Autor Thema: Abrahamitische Religionen für Körperverletzung durch Beschneidung von Jungen  (Gelesen 6060 mal)

Datko

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Siehe: http://www.n-tv.de/politik/Muslime-Juden-Christen-einig-article6601556.html

Hier treffen Humanismus und Wissenschaften auf archaische religiöse Bräuche.
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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #1 am: 28.06.2012, 21:07 »
Zunächst GRATULATION an die Kölner Richter.
Endlich traut sich mal jemand, diese längst überkommenen Riten in Frage zu stellen.

Und mit RELIGIÖSEN Gründen läßt sich ein Unsinn wie die rituelle Beschneidung auch kaum am Leben erhalten. Sollte es einen Gott geben, der das Universum, die Erde und alle Planzen und Lebewesen geschaffen hat, warum sollte er zunächst eine Vorhaut konstruieren, die dann wieder abgeschnippelt werden soll? Also, entweder wäre der Mensch somit eine "Fehlkonstruktion" oder der ganze Firlefanz hat mit "göttlichem Willen" auch nicht im Ansatz zu tun.

Aber warum regen sich die "Hardliner" längst überlebter Religionen überhaupt auf? Auf der einen Seite wird die Beschneidung von MÄDCHEN (meist in Afrika) mittlerweile mehrheitlich abgelehnt, aber bei BUBEN soll plötzlich die religiöse Welt ins Wanken geraten, wen man auf derartigen Unsinn verzichten soll?

Wer als ERWACHSENER glaubt, durch eine Beschneidung ein besserer Mensch zu werden, viel Spaß. Schipp-Schnapp - Zipfel ab.
Aber dass ELTERN für ihre UNMÜNDIGEN Kinder eine nicht zu korrigierende Entscheidung treffen, kann zumindest in medizinisch nicht notwendigen Fällen NICHT akzepiert werden.

Wie würde wohl ein DEUTSCHES Gericht urteilen, wenn ein eben VOLLJÄHRIG gewordener Mann seine Eltern wegen KÖRPERVERLETZUNG durch die Beschneidung anzeigt?

Glaubens- und Religionsfreiheit ist ein hohes Rechtsgut einer FREIHEITLICHEN Gesellschaftsordnung. Sie findet jedoch zum Einen eine Grenze in den RECHTEN ANDERER (also auch der unmündigen Kinder) und zum Anderen in der VERFASSUNG und im ALLGEMEINEN STRAFRECHT.

Wo soll denn auch die Grenze sein?
Beschneidung, nur etwas Körperverletzung, also erlaubt.
Hand abhacken nach Diebstahl - steht doch so in der Scharia?
Steinigen nach Ehebruch?
Menschenopfer, um den erzürnten Gott milde zu stimmen?

Man kann diese Frage nur EINDEUTIG beantworten:
ALLES VERBOTEN - Keine Religion kann KÖRPERVERLETZUNGEN, TÖTUNGEN und sonstige Schädigungen Dritter rechtfertigen.
Hier muss der moderne Rechtsstaat klare Kante zeigen.

Es bleibt somit zu hoffen, dass das Urteil von Köln ein Anfang ist und nicht die Ausnahme bleibt.
« Letzte Änderung: 28.06.2012, 21:11 von TWMueller »
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Zeitungsberichten zufolge fordert der Präsident der Europäischen Rabbiner auch noch eine gesetzliche Verankerung der Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen. Das Gerichtsurteil sei lt. Konferenz Europäischer Rabbiner "der wohl schwerste Angriff nach dem Holocaust".

Ein Kommentar zu solchen sektiererischen Äußerungen und Forderungen wäre Zeitverschwendung, ich möchte aber kurz noch folgendes erwähnen:

Was ist, wenn sich der Knabe später als Erwachsener für eine andere Religion oder vielleicht für gar keine entscheidet? Dann muß er mit ansehen, daß er ein (anderes) religiöses Symbol dauernd mit sich tragen muß. Somit wird seine verfassungsmäßige Religionsfreiheit bereits im Kindesalter wortwörtlich beschnitten. Es geht hier also um mehr als nur um die körperliche Unversehrtheit.

Kurzum: Es ist ein Kreuz mit den künstlich geschaffenen Glaubensgewölken (Religionen) - in vielerlei Hinsicht.
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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #3 am: 13.07.2012, 22:22 »
Im Prinzip wird an diesem hochgespielten Beispiel doch nur die ZENTRALE FRAGE deutlich:
Wer hat Vorrang? Demokratischer Rechtsstaat oder Religion?

