haltung gebracht werden, muss die individuelle Freiheit immer zurücktreten. Jede Religion in Form einer organisierten Kirche hat ihre GLAUBENS-LEHRE entwickelt. Im Detail mag manches hierbei diskutabel sein, das Wesentliche darf jedoch nicht verändert werden, da ansonsten die "Kirche" ihre Grundlage verlieren würde.

Ist die Entscheidung zum Glauben vernünftig? Die Suche nach einer Antwort hierauf steht nicht isoliert, sondern in Verbindung mit der Frage: Was ist der Mensch?

ICH habe so meine Probleme mit ORGANISIERTEN MEINUNGEN. Dies bedeutet jedoch nicht, dass ich das Recht auf und sogar den Sinn von "Glauben" in Frage stellen will. Im Gegenteil, es sind gerade die Fragen nach dem Sinn oder die Abwägung von Werten, die am interessantesten und fruchtbarsten sind.

Es gibt Dinge zwischen Himmel und Erde, von denen wir noch nicht einmal eine Ahnung haben. Nicht beleg- oder beweisbare Antworten auf offene Frage kann man sowohl als "These" im wissenschaftlichen Sprachgebrauch, aber wohl ebenso als "Glaube" bezeichen. In diesem Sinn hat JEDER einen Glauben. Allein, er muss nicht unbedingt mit dem Standard-Glauben einer organisierten Kirche übereinstimmen.

Selbst die Feststellung "Die Würde des Menschen ist unantastbar" dürfte angezweifelt und hinterfragt werden.

Aber selbstverständlich! Nur wenn derartige BASIS-WERTE einer jederzeitigen Überprüfung standhalten, können sie als belastbare Grundlage eines Rechtssystems herangezogen werden. Ansonsten bliebe die Aussage eine willkürliche Formulierung derjenigen, die den Text des Grundgesetzes entwickelt haben.

Erst wenn man sich selbst fragt, was man denn unter "Würde" genau versteht, beginnt der Satz Substanz zu gewinnen. Man darf sogar ganz egoistisch fragen: "Wann hätte ICH das Gefühl, dass MEINE Würde verletzt wird?" oder "Was darf man mit Menschen NICHT tun, wenn man diese ebenso als Mensch anerkennt, wie ICH von anderen betrachtet werden will?"

Wenn man sich mit diesen Fragen etwas ernsthafter beschäftigt, gelangt man schnell zu der Erkenntnis, dass es schwierig ist, eine exakte Liste mit Ge- und Verboten für alle Lebenbenssituationen zu formulieren. Man hat zwar zahlreiche Beispiele im Kopf, aber es fehlt der verbindende Oberbegriff. Nun, die Väter des Grundgesetzes haben es "Würde" genannt. Dieser juristisch "unbestimmte Rechtsbegriff" drückt zwar einerseits hinreichend aus, WAS geschützt werden soll, läßt zugleich aber Raum, die Vielfalt des Lebens zeitgemäß daran zu messen.

Vielleicht schaffen es die Deutschen im Sinne des Artikel 146 GG ja irgendwann doch noch, sich selbstbestimmt eine ECHTE VERFASSUNG zu geben. Vielleicht ist in dieser der zitierte Satz so gar nicht mehr enthalten. Aber der WERT, der hierdurch ausgedrückt werden soll, wird in einer FREIHEITLICHEN DEMOKRATIE gleichermaßen festgeschrieben sein. Die Worte mögen wechseln, die im BREITEN KONSENS gefundenen WERTE werden erhalten, vielleicht sogar präzisiert und erweitert Bestand haben.

In diesem Sinne darf ALLES in Frage gestellt werden. Was RICHTIG und GERECHT ist, wird immer RICHTIG und GERECHT bleiben. Wahrheit braucht eben Überprüfung nicht zu fürchten.

P.S.
Als kleine Anregung zum Nachdenken. Ich behaupte:
"Den Wert eines WERTES erkennt man erst, wenn man ihn in Frage stellt."
« Letzte Änderung: 04.05.2011, 00:10 von TWMueller »
Thomas W. Müller
Tel.: (06134) 564620
Mail: politik@twmueller.de
(Ich freue mich immer über persönliche Kontakte)