Autor Thema: Babys nicht taufen lassen!  (Gelesen 4136 mal)

Datko

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Babys nicht taufen lassen!
« am: 31.08.2011, 09:06 »
Mein Forums-Eintrag unter: http://forum.familie.de/foren/geburt/vorbereitung-auf-die-geburt/saeugling-nicht-taufen-lassen?postid=6361#6361%3E

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Babys nicht taufen lassen!

Manche Eltern lassen ihr Baby noch aus traditionellen Gründen taufen.

Ich empfehle zu warten, bis sich ein Mensch selbst entscheidet, wie er sein Leben gestalten will. Es eilt nichts, die Selbstbestimmung ist in unserer humanistischen Gesellschaft ein wichtiges Gut.

In Deutschland wird die uneingeschränkte Religionsmündigkeit mit der Vollendung des 14. Lebensjahres erworben. Im Ethikunterricht erfahren die Kinder bis dahin vieles über einzelne Religionen und wissen oft schon was ein humanistisches Menschenbild und ein naturwissenschaftliches Weltbild ist.

Bei uns in Regensburg haben 2010 über 1000 Menschen die großen christlichen Kirchen verlassen, viele sind durch die Säuglingstaufe christlich gemacht worden.

Früher haben Priester Eltern sogar mit einer r.-k. Vorhölle gedroht, falls ihr Kind ungetauft sterben sollte, um die Eltern zu erpressen. Der jetzige r.-k. Papst hat es anders festgelegt.
Siehe: http://www.tagesspiegel.de/weltspiegel/papst-schafft-vorhoelle-ab-/837706.html

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Zitat von: 4308;Marge45
Die Kids werden ohnehin ab einem bestimmten Alter selber entscheiden, wie sie mit Glauben und Religion umgehen wollen - getauft oder ungetauft.
Die Priester arbeiten meiner Ansicht nach mit verschiedenen Tricks.

Zuerst wird der Säugling gegen sein Selbstbestimmungsrecht getauft, da ist er schon einmal im Netz.

Dann wird der Mensch von klein auf indoktriniert, er ist gar nicht in der Lage die christlichen Inhalte zu überprüfen und vertraut, egal welcher Unsinn ihm eingetrichtert wird, wie z.B. vom christlichen Teufel.

Viele Menschen merken gar nicht, wie man ihnen eine Art Schallplatte durch ständige Wiederholung ins Gehirn einprägt. In dem Alter, in dem man dann selbst entscheiden könnte, ist man schon manipuliert. Die Falle hat zugeschnappt.

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Zitat von: 4287;Kerstin 40+
Wenn ich mein Kind taufen lasse, heißt es doch nicht ich unterziehe mich einer Gehirnwäsche!

Religiöse Menschen wiederholen immer wieder die selben Riten und Texte, sie schreiben die Inhalte regelrecht in das Gehirn ein, man denke nur an das Rosenkranz-Beten in der r.-k. Kirche, immer wieder die selben Texte, das prägt sich ins Gehirn ein und ist typisch für Religionen, es ist Gehirnwäsche. Beten als Wiederholung von Texten ist z.B. auch Gehirnwäsche. Dazu kommt noch etwas "Erhabenes", meist ein Gott, egal ob Odin, Zeus oder ein heiliger Geist.

Erfolgreiche Religionen manipulieren einen Großteil der Gesellschaft.

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Zitat von: 4287;Kerstin 40+
Besser hätte ich es auch gefunden, wenn du hier nicht in der Überschrift zum nicht Taufen lassen aufgerufen, sondern es zur Debatte gestellt hättest "Säuglinge taufen lassen oder nicht"

Für mich stellt sich die Frage nicht, da mir die Religionsfreiheit und das Selbstbestimmungsrecht des Menschen wichtig ist.

Ein Baby versäumt nichts, wenn es nicht getauft wird, man kann warten bis der Mensch sich selbst entscheidet, es eilt nichts.

