Ist das humanistische Menschenbild besser als das der abrahamitischen Religionen?

Joachim Datko( Monopole.de ) Worin liegt der zentrale Unterschied zwischen dem humanistischen Bild vom Menschen und dem Menschenbild der drei abrahamitischen Religionen Judentum, Christentum und Islam?





Die abrahamitischen Religionen

Im Judentum, Christentum und im Islam ist Abraham eine der zentralen mystischen Symbolfiguren. Er war Stammesführer eines Hirtenvolkes im Nahen Osten. Allen drei Religionen liegt die Erfahrungswelt von umherziehenden Hirtenvölkern zugrunde, die in einer kargen Region um das tägliche Überleben gekämpft haben. Über die mystische Symbolfigur Abraham ( im Islam Ibrahim ) sind das Judentum, das Christentum und der Islam unabhängig von ihren Differenzen und kriegerischen Auseinandersetzungen verbunden. Es ist der fiktive aggressive Gott Abrahams, der auch Gott der Juden, der Christen und der Islamisten ist.

Der Humanismus

Der Humanismus beginnt mit der griechischen Philosophie der Antike und der Athener Demokratie. Der Einzelne ist im Humanismus Mittelpunkt, es geht um sein persönliches Glück, um seine Meinung und um seine Selbstbestimmung. Der Humanismus hat keine religiösen Bestandteile, keine Dogmen, keine „heiligen Bücher“ und keine Götter. Der Begriff Humanismus kommt aus dem Lateinischen von humanus (menschlich) und humanitas (Menschlichkeit).

Die moderne Gesellschaft

Unsere heutige Lebenswelt ist durch die Wissenschaften geprägt. Der streng rationalen Denkweise verdanken wir den Wohlstand, die gute Versorgung mit Lebensmitteln und unseren hohen medizinischen Standard. Die Wissenschaften liefern uns ständig neue Erkenntnisse. Die Staatsform ist in der Regel die repräsentative Demokratie, jeder Erwachsene hat eine Stimme, alle Stimmen haben das selbe Gewicht.

Historisch ist die griechische Polis, insbesondere die attische Demokratie, der Vorläufer unserer modernen Gesellschaft. Schon dort gab es demokratische Elemente, Wissenschaften und Künste.

Religionen sind anachronistisch

Religionen verharren in uralten Traditionen, sie wiederholen über Jahrhunderte und Jahrtausende uralte Texte und Riten und sind in geistiger Stagnation wie in einem Käfig gefangen. „Heilige Bücher“ werden über Jahrhunderte und Jahrtausende immer wieder gelesen, mit den Inhalten werden die Menschen Generation für Generation indoktriniert, in ständiger Wiederholung graben sich die Texte in das Bewusstsein des Einzelnen und auch in das Bewusstsein der Gesellschaft ein. Die Religionen manipulieren dabei den Einzelnen und die Gesellschaft als Ganzes. Im Zentrum der abrahamistischen Religionen steht ein fiktiver Gott, dann kommen in der Regel besonders herausgehobene Menschen, die eine rituelle Funktion haben. Der "einfache" Mensch kommt erst in dritter Linie. Es wird sogar noch zwischen gläubigen und ungläubigen Menschen unterschieden. Im religiösen Kontext ist der gläubige Mensch der gute Mensch, der ungläubige Mensch der schlechte Mensch.

Das Menschenbild der Religionen entspricht noch weitgehend dem Menschenbild der alten Hirtenvölker des Nahen Ostens. An der Spitze steht ein Patriarch, der die Geschicke der Menschen lenkt, der „Gute Hirte“. Die geistige Eigenständigkeit und die individuelle Selbstbestimmung ist den Hirtenvölkern fremd gewesen und ist es den abrahamitischen Religionen noch heute. Man nehme nur die Säuglingstaufe der großen christlichen Kirchen gegen das Selbstbestimmungsrecht des Menschen oder die Koranschulen zum Auswendiglernen des Korans in islamischen Gesellschaften. In den abrahamitschen Religionen wird der Mensch von klein auf indoktriniert und bevormundet. Das Gesellschaftsbild ist hierarchisch, an der Spitze ein fiktiver Gott, dann die Mittler zwischen diesem Gott und den Gläubigen und ganz unten der einfache Mensch. Der Nicht-Gläubige und der Anders-Gläubige werden häufig zum Feind erklärt und von streng Gläubigen im Namen ihres Gottes verfolgt.

Der Humanismus ist Grundlage der demokratischen Gesellschaften

Im Humanismus steht der einzelne Mensch neben den anderen Menschen, es gibt keine Hierarchie. Im Mittelpunkt stehen individuelle Bedürfnisse und persönliches Glück. Die Gleichheit der Menschen wird in den modernen humanen Gesellschaften bei den politischen Wahlen sichtbar, jeder hat genau eine Stimme. Im Humanismus gibt es keinen Gott und keine besonders herausgehobenen Personen.

