Religion wird leider viel zu oft als Motivation, Argumentation oder Rechtfertigung MISSBRAUCHT !
Es sind IMMER Menschen die handeln. In vielen Fällen bewirken sie Gutes, wenn sie sich Anderen zuwenden oder diese unterstützen. Es gibt jedoch ebenfalls negative Auswirkungen einer Fremdbestimmung.
Manches Denken kann man zwar eindeutig als FALSCH bezeichnen, aber ein eindeutig RICHTIGES Denken gibt es hingegen leider nicht. Man kann daher RICHTIGES Denken auch weder an einer Schule, noch im Religionsunterricht vermitteln oder empfangen. Allein das Wiederkäuen fremder Meinungen ist im Gegenteil bereits ein Indiz für FALSCHES Denken. Die Gedanken Anderer mögen als Denkanstoß hilfreich sein, letztendlich muss man jedoch selbst und frei bestimmt die unterschiedlichen Aspekte einer Sache selbst verknüpfen und hieraus die eigenen Schlüsse ziehen.
Von wenigen medizinischen Ursachen abgesehen liegt die Verantwortung für sein Handeln immer beim Handelnden selbst. Der Versuch, sich auf einen göttlichen Willen zu berufen, ist ein Versuch, sich um die eigene Verantwortung zu drücken.
Menschen werden leider immer auch Straftaten und sogar Terrorakte begehen. Nur wenn der Mensch unter totaler Kontrolle stehen würde, könnte dies reduziert werden. Aber selbst dann würden vermutlich von der Stelle, die die Kontrolle ausübt, Rechtswidrigkeiten begangen. Und ob bei einer völlig überwachten Existenz überhaupt noch von "Leben" gesprochen werden kann, muss doch sehr bezweifelt werden.
Recht und Gesetz beruhen zudem immer tragend auf der Bereitschaft der Bevölkerung, sich an diese gemeinsamen Normen halten zu wollen. Dieser Konsens ist unverzichtbar für jedes friedliche Miteinander. Werden die Menschen mit zu vielen Regeln eingeengt, verlieren nicht nur die einzelnen Bestimmungen an Bedeutung, der Einzelne entwickelt zudem eine Tendenz, sich über Regeln hinwegzusetzen. Die Kunst einer guten Regelung liegt somit darin, hinreichend viele WICHTIGE Normen aufzustellen, es aber bei der Regulierung auch nicht zu übertreiben. Der Einzelne darf hierbei niemals von der Verantwortung für sein eigenes Handeln freigestellt werden.
Normen sind hierbei keineswegs nur die staatlichen Gesetze, auch religiöse Regeln müssen diesem Bereich zugerechnet werden. Wer sich ständig gesetzes- und kirchenkonform verhalten soll, verliert seine Persönlichkeit. Der Mensch braucht einen Freiraum, um eigene Verantwortlichkeit entwickeln zu können. Der Mensch braucht vielfältige Meinungen und Ansichten, um sich ein möglichst ausgewogenes Bild machen zu können.
Attentäter auf eine politische oder religiöse Motivation zu reduzieren, greift zudem immer zu kurz. Selbst die aggressivste Organisation muss, um einen Dummen für einen Anschlag zu finden, immer auf die psychologischen Tricks zurückgreifen, um einen Einzelnen zu einer Tat zu bringen. Meist beginnt es mit einer Art Gehirnwäsche, bei der durch ständiges Wiederholen bestimmte Parolen eingeprägt werden. Als Antrieb zu einer Tat selbst wird dann jedoch entweder der persönliche Stolz oder der Wunsch nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe missbraucht. Leider funktioniert dies sogar mittels Eigenmotivation, ja fast Selbsthypnose. Durch häufige Beschäftigung mit einem Thema unter Ausblendung alternativer Ansichten erfolgt die Prägungsphase. Aus falsch verstanden Beispielen wird sodann die Vorstellung entwickelt, man wäre nur dann ein guter XYZ (hier kann jede politische oder religiöse Ansicht eingesetzt werden), wenn man ... (und auch hier kann fast jede Untat verwendet werden).
Das beste Mittel, derartigen Entwicklungen entgegen zu wirken, besteht darin, bei jeder sich immer bietenden Möglichkeit, die Vielfalt des Denkens zu fördern. Wichtig ist insbesondere, Meinungen Anderer zunächst wertfrei zu akzeptieren. Dies bedeutet nicht, dass man diese übernehmen muss oder sollte. Aber man muss anerkennen, dass es neben der eigenen Meinung auch noch andere Ansichten gibt. Und eine "andere" Meinung ist in der Regel weder "besser" noch "schlechter", sie ist einfach nur "abweichend". Objektiv (wenn es das überhaupt gibt) spricht sogar viel dafür, dass weder die eigene noch die fremde Meinung zu 100% zutrifft. Wer dies akzeptiert, kann versuchen, die zutreffenden und besten Teile und Aspekte ALLER Meinungen zu sammeln. Und wie bei einem Mosaik bilden die einzelnen Teile dann im Laufe des Lebens ein Bild. Je mehr Teile man daher in seinem Leben einsammelt, umso detailreicher wird die eigene Ansicht. Wer hingegen starrsinnig an einem Vorurteil festhält, ohne sich mit anderen Sichtweisen auch nur zu befassen, wird lebenslang auf "Hight Definition" im Kopf verzichten müssen.