Datko - Monopole.de
« Letzte Änderung: 02.09.2011, 11:21 von Datko »
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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Rattenmonster

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Re: Babys nicht taufen lassen!
« Antwort #1 am: 02.09.2011, 11:22 »
Hallo Joachim,

es sollte den Eltern überlassen bleiben von wem sie das Gehirn ihrer Kinder Waschen lassen, um Deine Ausdrucksweise zu verwenden. Das was Du beschreibst nennt man auch woanders Lernen, oder wie bekommt man sonst z.B. eine Fremdsprache in den Kopf? Und die Lehren der katholischen Kirche sind gut und sozialisieren die kleinen Wesen sehr gut. Die Kinder lernen nichts schlechtes von den 10 Geboten oder aus dem Neuen Testament. Immerhin baut die gesamte Gesellschftsordnung im Okzident auf diesen Lehren auf und auch die Gründerväter der Bundesrepublik haben die von der Christlichen Glaubenslehre vermittelten Werte als Basis für die Soziale Marktwirtschaft genommen.

Wenn die Eltern nicht die Sozialisierung ihrer Kinder übernehmen, wer soll das sonst machen? Die Schule? Die Gesellschaft? Dass sie daran scheitern sieht man immer wieder. Die Religion ist zwar kein Garant, jedoch ein Mittel die Kinder gut zu sozialisieren. Natürlich gelingt es auch ohne Religion, die Religion gibt aber ein solides und ganzheitliches Regelwerk vor. Wozu das Rad neu erfinden?

Menschen, die im Glauben aufgewachsen stehen in schweren Lebenssituationen nicht alleine dar. Die Religion gibt einem Hilfe, Halt und Möglichkeiten zur Krisenbewältigung, die sich nicht gläubige mühsam komplett erarbeiten müssen, erst wenn sie in die Situation kommen, woran die meisten scheitern.

Aus Deinen Aussagen schließe ich, dass Du aus Deinem Atheismus eine eigene Religion entwickelt hast. Die von Dir angeführten "Argumente" betest Du immer wieder runter, bis es Dir richtig erscheint. Dabei setzt Du Dich nicht mit der Religion auseinander sondern hast Dir ein paar Dinge raus gepickt, die dermaßen absurd sind und für die Religion am Rande stehen, dass es für einen rational und analytisch denkenden Menschen als Argument völlig irrelevant und unhaltbar ist.

Wenn Religion für Dich nichts ist, dann ist das doch OK für Dich, aber lass bitte andere für sich entscheiden. Ich fürchte mich vor einem Volk aus Atheisten - nicht vor den gebildeten und nachdenklichen, sondern vor der 'gehirnlosen' Masse, die dann auch noch ohne moralische Werte und Normen im wahrsten Sinne Asozial die Gesellschaft zersetzt. Schon heute sieht man, dass der Mangel an Werten zu einer Verrohung der Sitten und zunehmender Gewalt in der Gesellschaft führt.

Aus Deiner Sicht versäumt vielleicht ein nicht getauftes Kind nichts, aber aus der Sicht des Kindes versäumt es die Kommunion/Konfirmation/Firmung, die Gleichaltrige haben. Das schliesst aus und ist für das Kind oft eine Katastrophe.

Datko

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Re: Babys nicht taufen lassen!
« Antwort #2 am: 02.09.2011, 14:15 »
Schönen Dank für die ausführliche Stellungnahme, ich werde nach und nach, sobald es meine Zeit zulässt, auf einzelne Punkte eingehen.

Hallo Joachim,

es sollte den Eltern überlassen bleiben von wem sie das Gehirn ihrer Kinder Waschen lassen, um Deine Ausdrucksweise zu verwenden. Das was Du beschreibst nennt man auch woanders Lernen, oder wie bekommt man sonst z.B. eine Fremdsprache in den Kopf? Und die Lehren der katholischen Kirche sind gut und sozialisieren die kleinen Wesen sehr gut. Die Kinder lernen nichts schlechtes von den 10 Geboten oder aus dem Neuen Testament.

