Ich bewundere Menschen und Ehepaare oder in anderen Partnerschaften, in denen es fast problemlos läuft, das ist wirklich ein Wunder.
Vielleicht hilft es, daran zu denken, dass es JEDER selbst in der Hand hat, seinem Leben einen SINN zu geben und (weitgehend) selbst entscheiden kann, was er als PROBLEM empfinden will und wie er damit umgeht.
Zugegeben, manchmal schlägt "das Schicksal" zu. Eine Krankheit, ein Unfall, ein Betrüger ... Es gibt einiges, was das Leben schwer machen kann. Erstaunlich ist jedoch, wie unterschiedlich Menschen mit vergleichbaren Lebenssituationen umgehen. Die Einen ergeben sich dem Schicksal und leiden hilflos vor sich hin. Die Anderen empfinden die Situation als Herausforderung und versuchen, das Beste daraus zu machen.
Dieses berühmte "POSITIVE DENKEN" kann zwar auch kein Naturgesetz verändern. Wer z.B. unfallbedingt im Rollstuhl sitzt, kann (meist) nicht plötzlich wieder laufen, nur weil er seine Sicht auf "das Schicksal" ändert. Aber er findet vielleicht andere Interessen und Stärken in sich, die ihm einen Sinn und eine Erfüllung geben können. Der Eine trauert darüber, dass er die Beine nicht mehr benutzen kann. Der Andere freut sich, dass die Arme noch gesund sind. Wer von beiden wird wohl glücklicher leben?
Gerade das Thema "Kirche" und "Religion" ist doch ein Musterbeispiel dafür, wieviel die eigene Einstellung ausmacht. Zumindest in Deutschland kann man diesem "Problem" doch weitgehend entgehen. Wenn ein Kreuz an der Wand hängt, was soll's? Den "Röhrenden Hirsch" in Alpen-Öl findet sicher auch nicht jeder toll. Und wenn mein Nachbar täglich drei Mal in die Kirche rennt. Was soll's? Ich muss ja nicht mitgehen. Und wenn's ihn glücklich macht, mir tut's nicht weh.
Ich könnte mir jedoch auch SELBST EIN PROBLEM SCHAFFEN. Ich müsste nur beschliessen, ihn unbedingt "bekehren" zu müssen. Da er sich jedoch vermutlich nicht so ohne Weiteres bekehren lassen will, habe ich plötzlich ein Problem. "Warum nur erkennt mein Nachbar nicht, dass ich Recht habe?"
Ich bin überzeugter Atheist und in vielen Punkten auch Religionskritiker. Aber ich hatte mit "Kirche" oder "Religion" noch nie ein PROBLEM. Im Gegenteil, ich finde es teilweise sehr spannend, sich mit "religiösen" Fragen und Vorurteilen zu befassen. Und selbst wenn die Zeugen Jehovas vor der Tür stehen, bekommen eher diese, als ich ein Problem. Ein entsprechender "Vorbeter", der mit seinem "Lehrling" bei mir zwecks Bekehrung kingelte, nahm schnell Reiß-aus, als meine Fragen bei seinem Schützling erste Zweifel aufdeckten. Ich hatte kein Problem, lediglich eine lustige Unterhaltung. Man muss entsprechende Diskussionen lediglich als "intellektuelles Training" empfinden und es macht richtig Spaß.
Also bewirken Sie doch einfach Ihr eigenes Wunder. Erklären Sie das, was gestern noch als "Problem" empfunden wurde, ab sofort zur "spannenden Herausforderung". Ein kleiner rhetorischer "Trick" kann zudem bei Unstimmigkeiten von (Ehe)Paaren überraschende Ergebnisse bringen. Statt zu argumentieren, probieren Sie doch mal, NUR FRAGEN zu stellen: "Du behauptest ..., wo kann ich das nachlesen / überprüfen?", "Wieso denken viele Menschen anders?", "Was KONKRET möchtest Du erreichen / ändern?", "Wie stellst Du Dir denn eine ideale Lösung vor?" Egal, welche Antwort kommt, es darf NIE ein GEGENARGUMNET kommen. Nur ggf. eine kurze Zusammenfassung, ob man alles richtig verstanden hat und dann DIE NÄCHSTE FRAGE. Ist am Anfang gar nicht so einfach, macht aber RIIIIESIGEN SPASS. Und wenn man (mit etwas Übung) nur noch ehrliche und offene Fragen stellt, fühlt sich auch der Gesprächspartner nicht mehr angegriffen. Er wird nur angeregt, seine Meinung oder sein Vorurteil zu hinterfragen. Alle Erkenntnisse hat er selbst, sie werden nicht von aussen vorgegeben. Was eben noch ein "Problem" war, ist jetzt eine spannende (und unterhaltsame) Diskussion. Fairerweise sollte man selbst jedoch auch offen genug sein, gute und überzeugende Argumente selbst auch anzuerkenen und zu übernehmen.
In diesem Sinne wünsche ich eine "problemlose" Partnerschaft und spannende Unterhaltungen.