Natürlich argumentieren ALLE Religionen, der GÖTTLICHE Wille hätte immer Vorrang vor menschlichen Gesetzen. Einmal abgesehen davon, dass sich diejenigen, die sich hierbei auf eine "höhere" Macht berufen, noch nicht einmal einig sind, wer dieser "Gott" eigentlich sein soll, geschweige denn, welchen "Willen" er hat. Woran soll der logisch denkende Mensch eigentlich erkennen können, was tatsächlich "göttlicher Wille" und was nur Interesse der MENSCHLICHEN REPRÄSENTANTEN ist.

Und selbst wenn es ein allmächtiges, höheres Wesen geben sollte, wer glaubt denn ernsthaft, dass dieser "Gott" auch nur das geringste Interesse daran hat, ob in irgendeinem Sonnensystem auf irgendeinem Planten irgendein Lebewesen namens "Mensch" einen Zentimeter Vorhaut mehr oder weniger hat? Wenn "Gott" gewollt hätte, dass der Mensch Hörner oder Flügel haben solle, hätte er ihn so konstruiert.

Warum also regen sich die Religionen so auf? Weil sie erkennen, dass ihre Sonderstellung in der Gesellschaft mehr und mehr bröckelt. Die Menschen fangen eben langsam an, zu denken. Es ist nicht länger die ungebildete "Gemeinde" die von Vorbetern beliebig beeinflußbar ist. Der dumme Bürger kauft eben schon lange keine Ablaß-Briefchen mehr, um den Wohlstand der Kirchenoberen zu finanzieren. Und wenn man jetzt sogar Menschen- und Bürger-RECHTE über religiöse RITUALE stellt, wird erneut die Sonder-Rolle der Kirchen angekratzt. Aber Glaubensfreiheit des Einzelnen ist eben nicht gleichbedeutend mit Handlungsfreiheit religiöser Gemeinschaften.

Glaubensfreiheit würde es zwar jedem MÜNDIGEN Bürger erlauben, sich ein Kreuz, einen Halbmond oder ein sonstiges Symbol auf die Stirn tätowieren zu lassen, aber die ZWANGSWEISE Anbringung solcher Kennzeichen auch bei UNMÜNDIGEN Kindern wäre zweifelsfrei RECHTSWIDRIG.

Die Antwort auf die oben gestellte Frage kann somit nur sein:
Eine FREIHEITLICHE GESELLSCHAFT garantiert Glaubens- und Vereinigungsfreiheit nur im Rahmen der MENSCHEN- und BÜRGER-RECHTE.
Keine "heilige Schrift" kann VERFASSUNG und GESETZ außer Kraft setzen.
« Letzte Änderung: 13.07.2012, 22:25 von TWMueller »
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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #4 am: 14.07.2012, 22:23 »
Die Antwort auf die oben gestellte Frage kann somit nur sein:
Eine FREIHEITLICHE GESELLSCHAFT garantiert Glaubens- und Vereinigungsfreiheit nur im Rahmen der MENSCHEN- und BÜRGER-RECHTE.
Keine "heilige Schrift" kann VERFASSUNG und GESETZ außer Kraft setzen.

Ich möchte noch versuchen, hinsichtlich der "Zentralen Frage: Wer hat Vorrang? Demokratischer Rechtsstaat oder Religion?" einen Vergleich mit der (momentanen) Realität zu ziehen.
Noch während wir gestern hier unsere Beiträge schrieben, ging die Nachricht über die Sender: "Beschneidung soll straffrei sein - Regierung, SPD und Grüne wollen nach Kölner Urteil Rechtssicherheit schaffen".

Da brauchen religiöse Organisationen also nur den Begriff "Holocaust" grob mißbrauchen und behaupten: "..... jüdisches Leben würde in Deutschland wirklich auf Dauer unmöglich gemacht", und schon reagieren untertänigst unsere religiös ferngesteuerten "Volksvertreter": "Wir wissen, da ist eine zügige Lösung notwendig, da kann nichts auf die lange Bank geschoben werden". Das Grundgesetz (Religionsfreiheit des Einzelnen, körperliche Unversehrtheit) wird ignoriert.