Dann sehen wir uns einmal die uralten, meiner Ansicht nach abgestandenen "10 Gebote" an.

Als Grundlage können wir http://de.wikipedia.org/wiki/Zehn_Gebote, wie sie von großen christlichen Kirchen verwendet werden, nehmen. Es gibt da ja viele verschiede Interpretationsmöglichkeiten, ein Original der 10 Gebote gibt es nicht, die zehn Gebote sind nicht authentisch.

- Selbstvorstellung JHWHs
- Fremdgötterverbot
- Bilderverbot
- Namensmissbrauchsverbot

Die ersten Gebote sind keine allgemeinen Gesetze, sondern eine Selbstbeschäftigung des christlichen Gottes mit sich und seinem Egoismus.

- Sabbatgebot

Als eines von zehn Geboten, mit einer solchen Lapalie kann man keinen Staat machen.

Den Rest spare ich mir an dieser Stelle, in den 10 christlichen Geboten ist meiner Ansicht nach keinerlei geistige Substanz.

Wir haben im Staat eine ausführliche Gesetzgebung, die 10 christlichen Gebote mögen für aggressive Hirtenvölker ein Anhaltspunkt gewesen sein, für einen modernen Staat kommen sie meiner Ansicht nach nicht in Frage.

Immerhin baut die gesamte Gesellschftsordnung im Okzident auf diesen Lehren auf und auch die Gründerväter der Bundesrepublik haben die von der Christlichen Glaubenslehre vermittelten Werte als Basis für die Soziale Marktwirtschaft genommen.

Unsere moderne Gesellschaft baut auf Humanismus und Naturwissenschaften auf, das Christentum ist eine Mischung aus dem Weltbild aggressiver Hirtenvölker und dem Glauben an einen wundertätigen Wanderprediger.

Wenn z.B. eine ev. Bischöfin, wie die Frau Käßmann,  betrunken in einem teuren Luxusdienstwagen von der Polizei aufgehalten wird, dann hat ihr Gott nichts zum Auto beigetragen, weder hat er es bezahlt, noch konstruiert. Die soziale Marktwirtschaft hat nichts mit dem Christentum zu tun, im Gegenteil, die Priester kassieren kräftig ab, wie z.B. der r.-k. Bischof Mixa, der als Priester Weinrechnungen über Tausende auf Kosten eines Waisenhauses unterschrieben hat.

Wenn die Eltern nicht die Sozialisierung ihrer Kinder übernehmen, wer soll das sonst machen? Die Schule? Die Gesellschaft? Dass sie daran scheitern sieht man immer wieder. Die Religion ist zwar kein Garant, jedoch ein Mittel die Kinder gut zu sozialisieren. Natürlich gelingt es auch ohne Religion, die Religion gibt aber ein solides und ganzheitliches Regelwerk vor. Wozu das Rad neu erfinden?

Aus allgemeiner Sicht übernimmt die Schule die Sozialisierung, aus individueller Sicht die Eltern.

Religionen versuchen ihr Weltbild als eine Art Schallplatte den Kindern zu indoktrinieren. Für Religionen sind Kinder in der Regel Objekte, die man zu Gläubigen macht, damit sie später auf die Priester arbeiten. Ich erinnere mich noch an eine üble Religionsstunde, in der der Religionslehrer, ein Priester, unbedingt von den Kinder wissen wollte, welche christlichen Heiligen die r.-k. Kirche so hat.

Menschen, die im Glauben aufgewachsen stehen in schweren Lebenssituationen nicht alleine dar. Die Religion gibt einem Hilfe, Halt und Möglichkeiten zur Krisenbewältigung, die sich nicht gläubige mühsam komplett erarbeiten müssen, erst wenn sie in die Situation kommen, woran die meisten scheitern.

