Stellt Motorradfahren ein Risiko dar? JA
Ist Autofahren ein Risiko? JA
Könnte bei einem Bauwerk aus Eis und Schnee etwas passieren? VIELLEICHT
Könnte man beim Verlassen des Hauses vom Blitz erschlagen werden? SELTEN
Ja, selbst beim Aufschneiden des Frühstücksbrötchens kann man sich verletzen und schlimmstenfalls an Blutvergiftung sterben. Das Leben ist halt lebensgefährlich.
Die entscheidende Frage darf somit nicht sein, ob etwas ggf. ein (Rest)Risiko darstellt, sondern lediglich, wie eine FREIHEITLICHE Gesellschaft hiermit umgeht.
Nach meinem Verständnis von FREIHEIT muss dem Erwachsenen und geistig Gesunden ein sehr weitreichendes Selbstbestimmungsrecht erhalten bleiben, welche Risiken er eingehen will. Aufgabe des Staates darf es nur sein, dafür zu sorgen, dass der Einzelne auch hinreichend über ggf. verdeckte Gefahren informiert wird. Nur in Ausnahmefällen darf durch gesetzgeberische Restriktionen das Selbstbestimmungsrecht der Menschen beschnitten werden. Dies mag dann vertretbar sein, wenn mit geringem und zumutbaren Aufwand ein Risiko objektiv gemindert werden kann.
Anders gestaltet sich die Situation zum Teil nur dann, wenn ggf. unbeteiligte Dritte zu Schaden kommen können. Der Kraftfahrer mit defekten Bremsen gefährdet eben nicht nur sich selbst, sondern auch alle anderen Verkehrsteilnehmer. Aber selbst in diesen Fällen müssen die Rechtsnormen in einem gesunden Verhältnis zum angestrebten Nutzen stehen. Würde ein Gesetzgeber versuchen jedes Risiko zu bekämpfen, die Gesellschaft würde in einer Diktatur der Vernunft enden. Und wer will sich anmaßen, darüber zu entscheiden, was für andere Menschen vernünftig ist?
Um auf das Beispiel der Eiskirche zurück zu kommen: Das ist kein Fall für die Behörden. Nur wenn erkennbar statische Mängel ein erhöhtes Risiko darstellen würden, wäre ein amtliches Betretungsverbot gerechtfertigt. Ansonsten mögen die Übervorsichtigen ein Schild aufstellen "Betreten auf eigenes Risiko", aber man sollte nicht Probleme suchen, wo Lösungen gebraucht werden. Statt somit die Stabilität eines Bauwerks aus Eis und Schnee generell anzuzweifeln, wäre es doch eher hilfreich, Vorschläge zu machen, wie man die Statik verbessern kann. Jeder Glaciologe wird bestätigen können, dass insbesondere Eis ein sehr harter und beständiger Stoff ist. Gletscher haben ganze Landschaften geformt. Und sollte dennoch an bestimmten Stellen ein Bruchrisiko bestehen, würde wohl auch wenig dagegen sprechen, mit Sicherungen (verborgene Stahlträger, Holz, Sicherungsseilen, etc.) Vorsorge zu treffen. Die Herausforderung lautet doch, mit möglichst wenig Fremdstoffen ein Bauwerk nur aus Eis und Schnee zu errichten. Und es sind doch gerade diese Herausforderungen, die den menschlichen Geist befügeln. Und wo der Pessimist dann ein Problem sieht, wird der Optimist einen gangbaren Weg finden.
Ich werde die Eiskirche wohl selbst nicht ansehen können, denn bei Eis und Schnee ist sogar mir das Motorradfahren zu unsicher. Und sobald die Strassen wieder trocken sind, da die Temperatur deutlich über dem Gefrierpunkt liegt, wird sich die Eiskirche wohl Stück für Stück in den nächsten Bach verflüssigen.