Religiöse Organisationen sind meines Erachtens rein irdische Institutionen, auch wenn diese das Wort "Gott" noch so oft in den Mund nehmen, und das gilt entsprechend auch für deren "religiöse Rituale". Und wenn das "jüdische Leben in Deutschland" nur vom einem Zentimeter Vorhaut abhängt, dann tun diese mir sehr, sehr leid!
(Zum "Sinn" dieses Rituals haben Sie, Herr Müller, oben eigentlich schon alles gesagt. Darauf kann ich nur verweisen).

(Damit kein einseitiger Eindruck hinsichtlich meiner Einstellung entsteht: Eine hierzulande recht bekannte "Religion" hat ein Folter- und Mord-Instrument (das Kreuz) als Symbol. Religiös ferngesteuerte "Volksvertreter" sorgen nachdrücklich dafür, daß dieses Folter- und Mord-Instrument in den Klassenzimmern hängen muss .......
Mehr über Kirchen z.B. unter www.kirchen-einsparen.de )







 
« Letzte Änderung: 14.07.2012, 23:15 von Ritchie »
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Auch ich habe mit Erschrecken die Pressemeldungen über das vorwegeilende Gehorsam unserer Politik verfolgt. Insbesondere bei Frau Leutheuser-Schnarrenberger bin ich nicht nur verwundert, sondern regelrecht entsetzt. Von welcher Partei kommt diese Dame?

Also, das rituelle Abschnippeln von etwas Vorhaut bei unmündigen Kindern auf Fremdbestimmung Dritter aus religiösen Gründen soll vom Straftatbestand der Körperverletzug AUSGENOMMEN werden? Für wieviel Körpermasse soll diese Ausnahme denn gelten? Wieviel "Körperverletzung" im Namen der Religion soll nach Ansicht unserer Politiker denn tragbar sein? Und müsste dann, dem Grundsatz der GLEICHHEIT von Mann und Frau folgend, nicht auch die Beschneidung von Mädchen ausgenommen werden? Irgend eine Sekte wird sich doch sicher finden, die die Verstümmelung weiblicher Geschlechtsteile als unbedingte religiöse Grundlage ansieht. Oder gibt es dann auch diesbezüglich Ausnahmen von der Ausnahme? Gilt die Ausnahme dann nur für bestimmte Religonen? Werden also vorbei am Grundgesetz dann doch wieder Regeln für "gute" und "schlechte" Religionen eingeführt?

Der Sinn von GRUND-Rechten ist doch, dass sie GRUNDSÄTZLICH, IMMER und FÜR JEDEN GLEICHERMASSEN gelten.

Wann fordert dann die Bundesjustizministerin religiöse Beisitzer bei Strafprozessen, die islamische Angeklagte betreffen und bei denen ein Spannungsfeld zwischen zivilem Strafgesetzbuch und Scharia auftritt?

Wann endlich ist unsere ZIVILE Politik so weit, den teilweise gedanklich vor Jahrhunderten stehengebliebenen Religionen die Grenzen aufzuzeigen?

Und fremdbestimmte Körperverletzung sollte hierbei ebenso eine No-Go sein, wie eine psychische Gehirnwäsche, wie sie manche Sekte zur Indoktrination von Kindern und Jugendlichen einsetzen will. Glaubens- und Religionsfreiheit für Minderjährige würde auch den Schutz des Staates vor unangemessenen Beeinflussungen und erst recht vor körperlichen oder seelischen Beeinträchtigungen umfassen. Wer aber schützt die Kinder vor den Religionen oder fanatischen Eltern?
« Letzte Änderung: 15.07.2012, 20:35 von TWMueller »
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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #6 am: 15.07.2012, 21:46 »
Kurzes Nachrichten-Update:

> Gesundheitsminister Bahr will eine Lösung über das Patientenrecht prüfen, um die rechtliche Unsicherheit schnellstens zu beenden. Er sieht die Beschneidung als Ausdruck religiöser Selbstbestimmung, die er straffrei halten wolle.

> Wegen der momentanen rechtlichen Unsicherheit rät die Bundesärztekammer ihren Mitgliedern derzeit davon ab, rituelle Beschneidungen vorzunehmen.

> Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland sagte, bei Strafbarkeit der Beschneidung sei das jüdische Leben in Deutschland bedroht. "Dann müßten wir gehen", - das sei "kein rhetorischer Trick".


Aus der Urteilsbegründung des Landgerichts Köln:
In der Bewertung überwiege das Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit; die Religionsfreiheit und das Erziehungsrecht der Eltern würden nicht unzumutbar beeinträchtigt, wenn sie abwarten müßten, ob sich das Kind später selbst für eine Beschneidung entscheide.