Für viele Menschen ist es gefährlich, wenn sie sich auf einen nicht existenten Gott und auf dessen Priester verlassen.
Die Gefahr ist groß, dass man zu wenig eigene Aktivitäten entwickelt.

Und was wollen Priester, insbesondere römisch-katholische, mit ihrer oft eingeschränkten Lebenserfahrung an Lebenshilfe leisten. Die Gesellschaft betreibt einen gut ausgestatteten Sozialbereich.

Die Kirchen sind an ein uraltes Weltbild von Hirtenvölkern und an einen Wunderglauben gebunden, das ist heute für die Menschen weitgehend unnütz.

Wenn selbst nur noch 12,6% der Katholiken und ungefähr 5% der evangelischen Christen die Kirche besuchen, dann erwarten da die Menschen nicht viel an Lebenshilfe.


Wenn Religion für Dich nichts ist, dann ist das doch OK für Dich, aber lass bitte andere für sich entscheiden. Ich fürchte mich vor einem Volk aus Atheisten - nicht vor den gebildeten und nachdenklichen, sondern vor der 'gehirnlosen' Masse, die dann auch noch ohne moralische Werte und Normen im wahrsten Sinne Asozial die Gesellschaft zersetzt. Schon heute sieht man, dass der Mangel an Werten zu einer Verrohung der Sitten und zunehmender Gewalt in der Gesellschaft führt.

Vor Atheisten braucht man sich nicht zu fürchten, sie treten nicht geschlossen auf, wie religiöse Menschen. 1631 hatten katholische Truppen über 20.000 Magdeburger massakriert, der damalige r.-k. Papst freute sich über das Massaker. Gerade im religiösen Umfeld ist der Mensch oft bereit, um höherer Ziele wegen, sich für üble Ziele aktivieren zu lassen.

Religionen sind meiner Meinung nach keine moralischen Institutionen, oft ist "Moral" ein Geschäftszweig von Religionen.

Aus Deiner Sicht versäumt vielleicht ein nicht getauftes Kind nichts, aber aus der Sicht des Kindes versäumt es die Kommunion/Konfirmation/Firmung, die Gleichaltrige haben. Das schliesst aus und ist für das Kind oft eine Katastrophe.

Was soll es denn für eine Katastrophe sein, wenn man nicht in der Herde mitläuft und den Priestern triviale Texte nachbetet. Sollte es nicht eher für einen jungen Menschenpeinlich sein, Priester etwas nachzubeten? Heute gehen immer mehr Menschen, die als Säugling getaufte wurden, ihre eigenen Wege. Es gehen nur ungefähr 12,6% der Katholiken und 5% der Evangelischen am Sonntag in die Kirche, eine kleine Herde. Noch vor ein paar Jahrzehnten war der soziale Druck durch die Kirchen so groß, dass viele Menschen sich den Priestern unterwarfen.

Z.B. Der Rückgang der Kirchgänger unter den Katholiken:
1960  46%
1980  28%
2000  17%
2010  12,6%
Selbst der Priesternachwuchs für den Gemeindedienst bricht in Deutschland zusammen und kann mittlerweile auf der hunderter Tafel abgezählt werden.
2009 99
2010 80

Auffällig ist auch, dass es nur noch wenige r.-k. Trauungen gibt:
Katholische Trauungen, wenn mindestens ein Ehepartner katholisch ist in % ( Quelle: http://www.dbk-shop.de/media/files/DBK_5249.pdf Seite 15 )

1980 57%
1990 48%
2000 34%
2010 30%

Der Zwang, überkommene christliche Traditionen mitzumachen, geht immer weiter zurück.
« Letzte Änderung: 03.09.2011, 11:14 von Datko »
Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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Ungläubiger

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Rattenmonster
« Antwort #3 am: 03.09.2011, 14:00 »
Und gott schuf den Menschen nach seinem Bilde: ein RATTENMONSTER !