Die Wurzel der Aggressivität abrahamitischer Religionen

Noch heute dreht sich die Gedankenwelt in den abrahamitischen Religionen um Probleme der uralten Hirtenvölker des Nahen Ostens und deren Durchsetzungsfähigkeit im Kampf um das tägliche Überleben in einer kargen Region.

Besonders eindrucksvoll und aussagekräftig für den Gegensatz zwischen dem humanistischen Menschenbild und dem Menschenbild in den abrahamitischen Religionen ist eine mystische Geschichte, in der ein Gott von Abraham verlangte, ihm einen seiner Söhne zum Opfer zu bringen, ihn zu ermorden. „Gott“ wollte mit der Forderung an Abraham lediglich testen, ob Abraham bedingungslos gehorsam ist. Als Abraham zur Tat schritt, verzichtete Gott auf die Ausführung, er war von Abrahams Gehorsam überzeugt.

a) Der Sohn Abrahams wird in der Geschichte zum Objekt eines makaberen Tests gemacht, als wäre er leblos, hätte kein eigenes Anrecht auf Leben und Glück. Die Botschaft an die Gläubigen ist, man solle, wenn es ihr Gott fordert, sogar morden, eine bestialische Forderung und eine bestialische Bereitschaft von Abraham zu morden. Solche Vorstellungen zeigen eine Gesellschaft mit einem Führer und bedingungslosem Gehorsam.

Religionen prägen den Gläubigen solche archaische Geschichten durch permanente Wiederholung von klein auf ein. Eine der Konsequenzen ist die Unterwerfung des Menschen unter einen fiktiven Gott und seine Priester. Zuerst kommt in den abrahamitischen Religionen ein fiktiver Gott und dann der Mensch. Welch ein Gegensatz zum Humanismus, in dem der Mensch mit seinen individuellen Bedürfnissen im Mittelpunkt steht. Wäre Abraham Humanist gewesen, hätte seine ganze Sorge dem Sohn gegolten, nicht nur als Sohn, sondern auch allgemein als Mensch.

Politisch ist diese Geschichte aus den „heiligen Büchern“ ein fatales Signal, Menschenrechte im Namen eines Gottes zu missachten, ja sogar zu morden, was in der Geschichte auch immer wieder passiert ist und passiert. Die Geschichte der abrahamitischen Religionen ist oft mit Blut geschrieben worden.

b) Abraham wird von seinem Gott zu einem Werkzeug degradiert, der gläubige Mensch ist nicht Herr seiner selbst, sondern Sklave seines Gottes. Im Humanismus ist niemand Sklave, jeder verwirklicht sich selbst, die Grenzen liegen in den Rechten der anderen Menschen.

c) Was für eine üble Kreatur ist dieser Gott eigentlich, der so einen makaberen Test durchführt? Nur gut, dass es im Humanismus keine Götter gibt.

Despotie der abrahmitischen Religionen

Der "Gott" Abrahams ist ein Despot. Die abrahamitischen Religionen haben ein despotische Wurzel, die sie mit Aggressivität nährt. Der Mensch wird zum Opfer der Religion.

Weltbild, Moral und geistige Orientierung im Humanismus und in den abrahamitischen Religionen
   Humanismus  Christentum  Islam  Judentum
         
 Im Mittelpunkt  Der Mensch  Dreifacher fiktiver Gott  Ein fiktiver Gott  Ein fiktiver Gott
         
 Weltbild
 
 Naturwissenschaftlich
 
 Welt durch fiktiven Gott   geschaffen  Welt durch fiktiven Gott geschaffen  Welt durch fiktiven Gott geschaffen
         
 Moral
 
 Menschenwürde; Gleichheit  Zehn Gebote und nach biblischen Geschichten  Nach dem Koran und der Sunna  Verhaltensregeln der Halacha
         
 Geistige Orientierung  Geistige Freiheit  Einprägung von Texten und Riten  Einprägung von Texten und Riten  Einprägung von Texten und Riten
         

Bewertung der beiden Menschenbilder

Das humanistische Menschenbild ist dem religiösen Menschenbild der abrahamitischen Religionen überlegen. Der streng religiöse Mensch ist gedanklich unfrei, er wiederholt vorgegebene Texte und ist der Willkür eines fiktiven Gottes ausgesetzt. Im Humanismus ist der Mensch frei, es gibt kein "höheres" Wesen über ihm, die Grenze seiner Freiheit liegt in der Freiheit seiner Mitmenschen.




Joachim Datko - Physiker, Philosoph
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