Ich möchte hinzufügen, daß man die "religiöse Selbstbestimmung" (Bahr) umfassend sehen sollte. Also nicht nur die Freiheit von religiösen Organisationen und deren Vorbeter, sondern auch die Freiheit der religiösen Selbstbestimmung des Einzelnen sollte im Blickpunkt stehen.
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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #7 am: 16.07.2012, 05:21 »

Ich möchte hinzufügen, daß man die "religiöse Selbstbestimmung" (Bahr) umfassend sehen sollte. Also nicht nur die Freiheit von religiösen Organisationen und deren Vorbeter, sondern auch die Freiheit der religiösen Selbstbestimmung des Einzelnen sollte im Blickpunkt stehen.

Die großen Religionen sind üble Organisationen, die Kinder von klein auf für ihre egoistischen Zwecke vereinnahmen. Priester gehen keiner normalen Arbeit nach und leben, oft wie die Maden im Speck, von ihren Gläubigen und der jeweiligen Gesellschaft, man denke nur an die Bischöfe der großen Kirchen in Deutschland. Der r.-k. Bischof Mixa hat seinen teuren Bischofsring einer Waisenhauskasse angelastet, religiöse Eitelkeit auf Kosten von Waisenkindern, übel die römisch-katholische Kirche.


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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #8 am: 16.07.2012, 22:02 »
> Der Präsident des Zentralrates der Juden in Deutschland sagte, bei Strafbarkeit der Beschneidung sei das jüdische Leben in Deutschland bedroht. "Dann müßten wir gehen", - das sei "kein rhetorischer Trick".

Aber hoppla, ist mein Navi verstellt? Lebe ich in einem Dritte-Welt-Land mit Voddoo-Zauber? Oder schaue ich täglich in den falschen Kalender? Sind wir vielleicht noch im Mittelalter und ich träume nur einen Zukunftsroman?

Also, entweder werden hier rein rhetorische Nebelkerzen gezündet oder der Zentralrat der Juden sollte mal ernsthaft prüfen, wen sie da zum Präsidenten gemacht haben. Würde man die Aussage so nehmen, wie zitiert dargestellt, würde der ganze Sinn einer Religionsausübung an etwas Vorhaut hängen. Was würde sich für die jüdischen Gläubigen denn ändern, wenn statt unmündiger Kinder später selbstbestimmte Erwachsene einem Ritual unterzogen würden?

Nun, für einen etwas distanzierter denkenden Menschen ist es sowieso nicht leicht, derartige Überbetonungen von Ritualen nachvollziehen zu können. Wieso ist eigentlich niemand in der Führungsrige uralter Religionen in der Lage, aus tatsächlich Abschneiden ein symbolisches Ritual zu machen. Man könnte doch hoch offiziell ein blaues Bändchen um den Schniedel binden. Mit hübschem Schleifchen. Und mit großem Pomp unter Beifall der Gemeinde wird dann als Symbol der Befreiung der Knoten wieder gelöst. Der rituellen Symbolkraft könnte Genüge getan werden, einen praktischen Nutzen hat das Ganze in heutiger Zeit ja sowieso nicht mehr.

Wenn sich die religiösen Hardiner mal umsehen würden, sie könnten schnell feststellen, dass Vieles, das in Urzeiten mal eine Opferung oder eine andere Grausamkeit war, heute nur noch in stellvertretenden Ritualen weiterlebt.

Aber, wenn das gesamte Selbstverständnis einer Kirche an etwas Vorhaut hängt, dann müßte man vielleicht nicht traurig sein, wenn sich derart mittelalterlich denkende Zeitgenossen ein Freilichtmuseum suchen würden. Ich kann mir zwar nicht vorstellen, dass auch nur eine Familie aus Deutschland auswandern würde, nur weil die Beschneidung UNMÜNDIGER Kinder in einem RECHTSSTAAT verboten bleibt, aber ein FREIHEITLICHER STAAT erlaubt es auch Jedem, sich aus welchem Grund auch immer zu verabschieden. Ich würde mir jedoch wünschen, die "Flüchtlinge", die vor einer derartigen "Intolleranz" flüchten müssen, würden passend zu ihrer mittelalterlichen Denkweise auch per Ochsenkarren reisen. Automobile, gar Flugzeuge oder Handys müßten in solchen Denkstrukturen doch ebenfalls Teufelswerk sein?
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Re: Körperverletzung durch Beschneidung
« Antwort #9 am: 18.07.2012, 17:54 »
Neben den jüdischen hatten sich natürlich auch muslimische Verbände, sowie auch die beiden großen deutschen Kirchen gegenüber dem Gerichtsurteil ablehnend geäußert und sie sehen gemeinsam die Religionsfreiheit bedroht (obwohl letztere vom Richterspruch gar nicht tangiert sind). Welch seltene Einigkeit und Eintracht zwischen den drei großen "Religionen" .......