Welcher christliche heilige Geist sandte diesen Namen? Rattenmonster !? Ach du lieber Gott!

TWMueller

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Re: Babys nicht taufen lassen!
« Antwort #4 am: 03.09.2011, 15:25 »
Und die Lehren der katholischen Kirche sind gut und sozialisieren die kleinen Wesen sehr gut. Die Kinder lernen nichts schlechtes von den 10 Geboten oder aus dem Neuen Testament.

Wenn man die vorgenannte Behauptung mal etwas genauer untersucht, ergibt sich zunächst die Frage, was denn überhaupt die spezifische Lehre der KATHOLISCHEN Kirche ist. Oder meint [Rattenmonster] eher generell das sogenannte "Christliche Weltbild"? Wo sollen die Vorzüge einer KATHOLISCHEN Lehre gegenüber einer PROTESTANTISCHEN, FREIKIRCHLICHEN, aber auch JÜDISCHEN oder ISLAMISCHEN "Sozialisierung" liegen? Reicht es, "nicht schlecht" zu sein?

Der Begriff "Sozialisierung" sagt zudem nicht mehr und nicht weniger aus, als dass sich ein Individuuum im Rahmen einer Gruppe oder Gesellschaft an die Denk- und Verhaltensweisen der Anderen anpasst. Wichtig ist hierbei nicht das Etikett einer Religion, dass sich Eltern, Nachbarschaft, Schule oder das direkte Lebensumfeld anheften. Wichtig ist das GELEBTE VORBILD. Erstaunlicherweise können selbst kleine Kinder schon sehr früh unterscheiden, ob etwas nur gesagt wird oder tatsächlich geglaubt und gelebt. Viele Eltern halten ihren Kindern zwar "fromme" Reden, verhalten sich selbst aber völlig anders. Selbst die "grosse Politik" verwendet in ihren Reden zwar gern die "christlich abendländischen Werte", lebt uns aber im Wahlkampf oder im Geschäftsleben etwas ganz anderes vor.

Wichtig sind daher nicht die Sprüche, die von Eltern oder der Schule kommen. Wichtig ist die Einsicht in die Bedeutung und den gesellschaftlichen NUTZEN propagierter "Werte". Ein Kind, dass die intellektuelle Leistung vollbringt, von der eigenen Angst, etwas weggenommen zu bekommen, auf die Gefühle Anderer zu schliessen, die ebenfalls nichts entwendet bekommen wollen, wird für sich und Andere einen Wert für "Eigentum" entwickeln. Und genau an dieser Stelle zeigt sich der entscheidende Unterschied. Während das eine, sozialisierte Kind nicht stiehlt, weil es göttliche Gebote befolgen soll oder Angst vor weltlicher Strafe hat, wird das Kind, das erkannt hat, warum in einer Gesellschaft individuelles Eigentum beachtet werden muss, aus Überzeugung und FREIEN Stücken auf einen Diebstahl verzichten.

Eigene Überzeugungen können jedoch nur dann entstehen, wenn zuvor genügend Freiraum vorhanden war, die unterschiedlichsten Sichtweisen gedanklich durchzuspielen. Ein Kind muss in Gedanken auch mal Pirat oder Robin Hood gewesen sein, um Werte wie "Eigentum" begreifen und in sein gesamtes Wertesystem einordnen zu können. "Warum ist es Diebstahl, wenn ich dem Nachbarjungen, der zwei Fahrräder besitzt, eines wegnehme? Warum ist es aber kein Diebstahl, wenn der Staat vom Lohn meines Vaters einen Teil wegnimmt?"

Eine GUTE Erziehung gibt daher zunächst GELEBTE VORBILDER und regt dann zum DENKEN an. Es ist, um die Worte von [Rattenmonster] zu verwenden, "nicht schlecht", wenn ein Kind Ergebnisse auswendig wiederholen kann, besser und nachhaltiger wäre es jedoch, wenn es durch gefördertes Nachdenken EIGENE WERTE entwickelt. Aber dieser Prozess ist Dynamit! All die Schein-Lehren, die zu unredlichen Zwecken aufgestellt wurden und lediglich unter falscher Flagge verkauft werden sollen, werden bei derartigen Denkprozessen gnadenlos enttarnt. Und genau davor hat jede geschlossene Organistation die grösste Angst. "Denke nicht - Glaube !" Die katholische Kirche will doch keine "Gläubigen", die selbst die Bibel lesen und ihre eigenen Erkenntnisse aus diesen historischen Dokumenten ziehen. Man will doch keine "Ketzer", die womöglich zu anderen, vielleicht sogar besseren Interpretationen, Auslegungen oder gar Verhaltensempfehlunegn kommen, als die Vordenker aus der Führungsriege.

Insofern mögen die "10 Gebote" ein interessanter Ansatzpunkt für Gedankenspiele sein, aber sie dürfen NIEMALS ungeprüft als Dogma übernommen werden. Sie KÖNNEN (teilweise) richtig sein, aber sie MÜSSEN nicht.

Und man darf nicht vergessen, dass Manches in der Bibel steht, WEIL es RICHTIG ist. Aber es wird eben nicht dadurch RICHTIG, weil es in der Bibel steht. Wenn in der Bibel steht "Und morgends geht die Sonne auf.", so ist das RICHTIG. Aber die Sonne geht eben nicht deswegen auf, weil es in der Bibel steht. Diese Erkenntnis gilt übringens nicht nur für religiöse Schriften, sie ist ebenso auf jeden weltlichen Text anwendbar. Man sollte öfter mal daran denken und nicht URSACHE und WIRKUNG vertauschen.

Nichts ist RICHTIG, WEIL die Eltern es sagen. Im besten Fall sagen es die Eltern, WEIL ES RICHTIG IST. Um den Unterschied im Laufe der Zeit erkennen zu können, muss ein Kind jedoch die Möglichkeit haben, die Aussagen der Eltern auf deren Wahrheitsgehalt hin zu überprüfen. Wer nur "gelernt" hat, nachzuplappern, wird nicht sozialisiert, sondern konditioniert. Wenn das Glöckchen klingelt, beginnt der Hund, Speichel zu bilden, weil er konditioniert wurde, dass nach dem Klingeln immer ein Leckerlie folgt. Leider können manche Eltern Kinder- und Hunde-Erziehung nicht immer ganz auseinander halten. "In der Bibel steht ... (Klingeling), also musst Du ... (Leckerlie)." Und wenn Papa mal wieder poltert: "Solange Du in MEINEM Haus wohnst ...", so wird lediglich mit Leckerlie-Entzug GEDROHT. Mit "Erziehung" oder gar "Bildung" hat das auch im Ansatz nichts zu tun.

Das Problem ist nur, dass die Eltern nie die gesellschaftliche Erlaubnis erhielten, frei und selbstbestimmt zu denken. Nicht Jeder hat diese Fähigkeit im Laufe des Lebens dann aus eigener Kraft entwickelt. Wie soll sich jedoch jemand, der sich selbst nie im Denken geübt hat, seinen Kindern intellektuelle Fähigkeiten vermitteln? Und dabei wäre es doch so einfach: Statt Ergebnisse zu verkünden, einfach gemeinsam mit Hilfe von FRAGEN das Richtige finden. Vielleicht landet man bei einem ganz anderen Ergebnis, als man ausgangs erwartet hat. Aber genau dies nennt man "Entwicklung" oder "Evolution". Nur Mut! Erst SELBSER DENKEN, dann Anderen (den eigenen Kindern) helfen, AUCH MAL ANDERS ZU DENKEN.

Thomas W. Müller
Tel.: (06134) 564620
Mail: politik@twmueller.de
(Ich freue mich immer über persönliche Kontakte)