Versuch einer Erklärung für diese seltene Einigkeit:
Die Überschrift im Artikel (Link ganz oben) ist insoweit nicht richtig, als nicht "Muslime, Juden und Christen" einig sind, denn deren "Schäfchen" (Vokabular christlicher Kirchen) wurden vorher sicherlich gar nicht gefragt. Einigkeit besteht lediglich bei den oberen Organisations-Strukturen und Vorbetern, die die Worte "religiöse Freiheit" hier gerne in den Mund nehmen und damit aber nur die Freiheit und Selbstbestimmung der obersten Strukturen dieser (wie ich finde) rein irdischen Institutionen meinen. Eine egozentrische Sichtweise, die nicht unbedingt den "Schäfchen" dienen soll, sondern den Vorbetern.
Denn wie läßt sich anders erklären, daß z.B. Muslime und Rabbiner unmündigen Kindern z.B. Beschneidungen (natürlich im Namen der "Religion") aufzwingen, die später nicht mehr korrigiert werden können? Außerdem habe ich den Eindruck, daß diese "Religionen" immer noch nicht in der Zivilisation angekommen sind.

Es sind, wie Herr Datko schon sagte, Organisationen, die Kinder von klein auf für ihre egoistischen Zwecke vereinnahmen wollen. Droht die staatsrechtliche Basis hierfür wegzubrechen, ergibt sich plötzlich die besagte Eintracht, um die (wie ich das nennen muß) Rechtsbeugung (= nur teilweise Religionsfreiheit) voranzutreiben, die wohl rein irdischen Zwecken dient - dem eigenen Macht-Erhalt. Vollständige Religionsfreiheit mit Rücksicht auf die spätere freie Entscheidung des Kindes hätte die Abwägungsfrage zwischen Körperverletzung und Religionsfreiheit überflüssig gemacht. 
Mitglieder, die selbst bestimmen wollen, ob und welcher Religion sie angehören wollen oder nicht, sind bei dieser 'unheiligen Allianz zur Einschränkung der Religionsfreiheit' offenbar nicht erwünscht. Sondern nur "Schäfchen", denen möglichst keine grundgesetzliche Religionsfreiheit zugestanden werden soll.

Rein irdische Institutionen verfolgen eben naturgemäß rein irdische Ziele - was sonst?
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Das PROBLEM sind immer die MENSCHEN.
Das PROBLEM sind die KIRCHEN, die ORGANISIERTE RELIGION.

Der GLAUBE selbst, der sich beim Einzelnen bildet, ist so lange unproblematisch, als nicht ein IRRGLAUBE vorliegt, sich über GESETZ und RECHTE ANDERER hinwegsetzen zu dürfen / zu müssen.

Man kann geschichtlich alle Länder und alle Religionen betrachten. Immer ging es um PARALLELE Machtansprüche. Die Auseinandersetzung der Päpste mit Kaisern und Königen im Mittelalter wird heute nur etwas subtiler geführt. Aber gerade der ISLAM beansprucht ja den VORRANG des KORAN vor allen weltlichen Verfassungen und Gesetzen.

In einem FREIHEITLICH DEMOKRATISCHEN Staat darf es jedoch keinen Zweifel geben: Gottes Gesetz gilt nur dann vorrangig, wenn dieser seine Vorgaben PERSÖNLICH im Parlament eingebracht hat. Alles, was die (selbsternannten) VERTRETER verkünden, ist doch seitens der Herkunft völlig unbewiesen. Wer soll wie unterscheiden können, ob es eine "göttliche" Eingebung war oder vielleicht nur ein LSD-Rausch. Und wer kann ausschliessen, dass Gottes Vertreter nicht ganz EGOISTISCHE Ziele und Machtansprüche verfolgen?

Für die Religionsfreiheit muss daher gelten, was im Grunde für JEDEN VEREIN gilt: Die Organisation kann weitgehend, aber im Rahmen der Menschenrechte und der Verfassung, ihre Angelegenheiten SELBST regeln. Die Rituale sind FREI, aber nur bis zur GRENZE DES ERLAUBTEN.
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